Technologienutzung und schulische Leistung

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Die Zunahme des digitalen Medienkonsums, insbesondere bei Kindern, wirft die gesellschaftliche Frage nach seinen Auswirkungen auf die Kognition, die psychische Gesundheit und die schulischen Leistungen auf. Cardoso-Leite et al. (2021) untersuchten drei verschiedene Arten der Messung der Technologienutzung – Gesamtstunden des Medienkonsums, Stunden des Videospiels und Anzahl der gleichzeitig genutzten Medien – bei 118 acht- bis zwölfjährigen Kindern einer Schule in Genf. Dabei ging es um die Frage, ob unterschiedliche Technologienutzung unterschiedliche Auswirkungen hat, was einige der bisherigen einander widersprechenden Ergebnisse von Studien erklären könnte.

Die ForscherInnen haben daher Daten über die Mediennutzung der Kinder sowie über (i) Aufmerksamkeits- und Verhaltenskontrollfähigkeiten, (ii) psychischen Stress, psychosoziale Funktionsfähigkeit und Schlaf sowie (iii) schulische Leistungen und Motivation erhoben. Während die Fähigkeit zur Aufmerksamkeitskontrolle sowohl mit kognitiven Tests als auch mit Fragebögen erhoben wurde, wurden die psychische Gesundheit und der Schlaf ausschließlich mit Fragebögen erfasst. Die akademische Leistung schließlich basierte auf selbstberichteten Noten, wobei motivationale Variablen durch die Fragebögen „Grit“ und „Growth-Mindset“ gemessen wurden. Sie nutzten partielle Korrelationsanalysen und konstruierten ein psychologisches Netzwerk, um die strukturellen Zusammenhänge zwischen verschiedenen Formen des Medienkonsums und den drei Messkategorien zu bewerten. Sie stellten fest, dass Kinder in großem Umfang Medien konsumieren und in hohem Maße Medien-Multitasking betreiben. Demnach konsumierten achtjährige Kinder im Durchschnitt insgesamt rund viereinhalb Stunden digitale Medieninhalte pro Tag, und im Alter von 12 Jahren betrug dieser Wert 8 Stunden und 14 Minuten.

Partielle Korrelationsanalysen zeigten, dass Medien-Multitasking vor allem mit negativer psychischer Gesundheit korreliert, während das Spielen von Videospielen mit schnellerem Reagieren und besserer psychischer Gesundheit verbunden ist. Für die Gesamtstundenzahl der Mediennutzung wurden keine signifikanten partiellen Korrelationen festgestellt, wobei eine psychologische Netzwerkanalyse diese ersten Ergebnisse ergänzte, indem sie aufzeigte, dass alle drei Arten des Technologiekonsums nur indirekt mit den selbstberichteten Noten zusammenhängen. Die Technologienutzung scheint also nur indirekt mit den schulischen Leistungen zusammenzuhängen, während sie sich direkter auf die psychische Gesundheit auswirkt. Es ist bei einschlägigen Untersuchungen daher erforderlich, zwischen den verschiedenen Arten der Technologienutzung zu differenzieren, wenn man verstehen will, wie sich der alltägliche digitale Konsum auf das menschliche Verhalten auswirkt.

Vor allem müsste man diese reinen Fragebogen Daten mit objektiven Daten der tatsächlichen Nutzung vergleichen. Auch sind es Daten aus einer einzigen Schweizer Schule aus Genf, die nicht einfach generalisiert werden können.

Literatur

Cardoso-Leite, Pedro, Buchard, Albert, Tissieres, Isabel, Mussack, Dominic & Bavelier, Daphne (2021). Media use, attention, mental health and academic performance among 8 to 12 year old children. Public Library of Science, 16, doi:10.1371/journal.pone.0259163.

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