Buchempfehlung

Probleme der Didaktik der Mathematik

Der Fachdidaktiker Timo Leuders versucht in seinem Buch, den Mathematikunterricht für Kinder und Jugendliche interessanter zu machen, wozu er erst einmal verstehen wollte, wie diese überhaupt denken und lernen, und das dann in die Unterrichtspraxis einfließen lassen. Man muss sich dabei etwa fragen, was im Kopf eines Schülers passiert, wenn er ein Problem lösen muss, bei dem es ums Dividieren geht. Um das herauszufinden, nutzen die Forscher auch psychologische Modelle, denn es geht hier ja um Vorstellungen, wobei etwa jeder Mensch eine Idee davon hat, was Teilen bedeutet. Beim Dividieren kommt es bei Lernenden zu gravierenden Umbrüchen in ihren gewohnten Vorstellungen, denn wenn man eine ganze Zahl durch Dezimalzahlen teilt, ist für SchülerInnen ein kleiner Schock und schwer zu verstehen, weil bisher nie zuvor eine Zahl nach dem Teilen größer war. Durch diesen Schock muss sich eben genau diese Vorstellung vom Teilen ändern, wobei es Aufgabe der Didaktik ist herauszufinden, an welcher Stelle im Lernprozess so ein Umbruch passiert und der Lernende besondere Unterstützung braucht. Wichtige Hilfen in der Mathematik sind dabei bildhafte Erklärungen, d. h., der Lehrer kann einfach fünf Liter Wasser in zehn Halblitergläser füllen und das kann jeder Schüler und jede Schülerin nachvollziehen. In der Schule basiert lange die Mathematik überwiegend auf Konkretem, was sich dann aber allmählich ändert.

Quelle

http://www.badische-zeitung.de/freiburg/mathemagische-momente–129706628.html (16-11-12)




Die Sinnhaftigkeit von Hausaufgaben

Nach Aussage von Armin Himmelrath gibt es Hausaufgaben seit mehr als 500 Jahren im deutschsprachigen Schulsystem, denn man findet Schulordnungen aus dieser Zeit, in denen schon über die Privatarbeit räsoniert wird, und in der einfach davon ausgegangen wird, dass das zusätzliche Lernen zuhause etwas bringt. Wenn man sich dann die Studien betrachtet, die sich mit diesem Thema beschäftigt haben, dann stellt man fest: Es gibt zwar viele Studien zu Hausaufgaben, aber es gibt keine Studie, die wirklich die Wirksamkeit von Hausaufgaben belegt, bzw. es gibt nur ganz schwache Zusammenhänge zwischen den Hausaufgaben und dem Lernerfolg, doch die überwiegende Zahl der Studien sagt, Hausaufgaben bringen nichts, sie sind pädagogischer Unsinn und sie sind so gesehen Zeitverschwendung.
Offensichtlich gehören Hausaufgaben einfach immer schon dazu und sind im kollektiven Bewusstsein tief verankert. Wenn man Studien betrachtet, in denen Kinder, die mehrere Jahre keine Hausaufgaben hatten, mit Kindern verglichen wurden, die mehrere Jahre Hausaufgaben machen mussten, gibt es keine Lernunterschiede, außer das Kinder ohne Hausaufgaben glücklicher waren. Im Grunde ist diese Art von Lernen, sich unter Zwang bestimmte Dinge aneignen zu sollen, auch vom pädagogischen Aspekt her falsch, wenn man denkt, dass man jemanden mit Strafe bedroht und er dann besser lernt. Eigenständige Lernphasen und eigenständiges Lernen müssen entsprechend motiviert sein, als aus einer intrinsischen Motivation entstehen.

Siehe dazu Hausaufgaben sind Hausfriedensbruch.




Nachprüfung und Prüfungsangst

Hans Morschitzky, Linzer Psychologe und Autor zahlreicher Bücher zur Thematik Angst, sprach in einem Interview mit den OÖN im August 2016 über Symptome und Erfolgsstrategien, wie man mit Prüfungsangst gut umgeht. Die Nachprüfungen stehen kurz bevor und viele SchülerInnen können sich vor lauter Angst nicht mehr auf das Lernen konzentrieren, andere haben Schlafstörungen oder keinen Appetit. Nach Morschitzky leiden acht Prozent der Volksschüler unter Prüfungsangst leiden, und je älter Schüler werden, umso häufiger werden die Ängste, wobei unter den höheren Schülern und Studierenden es sogar 15 bis 20 Prozent sind.

Die echte Angst unterscheidet sich von der normalen Aufregung vor einer Prüfung dadurch, dass man nicht mehr schlafen kann, nicht essen, vor lauter Angst nicht mehr lernen kann, man sich nicht konzentrieren kann, also die Lebensqualität leidet. Nicht nur ängstliche Menschen haben dabei Prüfungsangst, sondern diese kann alleine dastehen, manchmal tritt sie gemeinsam mit sozialen Phobien auf, also der generellen Angst vor kritischer Beurteilung, was viel mit dem Selbstwert zu tun hat. Wenn dieser einseitig abhängig ist von der eigenen Leistung, sieht man sich immer aus der Perspektive des Beurteilers, des Lehrers, des Publikums. Körperliche Symptome der Prüfungsangst sind Schwitzen, Schwindel, Durchfall, Appetitlosigkeit, Übelkeit, es wird einem heiß oder kalt, man ist kurzatmig. In vielen Fällen treten Konzentrationsstörungen auf, Panikattacken und Schlaflosigkeit.

Allerdings muss die Angst vor einer Prüfung nicht unbedingt zum Versagen führen, d. h., man darf Angst haben, wobei die Anspannung sogar hilfreich sein kann, denn diese zeigt, dass einem die Nachprüfung nicht egal ist. Allerdings kommt es aber darauf an, wie man mit seiner Angst umgeht, d. h., es ist wichtig, alles zu tun, damit die Prüfung gut geht, etwa indem man sich die eigenen Fähigkeiten vergegenwärtigt und nicht nur die Defizite. Man sollte sich vor allem darauf besinnen, was man gelernt hat, und sich darauf konzentrieren, sein Wissen gut zu präsentieren. Wenn man nämlich gegen die Angst ankämpft und glaubt, man muss zuerst ruhig werden, um Erfolg haben zu können, verbraucht man zu viel Energie, die einem dann beim Lernen oder der Prüfung fehlt. Entspannungsübungen und pflanzliche Mittel können nach Ansicht von Morschitzky zwar für den einen oder anderen hilfreich sein, aber es geht bei Prüfungsangst nicht darum, keine Angst zu haben, sondern darum, erfolgreich zu sein.

Es gibt drei Arten von Prüfungsangst: Die Angst tage- und wochenlang vor der Prüfung, wenn man den Termin auch ständig hinausschiebt, die Panik während der Prüfung (Blackout) und die Furcht danach: Was wird jetzt von mir erwartet, nach diesem (guten) Ergebnis?

Quelle
OÖN vom 30. August 2016