Archive for the ‘Ausbildung’ Category

Legasthenie, Dyslexie und Dyskalkulie

Sonntag, April 9th, 2017

Arbeitsmaterialien und Computerprogramme für das Legasthenietraining sind oft teuer! Die aktuelle kostenlose CD-ROM „Legasthenie & Dyskalkulie III“ enthält vom Leseprogramm über Schach, vom Mathespiel und Sudoku – dies ergibt monatelangen Spielespaß inklusive Trainingsmotivation und Lernerfolg. Diese kostenlose CD-ROM mit Software des Ersten Österreichischen Dachverbandes Legasthenie setzt weiterhin mit Hilfe seiner diplomierten Legasthenietrainer Maßstäbe in der gemeinnützigen Verbandsarbeit. Alle Arbeitsblätter sind großteils Erstveröffentlichungen und werden von den diplomierten Legasthenietrainern des EÖDL gewidmet. Die Arbeitsblätter können frei für den schulischen und außerschulischen Bereich oder für private Zwecke eingesetzt werden.

Neueste Forschungsergebnisse zur Dyslexie

Schon im Vorschulalter entwickelt das Gehirn ein komplexes Netzwerk, das sich während des Lesenlernens auf die Verarbeitung von Schrift spezialisiert und entscheidend zum flüssigen Lesen beiträgt. ForscherInnen der Universität Zürich und am Agora Center der Universität in Jyväskylä zeigten, dass dies besonders schnell geschieht, wenn Kinder früh die Verknüpfungen von Sprachlauten und Buchstaben trainieren. Das Verknüpfen von Buchstaben (Grapheme) und Sprachlauten (Phoneme) ist in vielen Sprachen der erste und besonders wichtige Schritt beim Lesenlernen, wobei die meisten Kinder bereits vor der Schule einige Buchstaben kennen lernen und beginnen diese mit Sprachlauten zu verknüpfen. Dass eben diese Verknüpfung bei Kindern, die eine Leseschwäche (Dyslexie, Legasthenie) entwickeln, weniger automatisch abläuft, zeigt sich u.a. auch in verminderten Buchstabenkenntnissen vor der Schule. Folglich starten diese Kinder die Schule auch häufig mit etwas weniger günstigen Vorläuferfertigkeiten für das Lesen. Bei Kindern, die eine Leseschwäche (Dyslexie oder Legasthenie) entwickeln, läuft dieser Verknüpfungsprozess weniger automatisch ab, woraus sich eine verminderte Buchstabenkenntnis und eine ungünstige Lesekompetenz ergibt, wenn die Kinder mit der Schule beginnen. In dieser Studie konnte man zeigen, dass die Verknüpfungen von Sprachlauten mit Buchstaben maßgeblich bei der Schriftspezialisierung des Gehirns beteiligt sind. Über 30 Kindergartenkinder mit und ohne Leseschwäche-Veranlagung wurden einige Wochen mit dem computerbasierten Buchstaben-Sprachlaut-Lernprogramm „Graphogame“ trainiert. Nach diesem Training zeigten die Kinder eine stärkere Aktivität im Gehirn für geschriebene Wörter als für Symbole, womit deren Gehirnaktivität derjenigen von Erwachsenen oder Kindern glich, die lesen können. Besonders bemerkenswert war, dass insbesondere Kinder mit einer familiären Veranlagung für Dyslexie in ihrer Leseentwicklung durch frühes und gezieltes Training sehr wirkungsvoll unterstützt werden konnten.

Neben neurobiologischen Aspekten wie Wahrnehmungsproblemen und sozialen Merkmalen spielen daher vermutlich auch genetische Aspekte eine Rolle, wobei jüngst Neef et al. (2017) mit einem Gehirn-Scan im Vorschulalter mit einer Trefferquote von 75 Prozent zeigen konnten, ob ein Kind am Ende der ersten Klasse an einer Lese-Rechtschreibschwäche leiden wird. Bei weit über hundert Kindern untersuchten man die Expression von Genen in bestimmten Hirnregionen, die beim Lesen- und Schreibenlernen eine wichtige Rolle spielen, und entdeckte, dass Kinder mit einer bestimmten Variante des Gens NRSN1, dass für die Entwicklung der Nervenzellen wichtig ist, strukturelle Unterschiede in einer Hirnregion aufweisen, die man als Visual Word Form Area bezeichnet. Dieses Areal ist für das Erkennen von Buchstaben und Wörtern zuständig, wobei sich hier Kindern schon im Kindergarten, also bevor man das Lesen überhaupt lernt, mit und ohne spätere Legasthenie voneinander unterscheiden. Daher sollten schon früh Screening-Verfahren zum Einsatz kommen, noch bevor die Schwächen beim Lesen und Schreiben bereits offensichtlich sind.

Literatur

Neef, N., Müller, B., Liebig, J., Schaadt, G., Grigutsch, M., Gunter, T. C., et al. (2017). Dyslexia risk gene relates to representation of sound in the auditory brainstem. Developmental Cognitive Neuroscience. doi:10.1016/j.dcn.2017.01.008.
Silvia Brem, Silvia Bach, Karin Kucian, Tomi K. Guttorm, Ernst Martin, Heikki Lyytinen, Daniel Brandeis und Ulla Richardson (2008). Brain sensitivity to print emerges when children learn letter-speech sound correspondences. PNAS, online early edition, doi:10.1073/pnas.0904402107



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Wissen für Handeln – Forschungsstrategien für eine evidenzbasierte Bildungspolitik

Dienstag, Juni 14th, 2016

Im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft richtet das Bundesministerium für Bildung und Forschung in Kooperation mit der Europäischen Kommission in Frankfurt am Main vom 28.-30. März 2007 eine Fachkonferenz aus zum Thema

Wissen für Handeln – Forschungsstrategien für eine evidenzbasierte Bildungspolitik

Die Konferenz wird die Grundlagen einer wissensbasierten Bildungspolitik aus einer Forschungsperspektive zum Thema haben. Die Beteiligung von Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Administration soll auf der einen Seite ein Bewusstsein für dieses  Zukunftsthema schaffen,auf der anderen Seite den Kontext bildungspolitischer Entscheidungsfindung abbilden. Durch Schwerpunktreferate ausgewiesener Vortragender wird die Konferenz thematisch strukturiert. Themenzentrierte Workshops werden eine vertiefende Diskussion ermöglichen. Eine Zusammenfassung und Diskussion der Ergebnisse wird in Form eines abschließendenRundtischgesprächs stattfinden.

Zusätzliche Informationen finden Sie auch unter:  http://www.bmbf.de/de/7227.php

Die Konferenz richtet sich an die Mitgliedsstaaten der EU sowie des Europarats und an die Länder mit Beobachterstatus beim Europarat. Jedes Land ist eingeladen, vier Experten aus Wissenschaft, Bildungspolitik und Bildungsadministration zu benennen.



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Eliteschulen

Samstag, August 27th, 2011

Die Vermutung und Hoffnung, dass man an Eliteschulen mehr lernt als an normalen Schulen, wurde von einer amerikanischen Studie (MIT und Duke) widerlegt, die gezeigt hat, dass begabte Kinder die gleichen Leistungen bringen, egal welche Schule sie besuchen. Zu diesem Zweck hat man sechs „exam schools“ in New York und Boston untersucht, also staatliche Schulen, die ihre SchülerInnen in einem strengen Auswahlverfahren (exams) aussuchen. Diese Schulen sind zum Teil hunderte Jahre alt und stehen in dem Ruf, zu dem besten der USA zu gehören, denn ihre Lehrpläne sind nicht nur anspruchsvoll, sondern haben meist eine Ausstattung, von der normale Schulen nur träumen können. Wegen der strengen Auswahl ist dabei das Leistungsniveau der Klassenkameraden sehr hoch ist, denn man ist überzeugt, dass Kinder nicht nur von den LehrerInnen sondern auch von den MitschülerInnen (peers) viel lernen können.  In der Studie wurden die Leistungen zweier Schülergruppen mit ähnlichen Voraussetzungen verglichen, und zwar jene, die gerade noch an der Eliteschule angenommen worden waren mit jenen, die es knapp nicht geschafft haben. Das Ergebnis war, dass sich die späteren Leistungen so gut wie gar nicht unterschieden, d.h., obwohl Schüler an Eliteschulen mit leistungsstärkeren Mitschülern und nach einem anspruchsvolleren Lehrplan unterrichtet werden, schneiden sie bei einer Reihe von Tests nicht besser ab. Dass die AbsolventInnen der „exam schools“ später durchwegs so viel bessere Leistungen bringen als andere SchülerInnen liegt also einfach daran, dass sie sich die besten SchülerInnen aussuchen und nicht daran, dass sie ihnen mehr beibringen.
Jeffrey Pfeffer hat übrigens vor etlichen Jahren bei der Auswertung einschlägigen Studien zu MBA-Abschlüssen ebenfalls festgestellt, dass die Qualität der AbsolventInnen nicht in erster Linie durch die Ausbildung, sondern durch die strenge Kandidatenauswahl an den Topschulen zustande kommt. Bei den renommierten Business Schools müssen die StudentInnen zwar Kompetenz zeigen, um aufgenommen zu werden, aber dann kaum mehr, um dort einen Abschluss zu bekommen, denn auch an den angesehenen Schulen scheitern im Schnitt nur wenige Prozent der einmal aufgenommenen StudentInnen in einem der Kurse, was vermutlich auch an den hohen Studiengebühren liegt, die die Motivation, ein einmal begonnenes Studium auch abzuschließen, hoch halten.

Quellen

Schwertfeger, Bärbel (2002). Versager mit Diplom. Die Zeit 36.
Storbeck, Olaf (2011). Eliteschulen Der Mythos von der Kaderschmiede. Zeit online vom 16. August 2011.



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