Nachprüfung und Prüfungsangst

10. März 2019 – 09:44

Hans Morschitzky, Linzer Psychologe und Autor zahlreicher Bücher zur Thematik Angst, sprach in einem Interview mit den OÖN im August 2016 über Symptome und Erfolgsstrategien, wie man mit Prüfungsangst gut umgeht. Die Nachprüfungen stehen kurz bevor und viele SchülerInnen können sich vor lauter Angst nicht mehr auf das Lernen konzentrieren, andere haben Schlafstörungen oder keinen Appetit. Nach Morschitzky leiden acht Prozent der Volksschüler unter Prüfungsangst leiden, und je älter Schüler werden, umso häufiger werden die Ängste, wobei unter den höheren Schülern und Studierenden es sogar 15 bis 20 Prozent sind.

Die echte Angst unterscheidet sich von der normalen Aufregung vor einer Prüfung dadurch, dass man nicht mehr schlafen kann, nicht essen, vor lauter Angst nicht mehr lernen kann, man sich nicht konzentrieren kann, also die Lebensqualität leidet. Nicht nur ängstliche Menschen haben dabei Prüfungsangst, sondern diese kann alleine dastehen, manchmal tritt sie gemeinsam mit sozialen Phobien auf, also der generellen Angst vor kritischer Beurteilung, was viel mit dem Selbstwert zu tun hat. Wenn dieser einseitig abhängig ist von der eigenen Leistung, sieht man sich immer aus der Perspektive des Beurteilers, des Lehrers, des Publikums. Körperliche Symptome der Prüfungsangst sind Schwitzen, Schwindel, Durchfall, Appetitlosigkeit, Übelkeit, es wird einem heiß oder kalt, man ist kurzatmig. In vielen Fällen treten Konzentrationsstörungen auf, Panikattacken und Schlaflosigkeit.

Allerdings muss die Angst vor einer Prüfung nicht unbedingt zum Versagen führen, d. h., man darf Angst haben, wobei die Anspannung sogar hilfreich sein kann, denn diese zeigt, dass einem die Nachprüfung nicht egal ist. Allerdings kommt es aber darauf an, wie man mit seiner Angst umgeht, d. h., es ist wichtig, alles zu tun, damit die Prüfung gut geht, etwa indem man sich die eigenen Fähigkeiten vergegenwärtigt und nicht nur die Defizite. Man sollte sich vor allem darauf besinnen, was man gelernt hat, und sich darauf konzentrieren, sein Wissen gut zu präsentieren. Wenn man nämlich gegen die Angst ankämpft und glaubt, man muss zuerst ruhig werden, um Erfolg haben zu können, verbraucht man zu viel Energie, die einem dann beim Lernen oder der Prüfung fehlt. Entspannungsübungen und pflanzliche Mittel können nach Ansicht von Morschitzky zwar für den einen oder anderen hilfreich sein, aber es geht bei Prüfungsangst nicht darum, keine Angst zu haben, sondern darum, erfolgreich zu sein.

Es gibt drei Arten von Prüfungsangst: Die Angst tage- und wochenlang vor der Prüfung, wenn man den Termin auch ständig hinausschiebt, die Panik während der Prüfung (Blackout) und die Furcht danach: Was wird jetzt von mir erwartet, nach diesem (guten) Ergebnis?

Entspannungsübungen können bei Prüfungsangst sehr hilfreich sein, auch weil die Lernenden dann in Prüfungssituationen wieder das Gefühl bekommen, sie können etwas tun, damit es ihnen besser geht. Allerdings muss man diese im Vorfeld üben, um sie dann in der Prüfungssituation anwenden zu können. Hier helfen Stabilisierungsübungen aus der Traumatherapie, die Prüflingen helfen, sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren, wobei diese auch ganz kurzfristig eingesetzt werden können.

Quellen

Stangl, W. (2012). Pruefungsangst. Werner Stangls Psychologie News.
WWW: https://psychologie-news.stangl.eu/175/pruefungsangst (2012-04-09).
OÖN vom 30. August 2016



Ethikunterricht

6. März 2019 – 10:33

Ab dem Schuljahr 2020 wird es in Österreich an Schulen mit höheren Schulstufen einen Ethikunterricht geben. In den Ethikunterricht müssen aber nur jene SchülerInnen, die nicht in den Religionsunterricht gehen. Der Bildungsminister Heinz Faßmann will, dass die SchülerInnen in diesem Unterricht respektvollen Umgang miteinander lernen, etwa Probleme untereinander ohne Gewalt zu lösen. Außerdem sollen sie lernen, wie man nachhaltig einkauft und welche Bedeutung Technologie für unser Leben hat.

Seit 1997 wurde im Rahmen von Schulversuchen an immer mehr österreichischen Schulen Ethik als Ersatzfach für Religion angeboten, denn die Kirchenaustritte waren kontinuierlich gestiegen und das Image der Kirchen wurde oftmals so beschädigt, dass viele Menschen ohne religiöses Bekenntnis lebten. An manchen Oberstufenschulen meldeten sich mehr als die Hälfte der SchülerInnen vom konfessionellen Religionsunterricht ab. Das Konzept eines Ethikunterrichts wurde dadurch zunehmend populär und politisch vertretbar, wobei auch die katholische Kirche nicht mehr dagegen war und so wurde Ethikunterricht als Ersatzfach für den Religionsunterricht als Schulversuch genehmigt.



Zählen ist nicht Rechnen

14. Februar 2019 – 23:05

auch wenn es am Anfang für Kinder in Ordnung ist, die Finger beim Zählen zu nutzen. Doch das muss spätestens in der zweiten Grundschulklasse Vergangenheit sein, denn die Zahlenwerte werden größer und so viele Finger haben wir nicht. Sicherlich kann man auch über das Sehen, also das Betrachten der Finger, am Anfang eine Hilfe erhalten, aber man muss lernen, zu abstrahieren. Kinder entwickeln dann eigene Strategien, wenn sie nicht mehr weiter wissen und keine Ahnung haben, wie sie eine Rechenaufgabe lösen können, wobei diese Strategien nicht unbedingt richtig sind.

Neben Konzentration braucht man für Mathematik unbedingt Orientierung, Vorstellung und Abstraktion, wobei das in der Regel bereits im Kindergartenalter eingeübt wird. So ist etwa das Rechts-Links-Verstehen sehr wichtig, das sich zunächst auf den eigenen Körper bezieht, später dann auf das Gegenüber. Es ist einem Kind nicht in die Wiege gelegt und auch nicht genetisch vererbt, dass es verstehen muss, dass sein linker Arm im Gegenüber der Mutter rechts ist.

Wenn Kinder auswendig lernen funktioniert das am Anfang gut, denn natürlich kann man das Einmaleins lernen und am Anfang muss es gar nicht auffallen, dass ein Kind eigentlich das Rechenprinzip gar nicht verstanden hat, weil es in der Regel durch Auswendiglernen oft zum richtigen Ergebnis kommt. Doch wenn die Aufgaben komplexer werden, dann geht das irgendwann nicht mehr und weil dann die Grundlagen fehlen, kommt das Kind nicht mehr nach.

Übrigens: Wenn eine Lernstörung vorliegt, bringt Nachhilfe wenig, denn diese hilft nur bei Themen, die nicht verstanden worden sind, doch wenn Nachhilfe von der Grundschule bis zum Abitur durchgängig notwendig ist, dann liegen die Probleme in der Regel in einem anderen Bereich.



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