Nachprüfung und Prüfungsangst

10. August 2018 – 09:44

Hans Morschitzky, Linzer Psychologe und Autor zahlreicher Bücher zur Thematik Angst, sprach in einem Interview mit den OÖN im August 2016 über Symptome und Erfolgsstrategien, wie man mit Prüfungsangst gut umgeht. Die Nachprüfungen stehen kurz bevor und viele SchülerInnen können sich vor lauter Angst nicht mehr auf das Lernen konzentrieren, andere haben Schlafstörungen oder keinen Appetit. Nach Morschitzky leiden acht Prozent der Volksschüler unter Prüfungsangst leiden, und je älter Schüler werden, umso häufiger werden die Ängste, wobei unter den höheren Schülern und Studierenden es sogar 15 bis 20 Prozent sind.

Die echte Angst unterscheidet sich von der normalen Aufregung vor einer Prüfung dadurch, dass man nicht mehr schlafen kann, nicht essen, vor lauter Angst nicht mehr lernen kann, man sich nicht konzentrieren kann, also die Lebensqualität leidet. Nicht nur ängstliche Menschen haben dabei Prüfungsangst, sondern diese kann alleine dastehen, manchmal tritt sie gemeinsam mit sozialen Phobien auf, also der generellen Angst vor kritischer Beurteilung, was viel mit dem Selbstwert zu tun hat. Wenn dieser einseitig abhängig ist von der eigenen Leistung, sieht man sich immer aus der Perspektive des Beurteilers, des Lehrers, des Publikums. Körperliche Symptome der Prüfungsangst sind Schwitzen, Schwindel, Durchfall, Appetitlosigkeit, Übelkeit, es wird einem heiß oder kalt, man ist kurzatmig. In vielen Fällen treten Konzentrationsstörungen auf, Panikattacken und Schlaflosigkeit.

Allerdings muss die Angst vor einer Prüfung nicht unbedingt zum Versagen führen, d. h., man darf Angst haben, wobei die Anspannung sogar hilfreich sein kann, denn diese zeigt, dass einem die Nachprüfung nicht egal ist. Allerdings kommt es aber darauf an, wie man mit seiner Angst umgeht, d. h., es ist wichtig, alles zu tun, damit die Prüfung gut geht, etwa indem man sich die eigenen Fähigkeiten vergegenwärtigt und nicht nur die Defizite. Man sollte sich vor allem darauf besinnen, was man gelernt hat, und sich darauf konzentrieren, sein Wissen gut zu präsentieren. Wenn man nämlich gegen die Angst ankämpft und glaubt, man muss zuerst ruhig werden, um Erfolg haben zu können, verbraucht man zu viel Energie, die einem dann beim Lernen oder der Prüfung fehlt. Entspannungsübungen und pflanzliche Mittel können nach Ansicht von Morschitzky zwar für den einen oder anderen hilfreich sein, aber es geht bei Prüfungsangst nicht darum, keine Angst zu haben, sondern darum, erfolgreich zu sein.

Es gibt drei Arten von Prüfungsangst: Die Angst tage- und wochenlang vor der Prüfung, wenn man den Termin auch ständig hinausschiebt, die Panik während der Prüfung (Blackout) und die Furcht danach: Was wird jetzt von mir erwartet, nach diesem (guten) Ergebnis?

Quelle
OÖN vom 30. August 2016



Elterntipps zum besseren Lernen

9. August 2018 – 09:47

Auf der Webseite Elterntipps werden einige Antworten auf häufige Elternfragen veröffentlicht. Es heißt dort: „Eltern können hier nur Rahmenbedingungen schaffen, unter denen dies leichter möglich ist. Es ist wichtig, dass Eltern hier ihre Grenzen erkennen und bedenken, dass jede Maßnahme, die sie in bester Absicht setzen, genau das Gegenteil erreichen kann: Druck erzeugt Gegendruck!“

ETWA ZUM THEMA, ob man in den Ferien lernen soll!

„Manche Schülerinnen und Schüler müssen lernen, weil sie keinen positiven Abschluss geschafft haben, andere haben den Abschluss geschafft, wollen sich aber im kommenden Schuljahr verbessern. Manche müssen das letzte Schuljahr wiederholen, und möchten sich darauf vorbereiten.“Lernen in den Ferien?

  • Sollen Schüler und Schülerinnen in den Ferien lernen?
  • Was bieten Lernferien?
  • Für Schülerinnen und Schüler: Was tun bei einer Nachprüfung, Wiederholungsprüfung?
  • Für Eltern: Nachprüfung, Wiederholungsprüfung, Sitzenbleiben –
  • Was können Eltern tun?
  • Nachhilfe auf lerntipp.at Nachprüfung – wie man das Lernen am besten organisiert
  • Wie kann man sich auf das kommende Schuljahr vorbereiten?
  • Wie starte ich ins neue Schuljahr? Lernen in den Ferien?
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Verpetzen zur Aufrechterhaltung von Normen

24. Juli 2018 – 09:52

Verpetzen ist eine Form des psychischen Mobbings und stellt in der Regel ein negativ konnotiertes Verhalten von Kindern und Jugendlichen dar, wobei es dabei um verraten bzw. ausplaudern von ihnen anvertrauten Geheimnissen geht. Von SchülerInnen wird unter Petzen bzw. Verpetzen das Melden unerwünschten Verhaltens an eine Autoritätsperson, etwa an LehrerInnen oder Eltern bezeichnet. Petzende Kinder gelten oft als Verräter oder Spaßbremsen und sind in ihrem Umfeld unbeliebt. Wenn Kinder petzen geht es aber nicht nur darum, die eigene Haut zu retten, sondern oft auch um den Versuch, sich an soziale Regeln zu halten, wobei Kinder beim Verpetzen zum Ausdruck bringen, dass ihre Mitmenschen das auch tun sollen. Schon im Alter von drei Jahren schwärzen Kinder andere Kinder an, die ih­rer Meinung nach etwas Unrechtes getan haben. Manchmal geht es dabei darum, die eigene Haut zu retten, wenn etwa das petzende Kind selbst in den Verdacht geraten könnte, etwas Verbotenes getan zu haben. Wenn Kinder petzen, wird das oft auch von Erwachsenen als unerwünsch­tes Verhalten angemahnt, doch unter bestimmten Bedingungen geht es Kindern auch darum, Normen durchzusetzen, was für das Zu­sam­men­leben in Gruppen durchaus auch positive Seiten hat. Dabei wird von Kindern schon zwischen leichten und schweren Vergehen unterschieden, denn erwarten Kinder Ärger für ihre Gruppe, halten sie eher dicht und verraten die oder den Übertäter nicht.

In sozialen Systemen und vor allem in der Wirtschaft spricht man oft von Whistleblowing, wenn etwa eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter eines Unternehmens gegenüber seinem Arbeitgeber oder einem Dritten tatsächliche oder vermeintliche Missstände im Unternehmen bzw. ein Fehlverhalten von KollegInnen oder Vorgesetzten meldet. Ursprünglich kommt Whistleblowing aus dem anglo-amerikanischen Rechtsraum, denn dort sind Hinweisgeberprogramme, bei der Mitarbeiter etwaige Missstände im Unternehmen melden können und sollen, weit verbreitet. In nicht seltenen Fällen bekommen Whistleblower manchmal von Behörden sogar hohe Belohnungen. Während Whistleblowing in vielen Ländern gesellschaftlich akzeptiert ist, besteht in Mitteleuropa teilweise aus historischen Gründen oder auch aus Angst um das Betriebsklima hohes Misstrauen gegenüber solchen Systemen.

Cornell et al. (2011) zeigten übrigens in einem kuriosen Experiment, dass Krähen durch Verpetzen lernen. Dazu setzte sich ein Forscher eine Neandertalermaske auf, fing mit dieser Verkleidung einige Krähen auf dem Campus ein und ließ sie nach kurzer Zeit wieder frei. Wenn in der Folge Menschen mit Neandertalermasken am Campus herumgingen, beschimpften 26 Prozent der Krähen diese als Bösewichte. Als zweieinhalb Jahre später wieder Menschen mit Neandertalermasken am Campus auftauchten, waren bereits 66 Prozent der Vögel alarmiert, fünf Jahre später verpetzten die Maskenträgerinnen sogar Krähen, die vor fünf Jahren noch gar nicht geboren waren, d. h., sie wussten bereits, dass Lebewesen mit Neandertalermasken böse sind

Literatur

Cornell, H, N., Marzluff, J. M. & Pecoraro, S. (2011). Social learning spreads knowledge about dangerous humans among American crows. Proc Biol Sci, doi:10.1098/rspb.2011.0957.
Stangl, W. (2014). Mobbing in der Schule.
WWW: http://www.stangl.eu/psychologie/entwicklung/mobbing.shtml (2014-07-24).
Yucel, N. M. & Vaish, A. (2017). Young children tattle to enforce cooperative norms. Society for Research in Child Development Biennial Meeting, Austin, TX.



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