Kategorie-Archiv: Qualitätsentwicklung

Modellprojekt „Stufenwechsel“ mit Perspektivenwechsel

Der Übergang von der Grundschule zur weiterführenden Schule ist nicht ohne Risiko, denn das bedeutet eine neue Schule, neue LehrerInnen, neue MitschülerInnen, was zu einem biografischen Bruch im Leben eines Kindes führen kann. Zu diesem Zweck wurde das Modellprojekt „Stufenwechsel“ des Vereins buddY e.V. entwickelt. Beteiligt sind daran Grundschulen und weiterführende Schulen aus Solingen mit jeweils zwei Lehrern, die ihr Wissen weitergeben. An zehn Trainingstagen, die sich über eineinhalb Jahre erstrecken, erarbeiten die LehrerInnen Konzepte zum Stufenwechsel und setzen diese mit den SchülerInnen in Projekten um, wobei es vor allem um die Aktivierung der Kinder geht, denn es entstehen dadurch Kompetenzen, wenn Schülerinnen und Schüler selbst entscheiden und handeln. Die Kinder sollen dabei nicht vom Lehrer etwas vorgesetzt bekommen, sondern jedes Kind wird zum Subjekt gemacht, das den eigenen Übergang gestaltet. Das Projekt hat den Anspruch, auch solche Kinder zu erreichen, die durch ihre familiären Verhältnisse benachteiligt sind und nicht so qualifiziert werden wie es möglich wäre. So führen die Schülerinnen und Schüler etwa eine Umfrage unter Lehrerinnen, Lehrern und Eltern zum Thema Übergang durch und setzen sich so damit auseinander, d. h., die Kinder werden so selbst zu Experten für die Gestaltung des Übergangs auf die weiterführende Schule. Durch diese Auseinandersetzung kommt es neben dem Stufenwechsel auch zu einem Perspektivwechsel, der es den Kindern ermöglicht, die eigene Situation aktiv zu gestalten.

Quelle
http://www.rp-online.de/nrw/staedte/solingen/lehrer-staerken-schueler-fuer-stufenwechsel-aid-1.5855795 (16-03-23)


Die Evaluation der Neuen Mittelschule (NMS)

Die Studie „Evaluation der Neuen Mittelschule“ wurde zu gleichen Teilen von einem Konsortium der Johannes Kepler Universität Linz (Leitung: Univ.-Prof. Dr. Herbert Altrichter, Univ.-Prof. Dr. Johann Bacher) und der Universität Salzburg (Leitung: Univ.-Prof. Dr. Ferdinand Eder) durchgeführt. Von Seiten der JKU waren an der inhaltlichen Ausarbeitung die KollegInnen Dr. Christoph Helm, Mag. David Kemethofer, Maja Pocrnja und Prof. Dr. Herbert Altrichter (Institut für Pädagogik und Psychologie) sowie Prof. Dr. Johann Bacher und Mag. Heinz Leitgöb (Institut für Soziologie) beteiligt.

Die Zusammenfassung zielt darauf ab, die Zielsetzungen, das Design und den Ablauf der NMS-Evaluierung so zu beschreiben, dass die anschließend berichteten Ergebnisse im Kontext ihrer Entstehung interpretiert werden können. Insgesamt handelt es sich um eine freie Zusammenfassung der Einzelanalysen, aus denen sich der Evaluationsbericht zusammensetzt; im Text wird jedoch nicht mehr gesondert auf diese verwiesen.

Die offizielle Zusammenfassung der Projektergebnisse findet sich hier zum Download: Evaluation der Neuen Mittelschule (NMS). Befunde aus den Anfangskohorten (pdf-Datei 570 MB)


Sozialpsychologie des Schulalltags: Grundlagen und Anwendungen

Erziehung und Bildung in der Schule gelingen nur bei guter Zusammenarbeit von Lehrenden, Lernenden, Erziehungsberechtigten, Sozialarbeitern, Psychologen usw. Doch oft belasten Fremdheit und Konflikte die Atmosphäre. Dieses Buch von Gisela Steins führt in das Gebiet der Sozialpsychologie des Schulalltags ein und richtet sich schwerpunktmäßig an alle Personengruppen, die im schulischen Kontext arbeiten oder sich auf pädagogische Berufe vorbereiten.

Der erste Abschnitt lässt zum Einstieg Schülerinnen und Schüler ihre Alltags­probleme mit der Schule referieren, und verweist darauf aufbauend auf die Wirkung von Alltagstheorien, die man in ihrer reduktionistischen und stereotypisierenden Art kennen sollte. Daraus leitet sie in das wis­senschaftliche Denken über, denn gute Theorien liefern für komplexe Situationen eine Metaebene, die Distanz zu den Verwicklungen des Alltags bei den Beteiligten erzeugen kann. Steinverweist dabei auf die Notwendigkeit der empirischen und auch der idiographischen und qualitativen Methoden, zumal bei psychologischen Fragestellungen die varianten­reiche Subjektivität der Individuen einbezogen werden muss, um menschliche Handlungen zu verstehen.

Den nächste Abschnitt widmet sich den praktischen Theorien für die Schule, also Theorien, die für schulisches Zusammenleben für zentral sind, etwa die Per­sonenwahrnehmung, das Problem von Konformität und Macht, Attributionstheorien, die sozial-kognitive Lerntheorie, die Selbst­aufmerksamkeitstheorie, die Theorie der symbolischen Selbstergänzung, die Reaktanztheorie und die Emotions­theorien. Dabei werden  immer wieder Bezüge zum konkreten Schulalltag hergestellt und plausible Erklärungen und Lösungsvorschläge in der konkreten Praxis angebo­ten.

Ein weiterer Abschnitt des Buches setzt sich exemplarisch mit aktuellen Herausforderungen im Schulleben auseinan­der, wobei die im zweiten Teil referierten  Theorien jetzt auf dem Prüfstand hinsichtlich ihrer Praxistauglichkeit stehen. Das beginnt mit der Besprechung problematischen Schülerverhaltens wie Rauchen auf der Toilette, Mobbing, Beleidigungen von Lehrpersonen. Die normativen Vorgabe des gegenseitigen Respekts als Leitlinie des Zusammenlebens wird ebenso angesprochen wie die soziale Erziehung oder eine geschlechtergerechte Didaktik.