Was ist Evolutionspädagogik?

9. April 2019 – 10:04

Die Evolutionspädagogik ist eine eher fragwürdige Form der Behandlung bzw. Unterstützung in der Erziehung von Kindern, die sich nach eigenen Aussagen auf die neuesten Erkenntnissen der Gehirn- und Lernforschung stützen soll. Untersuchungen sollen angeblich zeigen, dass unzureichende Vernetzungen im Gehirn in Lernproblemen und Verhaltensschwierigkeiten resultieren können, wobei es durch bestimmte Bewegungsübungen möglich sein soll, diese wieder herzustellen. Die Evolutionspädagogik baut daher nach eigenen Angaben auf den Erkenntnissen der Neurologie, Kinesiologie und vor allem der Darwinschen Evolutionslehre auf. Sie verwendet modellhaft und in einer erweiterten Form Charles Darwins Entwicklungsmodell, wobei man sich vor allem auf sieben Bewegungsmuster konzentriert, die jeder Mensch bei seiner Entwicklung vom Augenblick der Zeugung, über die Schwangerschaft und Geburt, bis hin zum dritten oder vierten Lebensjahr durchläuft. Analog unterscheidet die Evolutionspädagogik daher sieben Gehirnentwicklungsstufen, wobei zu jeder Stufe das entsprechende Bewegungs-, Wahrnehmungs-, Verhaltens- und Kommunikationsmuster gehört. Jede Stufe hat demnach ihre eigene Sprache, ihre eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten, wobei man dabei ansetzt, auf welcher Gehirnentwicklungsstufe ein Mensch im Augenblick steht:

  • Fisch: einfach da sein ist genug: Ursicherheit.
  • Amphibie: schüchtern sein, heißt sich schützen können: Erlebnissicherheit.
  • Reptil: aggressiv sein, heißt kraftvoll sein: Körpersicherheit.
  • Säugetier: ängstlich sein, heißt Gefühle zeigen können: Gefühlssicherheit.
  • Affe: egoistisch sein, heißt für sich sorgen können: Gruppensicherheit.
  • Urmensch: laut sein, heißt Position finden: Sprachsicherheit.
  • Mensch: unvollkommen sein, heißt immer noch wachsen können: Kooperations- und Kommunikationssicherheit.

Durch gezieltes Beobachten der individuellen Verhaltensweisen soll sich erkennen lassen, welche von den sieben Stufen bzw. Sicherheiten blockiert bzw. nicht stressfrei gelebt werden kann. Danach werden mit speziell entwickelten Körperübungen bestehende Blockaden gelöst und neue Wahrnehmungs- und Verhaltensmöglichkeiten eröffnet. Wenn dann das individuelle Gleichgewicht und die innere Stabilität wieder hergestellt sind, ist die Voraussetzung für alles, was mit Lernen und Problemlösung zu tun hat, erfüllt.

Literatur

Stangl, W. (2019). Stichwort: ‘Evolutionspädagogik’. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.
WWW: https://lexikon.stangl.eu/16261/evolutionspaedagogik/ (2019-04-09)



Nachprüfung und Prüfungsangst

10. März 2019 – 09:44

Hans Morschitzky, Linzer Psychologe und Autor zahlreicher Bücher zur Thematik Angst, sprach in einem Interview mit den OÖN im August 2016 über Symptome und Erfolgsstrategien, wie man mit Prüfungsangst gut umgeht. Die Nachprüfungen stehen kurz bevor und viele SchülerInnen können sich vor lauter Angst nicht mehr auf das Lernen konzentrieren, andere haben Schlafstörungen oder keinen Appetit. Nach Morschitzky leiden acht Prozent der Volksschüler unter Prüfungsangst leiden, und je älter Schüler werden, umso häufiger werden die Ängste, wobei unter den höheren Schülern und Studierenden es sogar 15 bis 20 Prozent sind.

Die echte Angst unterscheidet sich von der normalen Aufregung vor einer Prüfung dadurch, dass man nicht mehr schlafen kann, nicht essen, vor lauter Angst nicht mehr lernen kann, man sich nicht konzentrieren kann, also die Lebensqualität leidet. Nicht nur ängstliche Menschen haben dabei Prüfungsangst, sondern diese kann alleine dastehen, manchmal tritt sie gemeinsam mit sozialen Phobien auf, also der generellen Angst vor kritischer Beurteilung, was viel mit dem Selbstwert zu tun hat. Wenn dieser einseitig abhängig ist von der eigenen Leistung, sieht man sich immer aus der Perspektive des Beurteilers, des Lehrers, des Publikums. Körperliche Symptome der Prüfungsangst sind Schwitzen, Schwindel, Durchfall, Appetitlosigkeit, Übelkeit, es wird einem heiß oder kalt, man ist kurzatmig. In vielen Fällen treten Konzentrationsstörungen auf, Panikattacken und Schlaflosigkeit.

Allerdings muss die Angst vor einer Prüfung nicht unbedingt zum Versagen führen, d. h., man darf Angst haben, wobei die Anspannung sogar hilfreich sein kann, denn diese zeigt, dass einem die Nachprüfung nicht egal ist. Allerdings kommt es aber darauf an, wie man mit seiner Angst umgeht, d. h., es ist wichtig, alles zu tun, damit die Prüfung gut geht, etwa indem man sich die eigenen Fähigkeiten vergegenwärtigt und nicht nur die Defizite. Man sollte sich vor allem darauf besinnen, was man gelernt hat, und sich darauf konzentrieren, sein Wissen gut zu präsentieren. Wenn man nämlich gegen die Angst ankämpft und glaubt, man muss zuerst ruhig werden, um Erfolg haben zu können, verbraucht man zu viel Energie, die einem dann beim Lernen oder der Prüfung fehlt. Entspannungsübungen und pflanzliche Mittel können nach Ansicht von Morschitzky zwar für den einen oder anderen hilfreich sein, aber es geht bei Prüfungsangst nicht darum, keine Angst zu haben, sondern darum, erfolgreich zu sein.

Es gibt drei Arten von Prüfungsangst: Die Angst tage- und wochenlang vor der Prüfung, wenn man den Termin auch ständig hinausschiebt, die Panik während der Prüfung (Blackout) und die Furcht danach: Was wird jetzt von mir erwartet, nach diesem (guten) Ergebnis?

Entspannungsübungen können bei Prüfungsangst sehr hilfreich sein, auch weil die Lernenden dann in Prüfungssituationen wieder das Gefühl bekommen, sie können etwas tun, damit es ihnen besser geht. Allerdings muss man diese im Vorfeld üben, um sie dann in der Prüfungssituation anwenden zu können. Hier helfen Stabilisierungsübungen aus der Traumatherapie, die Prüflingen helfen, sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren, wobei diese auch ganz kurzfristig eingesetzt werden können.

Quellen

Stangl, W. (2012). Pruefungsangst. Werner Stangls Psychologie News.
WWW: https://psychologie-news.stangl.eu/175/pruefungsangst (2012-04-09).
OÖN vom 30. August 2016



Ethikunterricht

6. März 2019 – 10:33

Ab dem Schuljahr 2020 wird es in Österreich an Schulen mit höheren Schulstufen einen Ethikunterricht geben. In den Ethikunterricht müssen aber nur jene SchülerInnen, die nicht in den Religionsunterricht gehen. Der Bildungsminister Heinz Faßmann will, dass die SchülerInnen in diesem Unterricht respektvollen Umgang miteinander lernen, etwa Probleme untereinander ohne Gewalt zu lösen. Außerdem sollen sie lernen, wie man nachhaltig einkauft und welche Bedeutung Technologie für unser Leben hat.

Seit 1997 wurde im Rahmen von Schulversuchen an immer mehr österreichischen Schulen Ethik als Ersatzfach für Religion angeboten, denn die Kirchenaustritte waren kontinuierlich gestiegen und das Image der Kirchen wurde oftmals so beschädigt, dass viele Menschen ohne religiöses Bekenntnis lebten. An manchen Oberstufenschulen meldeten sich mehr als die Hälfte der SchülerInnen vom konfessionellen Religionsunterricht ab. Das Konzept eines Ethikunterrichts wurde dadurch zunehmend populär und politisch vertretbar, wobei auch die katholische Kirche nicht mehr dagegen war und so wurde Ethikunterricht als Ersatzfach für den Religionsunterricht als Schulversuch genehmigt.



Diese Seiten sind Bestandteil der Domain www.stangl.eu