Warum ist differenzierter Unterricht wichtig?


Wenn ein schulischer Unterricht nicht verschiedene Lerntempi und individuelle Begabungen und Bedürfnisse berücksichtigt, werden Kinder bzw. Jugendliche, die unter ihren Fähigkeiten eingestuft wurden, diese nicht entwickeln können und damit auch den Anschluss an Kinder gleicher Fähigkeiten auf einer höheren Schulform verlieren, sodass Aufwärtsmobilität erschwert wird. Andererseits werden Kinder, deren momentaner Leistungsstand, sei es aus grundsätzlicher Anlage, mangelnder Förderung im Elternhaus oder auch entwicklungsbedingt, noch nicht dem Durchschnitt einer Klasse entspricht, den Anschluss verlieren und Lücken kumulieren, die auch durch eine Rückstufung schwer auszugleichen sind, sofern in der neuen Schule ebenfalls eine individuelle Förderung nicht möglich oder üblich ist. Ein uniformer Unterricht verstärkt demnach Privilegien und Benachteiligungen, die bereits aus dem individuellen Hintergrund des Kindes gegeben sind, anstatt diese als Herausforderung anzunehmen und auszugleichen. Bekanntlich ist die Unterrichtsführung sogar entscheidend in der Frage des Zusammenhangs zwischen Intelligenz und Leistungsentwicklung, denn ein unklarer und unverständlicher Unterricht ist in der Regel dazu angetan, diesen Zusammenhang noch zu verstärken, während ein klarer, verständlicher und schülerorientierter Unterricht hingegen alle SchülerInnen gleichermaßen fördert.



Was versteht man unter Leseleistung?


Wenn man von Leseleistung bei SchulanfängerInnen spricht, so sind damit mehrere aufeinander aufbauende Kompetenzen gemeint. Einerseits stehen Kinder im Rahmen des Erstleseunterrichts vor der Aufgabe, die Wörter richtig zu erkennen (Dekodieren) und ihnen Sinn zuzuordnen. Die Basis des Lesens ist also das korrekte Wortlesen. Ab der nächsten Klasse der Grundschule kommt der Aspekt des flüssigen Lesens hinzu, also das rasche und korrekte Lesen der Wörter.

Während Kinder im Durchschnitt und zu einem großen Teil auch die schwächeren Kinder in einer regulären Schriftsprache wie dem Deutschen relativ bald beim Lesen nur noch wenige Fehler machen, braucht es etwas länger, bis auch die Lesegeschwindigkeit ansteigt, d. h., in diesem Bereich liegen zumeist auch die Probleme schwacher LeserInnen.

Ein weiterer sehr wichtiger Bereich des Lesens und damit das eigentliche Ziel des Leseunterrichts betrifft das sinnverstehende Lesen (Leseverständnis), wobei es hierbei darum geht, einem Text Inhalte zu entnehmen und diese entsprechend weiterzuverarbeiten, also etwa in Handlungen umzusetzen oder daraus neue Erkenntnisse zu gewinnen. Dazu sind zum Teil sehr unterschiedliche Kompetenzen erforderlich, je nachdem, ob es sich um einen erzählenden Text, einen Sachtext oder um einen Gebrauchstext wie etwa Beschriftungen handelt.

In den großen Bildungsmonitorings wie PISA und PIRLS wird hauptsächlich das Leseverständnis erhoben, wobei die Dimensionen der Lesegenauigkeit und Lesegeschwindigkeit ebenfalls in die Messungen einfließen. Dabei fokussiert der Lesekompetenzbegriff aber auf das Leseverständnis als Informationsverarbeitung und Bedingung einer zielorientierten und flexiblen Wissensaneignung. Das Modell des Textverstehens, das diesen internationalen Tests zugrunde liegt, ist also vorwiegend kognitionspsychologisch orientiert und greift dabei auf Ansätze zur Textverarbeitung in der Psycholinguistik zurück. Hinzu kommt bei diesen Tests, dass eine situationsadäquate Interpretation unter Rückgriff auf nicht im Text enthaltenes Vorwissen entwickelt werden muss.

Literatur

Schabmann, A., Landerl, K., Bruneforth, M. & Schmidt, B. M. (2012). Lesekompetenz, Leseunterricht und Leseförderung im österreichischen Schulsystem. Analysen zur pädagogischen Förderung der Lesekompetenz. Nationaler Bildungsbericht, S. 17-69.



Was bedeutet Selbstinstruktionstraining bei Lernproblemen?


Selbstinstruktionstraining bei Lernproblemen bedeutet das Erlernen von Lernstrategien, das Erarbeiten der Basisfertigkeiten und dem Üben eines strukturierten Vorgehens beim Lösen von Aufgaben, denn nur damit kann man ursächliche Defizite und Probleme verringern. Am besten entwickelt man solche neuen Strategien am aktuellen Schulstoff, denn davon profitieren Kinder und Jugendlichen doppelt, da sie dabei die Erfahrung machen, dass die neuen Fertigkeiten im schulischen Alltag sofort helfen.

Das Lernen lernen ist für viele deshalb so schwierig, weil die Kinder und Jugendlichen oft das richtige Lernen nicht gelernt haben, sondern einfach irgendwie gelernt haben, angefangen in der Grundschule bei den Basisfertigkeiten Lesen, Schreiben und Rechnen, oder nie gelernt haben, in Texten das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden. Sehr oft hängt es auch an mangelndem Selbstvertrauen und dem fehlenden Glauben ans eigene Können, doch es gibt nicht eine einzige Erfolgsformel, denn in der Regel ist jedes Kind und jeder Jugendliche anders und hat eine individuelle Entwicklung genommen, die es zu analysieren gilt. Daher muss für jedes Kind ein individueller der Weg aus aus den Lernschwierigkeiten gesucht werden. Dabei sollte man sich an der Trias Verstehen, Strukturieren und Automatisieren orientieren, denn ohne einen Stoff wirklich gut verstanden zu haben, nutzt Üben und Auswendiglernen überhaupt nichts, doch reines Verstehen reicht aber auch nicht, um gute Leistungen zu erbringen.

Dabei ist es wichtig, möglichst früher damit anzufangen, denn jene Kinder, die in den ersten beiden Schuljahren Probleme haben, kommen meist sehr schnell aus den Schwierigkeiten heraus, während es in höheren Klassen eher darum geht, ein passendes Lerncoaching zu entwickeln, in dem es meist um Zeitmanagement geht.

Quelle

https://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/mainz/vg-nieder-olm/ober-olm/lerntherapeutin-in-ober-olm-hilft-schulern-bei-problemen_21182979



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