Zum Thema ‘Medien’

Legasthenie, Dyslexie und Dyskalkulie



Arbeitsmaterialien und Computerprogramme für das Legasthenietraining sind oft teuer! Die aktuelle kostenlose CD-ROM “Legasthenie & Dyskalkulie III” enthält vom Leseprogramm über Schach, vom Mathespiel und Sudoku – dies ergibt monatelangen Spielespaß inklusive Trainingsmotivation und Lernerfolg. Diese kostenlose CD-ROM mit Software des Ersten Österreichischen Dachverbandes Legasthenie setzt weiterhin mit Hilfe seiner diplomierten Legasthenietrainer Maßstäbe in der gemeinnützigen Verbandsarbeit. Alle Arbeitsblätter sind großteils Erstveröffentlichungen und werden von den diplomierten Legasthenietrainern des EÖDL gewidmet. Die Arbeitsblätter können frei für den schulischen und außerschulischen Bereich oder für private Zwecke eingesetzt werden.

Neueste Forschungsergebnisse zur Dyslexie

Schon im Vorschulalter entwickelt das Gehirn ein komplexes Netzwerk, das sich während des Lesenlernens auf die Verarbeitung von Schrift spezialisiert und entscheidend zum flüssigen Lesen beiträgt. ForscherInnen der Universität Zürich und am Agora Center der Universität in Jyväskylä zeigten, dass dies besonders schnell geschieht, wenn Kinder früh die Verknüpfungen von Sprachlauten und Buchstaben trainieren. Das Verknüpfen von Buchstaben (Grapheme) und Sprachlauten (Phoneme) ist in vielen Sprachen der erste und besonders wichtige Schritt beim Lesenlernen, wobei die meisten Kinder bereits vor der Schule einige Buchstaben kennen lernen und beginnen diese mit Sprachlauten zu verknüpfen. Dass eben diese Verknüpfung bei Kindern, die eine Leseschwäche (Dyslexie, Legasthenie) entwickeln, weniger automatisch abläuft, zeigt sich u.a. auch in verminderten Buchstabenkenntnissen vor der Schule. Folglich starten diese Kinder die Schule auch häufig mit etwas weniger günstigen Vorläuferfertigkeiten für das Lesen. Bei Kindern, die eine Leseschwäche (Dyslexie oder Legasthenie) entwickeln, läuft dieser Verknüpfungsprozess weniger automatisch ab, woraus sich eine verminderte Buchstabenkenntnis und eine ungünstige Lesekompetenz ergibt, wenn die Kinder mit der Schule beginnen. In dieser Studie konnte man zeigen, dass die Verknüpfungen von Sprachlauten mit Buchstaben maßgeblich bei der Schriftspezialisierung des Gehirns beteiligt sind. Über 30 Kindergartenkinder mit und ohne Leseschwäche-Veranlagung wurden einige Wochen mit dem computerbasierten Buchstaben-Sprachlaut-Lernprogramm „Graphogame” trainiert. Nach diesem Training zeigten die Kinder eine stärkere Aktivität im Gehirn für geschriebene Wörter als für Symbole, womit deren Gehirnaktivität derjenigen von Erwachsenen oder Kindern glich, die lesen können. Besonders bemerkenswert war, dass insbesondere Kinder mit einer familiären Veranlagung für Dyslexie in ihrer Leseentwicklung durch frühes und gezieltes Training sehr wirkungsvoll unterstützt werden konnten.

Neben neurobiologischen Aspekten wie Wahrnehmungsproblemen und sozialen Merkmalen spielen daher vermutlich auch genetische Aspekte eine Rolle, wobei jüngst Neef et al. (2017) mit einem Gehirn-Scan im Vorschulalter mit einer Trefferquote von 75 Prozent zeigen konnten, ob ein Kind am Ende der ersten Klasse an einer Lese-Rechtschreibschwäche leiden wird. Bei weit über hundert Kindern untersuchten man die Expression von Genen in bestimmten Hirnregionen, die beim Lesen- und Schreibenlernen eine wichtige Rolle spielen, und entdeckte, dass Kinder mit einer bestimmten Variante des Gens NRSN1, dass für die Entwicklung der Nervenzellen wichtig ist, strukturelle Unterschiede in einer Hirnregion aufweisen, die man als Visual Word Form Area bezeichnet. Dieses Areal ist für das Erkennen von Buchstaben und Wörtern zuständig, wobei sich hier Kindern schon im Kindergarten, also bevor man das Lesen überhaupt lernt, mit und ohne spätere Legasthenie voneinander unterscheiden. Daher sollten schon früh Screening-Verfahren zum Einsatz kommen, noch bevor die Schwächen beim Lesen und Schreiben bereits offensichtlich sind.

Literatur

Neef, N., Müller, B., Liebig, J., Schaadt, G., Grigutsch, M., Gunter, T. C., et al. (2017). Dyslexia risk gene relates to representation of sound in the auditory brainstem. Developmental Cognitive Neuroscience. doi:10.1016/j.dcn.2017.01.008.
Silvia Brem, Silvia Bach, Karin Kucian, Tomi K. Guttorm, Ernst Martin, Heikki Lyytinen, Daniel Brandeis und Ulla Richardson (2008). Brain sensitivity to print emerges when children learn letter-speech sound correspondences. PNAS, online early edition, doi:10.1073/pnas.0904402107



Wenn Sie allein den kompletten Text lesen wollen, klicken Sie bitte auf den Titel des Beitrags!

Facebook-Kultur: Der Wertewandel in den Gemeinschaftsbeziehungen



Facebook ist eine Neidmaschine. Studien zeigen, dass Leute nach einer Facebook-Session unglücklicher sind als davor
Rolf Dobelli

Der Wertewandel bei Gemeinschaftsbeziehungen äußert sich darin, dass immer häufiger ein auf die Gemeinschaft orientiertes Handeln nicht mehr die Beförderung der Ziele des Kollektivs zum Ziel hat, sondern vielmehr die Realisierung des individuellen Nutzens, d. h., an Gemeinschaften interessiert nicht mehr das, was diese sind, also ihre Ziele oder ihre Werte, sondern ausschließlich das, was man durch die Teilhabe an ihnen erreichen kann. Das bedeutet nichts anderes, als die Mitmenschen einem Zweckprinzip zu unterwerfen, sodass der Wert des Menschen an sich hinter dem Nutz- oder Tauschwert zurück tritt, dessen Träger er ist. Der Mensch ist austauschbar geworden, ersetzbar durch einen anderen Menschen, der Träger nützlicherer Eigenschaften, Fähigkeiten oder Kontakte ist, wodurch in einer Zeit des ausgeprägten Individualismus die Individuen auf den Wert ihrer Wirkung reduziert werden. In dieser Verzweckung der Zwischenmenschlichkeit, der Verwandlung des Individuums in austauschbares Sozialkapital, wird etwa Freundschaft immer weniger möglich, ist diese doch von der Vorstellung abhängig, etwas um eines anderen willen zu tun oder sich um einen Menschen nur um dieses Menschen willen zu sorgen. In dieser Verzweckung der Freundschaftsbeziehungen liegt durchaus ein Grund dafür, dass heute viele Menschen zwar viele Bekannte und äußerst wenige Freunde haben, denn eine instrumentelle Zwischenmenschlichkeit kann wohl nur oberflächliche und flüchtige Bekanntschaften generieren – siehe die Facebook-Kultur.

Vanman et al. (2018) haben entdeckt, dass ein Entzugsprogramm von Social Media wie Facebook entscheidenden Einfluss auf den körperlichen Hormonhaushalt hat, wobei insbesondere die Cortisolwerte, ein Schlüsselhormon bei der Stressentwicklung, vom Umgang mit sozialen Medien beeinflusst werden. Allerdings kann sich ein vollkommener Entzug von digitalen Netzen auch negativ auf das Wohlbefinden auswirken. In einem Experiment musste die Hälfte der Probanden für eine gewisse Zeit abstinent werden, die andere Hälfte machte weiter wie bisher. Im Speichel der Probanden stellte man eine Reduktion der Cortisolwerte fest, sobald diese ihre Facebook-Aktivitäten eingestellt hatten, allerdings fühlten sie sich bei der anschließenden Befragung aber durchwegs nicht weniger gestresst, d. h., obwohl die Facebookvermeider eine eindeutige physiologische Verbesserung hinsichtlich ihrer Stresshormone zeigten, ergab ihre psychologische Untersuchung eher eine Verschlechterung. Sie gaben an, dass sie sich unwohler fühlten als vor der Facebook-Abstinenz und warten nur darauf, ihre Aktivitäten wieder aufnehmen zu können.

Da etwa die Hälfte der Internetnutzer Facebook nutzt, um auf Nachrichten zuzugreifen, ist es nicht verwunderlich, dass Social Media zunehmend als eine wesentliche Quelle für politische Informationen angesehen werden. Obwohl der durchschnittliche Social Media-Nutzer nur auf einen kleinen Teil der politischen Inhalte klickt, die in seinem News Feed verfügbar sind, korreliert die Nutzung von Social Media mit seinem politischem Wissen. Da der News-Feed von Facebook aber nur Artikelvorschauen liefert, denken die LeserInnen, dass sie mehr wissen, als sie es tatsächlich tun, insbesondere Menschen, die motiviert sind, Emotionen zu suchen. Menschen neigen daher zu übersteigertem Selbstvertrauen in ihr eigenes Wissen, nachdem sie nur die Vorschau eines Facebook-Artikels gelesen haben. Es findet offenbar eine Verschlagwortung in der Kommunikation im Internet statt, denn man sieht reißerische Überschriften, einen kurzen Teaser und ein aufregendes Bild. Solche Nachrichten werden dann tausendfach geteilt und unreflektiert als Information betrachtet, was nicht zuletzt daran liegt, dass Menschen mit einer gewaltigen Informationsflut konfrontiert werden. Es gibt auf diese Informationsflut zwei Reaktionsweisen, einerseits das Eingeständnis, mit dieser Informationsflut nicht zurechtzukommen, andererseits aber auch die Entwicklung eines großen Selbstvertrauens in das eigene Wissen. Anspach et al. (2019) stellten fest, dass Menschen, die eher von Emotionen getrieben werden, auch bei hohem Informationsdefizit davon überzeugt sind, richtig zu liegen und ihr eigenes Wissen über Fakten stellen. Daher neigen solche Menschen zu übersteigertem Selbstvertrauen trotz minimalem Informationen. Da es durch die Menge an Informationen im Internet zunehmend unmöglich geworden ist, in die Tiefe zu gehen, ist die Die Glaubwürdigkeit der Informationen der Glaubwürdigkeit des Absenders gewichen, d. h., wenn Menschen der Quelle vertrauen, gehen sie davon aus, dass die Informationen schon geprüft wurden und teilen diese dann in den Sozialen Medien. Dadurch entstehen Gerüchte, und wenn ein Gerücht oft genug weitergesagt wurde, wird es zur Wahrheit.

Ozimek & Bierhoff (2019) haben eine experimentelle und zwei Fragebogenstudien durchgeführt, um zu untersuchen, ob die Nutzung sozialer Netzwerke depressive Tendenzen hervorrufen kann. In der ersten Studie ließen sie zwei Gruppen von Versuchspersonen fünf Minuten lang entweder auf ihrer Facebook-Pinnwand oder auf der Mitarbeiterwebseite der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ruhr-Universität Bochum Informationen über die ersten fünf Personen herausschreiben, die sie sahen, die dritte Gruppe übersprang diese Aufgabe. Alle drei Gruppen füllten danach einen Fragebogen aus, der über ihr Selbstwertgefühl Auskunft gab. Es hat sich dabei gezeigt, dass die Konfrontation mit sozialen Informationen im Internet, die sowohl auf Facebook als auch auf Mitarbeiterseiten selektiv und nur positiv und vorteilhaft sind, zu einem geringeren Selbstwertgefühl führen. Da ein niedriges Selbstwertgefühl eng mit depressiven Symptomen zusammenhängt, kann man schon in dieser kurzfristigen Auswirkung eine mögliche Gefahrenquelle sehen. Die langfristige Perspektive untersuchten man in einer Befragung von achthundert Probanden zu ihrer Facebook-Nutzung, zu ihrer Tendenz, sich mit anderen vergleichen zu wollen, zu ihrem Selbstwertgefühl und zum Auftreten depressiver Symptome. Dabei zeigte sich, dass es dann einen positiven Zusammenhang zwischen vor allem passiver Facebook-Nutzung und depressiven Symptomen gibt, wenn Probanden ein verstärktes Bedürfnis nach sozialen Vergleichen ihrer Fähigkeiten haben. Wenn man also ein starkes Bedürfnis nach Vergleichen hat und im Internet immer wieder auf der Startseite sieht, dass andere tolle Urlaube haben, tolle Abschlüsse machen, sich teure und tolle Dinge kaufen, während man selber aus seinem Büro das trübe Wetter draußen sieht, senkt das den Selbstwert. Hinzu kommt, dass wenn man dies Tag für Tag und immer wieder erlebt, kann das langfristig höhere depressive Tendenzen begünstigen. Ein Überprüfung dieser Effekte auf Xing, einem professionellen Netzwerk ergab ein sehr ähnliches Ergebnis wie die Facebookstudie. Insgesamt konnte gezeigt werden, dass nicht die Nutzung sozialer Netzwerke generell und unmittelbar zu Depressionen führt oder mit ihnen im Zusammenhang steht, sondern dass gewisse Voraussetzungen und eine bestimmte Art der Nutzung das Risiko für depressive Tendenzen erhöhen. Private wie professionelle soziale Netze können höhere Depressionswerte begünstigen, wenn Nutzer hauptsächlich passiv unterwegs sind, sich mit anderen sozial vergleichen und diese Vergleiche den Selbstwert negativ beeinflussen. Man muss allerdings berücksichtigen, dass nur die wenigsten Menschen auch negative Erlebnisse und Erfahrungen in sozialen Medien posten, wodurch der Eindruck entsteht, dass man mit diesenpositiven Erlebnissen im Netz überflutet wird.

Literatur

M. Anspach, Nicolas, T. Jennings, Jay & Arceneaux, Kevin (2019). A little bit of knowledge: Facebook’s News Feed and self-perceptions of knowledge. Research & Politics, 6, doi:10.1177/2053168018816189.
Heinzlmaier, B. (2011). Die Werte der Jugend in Zeiten der moralischen Krise. Wien: Institut für Jugendkulturforschung.
Ozimek, Phillip & Bierhoff, Hans-Werner (2019). All my online-friends are better than me – three studies about ability-based comparative social media use, self-esteem, and depressive tendencies. Journal Behaviour & Information Technology, doi:10.1080/0144929X.
Vanman, Eric, Baker, Rosemary, Tobin, Stephanie (2018). The burden of online friends: the effects of giving up Facebook on stress and well-being. The Journal of Social Psychology, doi: 10.1080/00224545.2018.1453467.
https://www.pressetext.com/news/facebook-nutzer-ueberschaetzen-ihr-wissen.html (19-05-09)



Wenn Sie allein den kompletten Text lesen wollen, klicken Sie bitte auf den Titel des Beitrags!

BookCrossing – die wandernde Literatur



Ein neuer weltweiter Trend schwappt nach Österreich über: BookCrossing. Jeder wird dabei ermutigt, Bücher in freier Wildbahn “auszusetzen”. Der Finder des Buches darf es mitnehmen und lesen, um es dann wieder der Wildnis zu übergeben, wo es einen neuen Leser findet. Der ursprüngliche Besitzer des Buches kann dabei jederzeit nachvollziehen, wo sich das Buch gerade befindet. Durch diese Idee wird die ganze Welt zu einer riesigen Bibliothek. Machen Sie mit!

So funktioniert es: Die Mitglieder von Bookcrossing registrieren Bücher auf der Webseite www.bookcrossing.com. Jedes Buch bekommt eine eigene BCID (BookCrossingIDentnumber), anhand derer man seinen Weg nachvollziehen kann. Dann werden die Bücher freigelassen: Man legt sie in ein Ärztewartezimmer, läßt sie “versehentlich” in der U-Bahn liegen oder verschenkt sie. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Der Finder eines Buches tippt die BCID auf der Webseite ein und kann in einem Journal angeben, wo er das Buch gefunden hat, als auch seine Meinung dazu kundtun. Dann läßt er es wieder frei…



Wenn Sie allein den kompletten Text lesen wollen, klicken Sie bitte auf den Titel des Beitrags!



Diese Seiten sind Bestandteil der Domain www.stangl.eu