Kategorie-Archiv: Populärwissenschaftliches

Wichtige Informationen an den Anfang und ans Ende

Will man anderen Menschen wichtige Informationen vermitteln, dann muss man diese an den Anfang und das Ende seiner Erklärungen stellen, denn die Informationen, die man bei einer Argumentation zuerst oder zuletzt hört, merkt man sich am ehesten und machen den größten Eindruck. Diese Erkenntnis kommt aus der Lernpsychologie und nennt sich primacy-Effekt bzw. recency-Effekt. Beim primacy-effect handelt es sich um ein psychologisches Gedächtnisphänomen, das besagt, dass Menschen sich an früher eingehende Information besser erinnern als später eingehende Informationen. Der recency-effect besagt, das die jüngsten Informationen in einer Reihe von Informationen am besten erinnert werden, und steht damit dem primacy-effect gegenüber.

Das ist übrigens ein Grund, warum beim Verfassen von Werbetexten besonders auf deren Anfang und Ende geachtet wird. Daher sollte man etwa auch bei Kindern, denen man etwas erklärt, die wichtigsten Botschaften konsequent an den Anfang und Schluss stellen. Diesen Effekt kann man übrigens auch zum Beeinflussen von Entscheidungen nutzen, denn Studien zeigen, dass die am Anfang und Ende genannten Argumente auf Entscheidungen den größten Einfluss besitzen. Daher sollte man sich genau überlegen, in welcher Reihenfolge man seine Argumente vorträgt.

Quellen

Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.
http://lexikon.stangl.eu/4882/primacy-effect-effekt/
http://lexikon.stangl.eu/4884/recency-effect/


Nainas Twitter-Kurzschluss

Auf ihrem Twitter-Account hat die 17-jährige Naina am 10. Januar um 13.49 Uhr ins World Wide Web geschrieben: „Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ’ne Gedichtanalyse schreiben. In 4 Sprachen.“ Binnen weniger Stunden lesen Tausende diesen Tweet im Netz und binnen kurzer Zeit wurde der fast 12 000-mal geteilt und rund 21 500-mal favorisiert. Darüber hinaus hat Nainas Beitrag eine Diskussion darüber ausgelöst, inwiefern es überhaupt Aufgabe einer Bildungseinrichtung sein kann und muss, auf derlei Alltagsprobleme vorzubereiten. Wie weit geht der Aufgabenbereich der Schule, wann kommen die Eltern ins Spiel und wo fängt die Eigenverantwortung an?

Aus pädagogischer Sicht liegt hier ein großes Missverständnis in bezug auf schulische Ausbildung vor, denn eine Jugendliche, die in der Lage ist eine Gedichtanalyse in vier Sprachen zu schreiben, ist sicherlich in der Lage, sich das Wissen zu Steuern, Miete oder Versicherungen in kurzer Zeit anzueignen bzw. die notwendigen Informationen zu finden, am leichtesten vermutlich mit Hilfe des Internet. Hingegen ist es äußerst unwahrscheinlich, dass eine an Steuern, Miete oder Versicherungen ausgebildete Schülerin dazu fähig ist, eine Gedichtanalyse in vier Sprachen zu schreiben.

Siehe dazu Das exemplarische Lernen – das Wesen der genetischen Didaktik.


Lob, Ermutigung und Wertschätzung in der Erziehung

Gegen Angriffe kann man sich wehren,
gegen Lob ist man machtlos.
Sigmund Freud

Ziel einer guten Erziehung ist es, Kinder im Umgang mit dem Leben fit zu machen, damit sie später selbstständig und selbstbewusst durchs Leben gehen können. Das Leben selbst stellt Kinder ständig vor Probleme. Es kommt darauf an, Kinder zu ermutigen, die Probleme angemessen anzugehen und zu lösen. Kinder aber reagieren je nach Persönlichkeit äußerst unterschiedlich auf Situationen. Am besten ist, wenn der Erziehende das Kind gut kennt, um es fördernd zu ermuntern. Darum kann man nicht generell sagen, dass Lob für alle Kinder gleich wirksam ist. Lob stärkt einerseits, zuviel oder nicht angemessenes Lob kann auch zu Selbstüberschätzung führen. Das Ausmaß des Lobs hängt also einerseits von der Persönlichkeit des Kindes ab, andererseits auch von der Schwierigkeit der Aufgabe, wobei bei gleicher Aufgabe diese für unterschiedliche Kinder unterschiedlich schwierig sein können. Ein Kind, das gut im Rechnen ist, übermäßig für die Lösung einer mittelschweren Aufgabe zu loben, geht über das Ziel hinaus. Das Lob bei der gleichen Aufgabe kann jedoch bei einem Kind, das sich mit dem Rechnen schwer tut, förderlich sein. Erziehung durch Lob braucht daher viel Einfühlungsvermögen.

Besser als Lob ist oft Ermutigung, denn Lob bezieht sich auf eine gelungene Leistung, eine Ermutigung hat weniger das Ergebnis im Blick als den Prozess des Vorangehens, Alternativen ausprobieren, dranbleiben, sich von Hindernissen nicht entmutigen lassen, sich anstrengen, all diese Vorgehensweisen lassen sich durch Ermutigungen unterstützen. Auch dann, wenn das gewünschte Ergebnis noch nicht vorliegt oder sogar verfehlt wurde. Lob adressiert sich an Gewinner. Ermutigung an alle, die etwas versuchen, etwas ausprobieren, Fortschritte machen, selbst wenn sich noch kein Erfolg abzeichnet. Beim Lob bleibt man abhängig vom Urteil anderer, andere üben die Deutungshoheit aus. Die Ermutigung stärkt hingegen das Selbstbewusstsein, da der Maßstab in einem selbst liegt. Lob hat leicht etwas Gönnerhaftes an sich. In der Regel ist es verknüpft mit bestimmten Absichten und Erwartungen. Die Ermutigung dagegen wirkt viel respektvoller. Sie hat keine Hintergedanken oder Absichten, sondern geschieht einfach so. Sie anerkennt, was ist. Kurz gefasst: Lob fördert Versagensangst. Ermutigung stärkt Selbstvertrauen.

Echte Wertschätzung ist verbunden mit Achtung, Wohlwollen, Zugewandtheit, Interesse, Aufmerksamkeit, Freundlichkeit. Und sie ist im Idealfall wirklich absichtslos, ohne Hintergedanken. Wenn das Lob die dunkle Schwester der Anerkennung ist, dann ist Wertschätzung ihr besonderer Glanz. Wertschätzung ist Anerkennung unter Gleichen, besser Gleichwertigen. Wertschätzung funktioniert nur auf gleicher Augenhöhe. Sie ist mit

dem Respekt verwandt.

Quellen
http://www.seminarhaus-schmiede.de/ (14-11-21)
http://eltern.lerntipp.at/Kinder-Richtig-Loben.shtml (14-11-21)