Zum Thema ‘Forschung’

Motivationsschwankungen innerhalb von Vorlesungen



Motivation ist bekanntlich ein zentraler Faktor für Lernen und für Leistung, doch haben bisherige Studien in erster Linie erfasst, wie motiviert Menschen generell sind und was sie antreibt, doch es wurde bisher allerdings nicht untersucht, wie es innerhalb einer bestimmten, zeitlich begrenzten Lernsituation, etwa innerhalb einer Vorlesung oder Unterrichtsstunde, um die Motivation bestellt ist. Dietrich et al. (2017) haben daher die Motivation von Studierenden der Uni Jena dreimal innerhalb von eineinhalbstündigen Vorlesungen abgefragt und erhebliche Schwankungen bei jedem Einzelnen festgestellt. Lehramtsstudierende mussten ein Semester lang dreimal innerhalb der Vorlesungen über ihr Smartphone oder auf Papier Fragen beantworten, die immer gleich waren, etwa wie kompetent sie sich in dem Augenblick fühlen, ob sie die Sachverhalte verstehen, ob sie diese als anstrengend empfinden und ob sie Spaß an den Lehrinhalten haben und diese für nützlich halten. Die Ergebnisse zeigten, dass die Motivation in den 90 Minuten weit stärker schwankt, als bisher angenommen. So hat jeder einzelne Teilnehmer in der Vorlesung Phasen hoher Motivation und starker Demotivation erlebt, und zwar zeitlich unabhängig von den anderen Studierenden. Dabei fand man keine systematischen Trends wie bestimmte Materialien oder Themen, bei denen die Motivation bei allen gestiegen oder gesunken ist, d. h., die Ursachen für die Schwankungen blieben ungeklärt. Für Lehrende bedeutet das, dass sie Studierende jederzeit verlieren können, wenn sie im Hörsaal vor ihnen stehen, aber sie können sie auch zurückholen.

Literatur

Dietrich, Julia, Viljaranta, Jaana, Moeller, Julia & Kracke, Bärbel (2017). Situational expectancies and task values: Associations with students’ effort. Learning and Instruction, 47, 53-64.



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Elterliches Vorlesen



Jimenez et al. (2019) haben Mütter dazu befragt, wie oft sie ihren 1- bis 3-jährigen Kindern aus Büchern vorlesen. Nach zwei Jahren wurde erhoben, wie oft sich Mütter verbal oder physisch aggressiv gegen ihre Kinder verhalten hatten. Dabei zeigte sich, dass Mütter, die ihren Kindern im ersten Lebensjahr regelmäßig vorgelesen hatten, später einen wesentlich lockereren und auch liebevolleren Umgang mit ihren Kindern pflegten. Auch Müttern die ihren Dreijährigen aus Bücher vorgelesen hatten, waren zwei Jahre später ebenfalls gelassener. Auch waren die Vorlese-Kinder seltener hyperaktiv oder aggressiver, was es Eltern natürlich leichter macht, mit den Kindern entspannter umzugehen. Allerdings lässt sich daraus keine Kausalität ableiten, wie bei solchen korrelativen Studien üblich, allerdings gemeinsam in ein Buch einzutauchen, blendet für einige Zeit den Alltag aus, sodass alleine die körperliche Nähe beim Lesen die Bindung von Eltern und Kindern stärken kann. Studien haben auch gezeigt, dass das gemeinsame Lesen für die kognitiven Kompetenzen der Kinder äußerst förderlich ist, denn Vorlese-Kinder lernen im Durchschnitt schneller lesen und besitzen einen im Vergleich zu anderen Kindern größeren Wortschatz, doch auch für die Konzentrationsfähigkeit sowie die Emotionskontrolle ist das Vorlesen förderlich.

Literatur

Jimenez, Manuel E., Mendelsohn, Alan L., Lin, Yong, Shelton, Patricia & Reichman, Nancy (2019). Early Shared Reading Is Associated with Less Harsh Parenting. Journal of Developmental & Behavioral Pediatrics, 10.1097/DBP.0000000000000687.



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Fibel führt zu besseren Rechtschreibleistungen als andere Methoden



Das lange übliche Fibel-Lernen ist in den Grundschulen vor allem vom Lesen durch Schreiben nahezu verdängt worden, wobei es von Anfang an Kritik daran gab, auf diese Methode zu verzichten. Die Idee am Lesen durch Schreibe war, dass Schüler möglichst viel frei schreiben und das Lesen dabei mitlernen sollen. Korrekturen falsch geschriebener Wörter waren aus dieser Perspektive heraus unerwünscht, da diese die Kinder demotivieren könnte, eine positive Beziehung zu Sprache und Schrift zu entwickeln.

In einer Untersuchung (Kuhl & Röhr-Sendlmeier, 2018) verglich man nun die Rechtschreibleistungen von Kindern, die mit drei unterschiedlichen Methoden das Schreiben erlernt haben.

  • Der „systematische Fibelansatz“ führt schrittweise einzelne Buchstaben und Wörter ein. Gesprochene Wörter werden unter Anleitung in Einzellaute zerlegt und jeder Laut einem Buchstaben zugeordnet. Fibeln sind so aufgebaut, dass die Kinder die Schriftsprache in einem fest vorgegebenen, strukturierten Ablauf vom Einfachen zum Komplexen erlernen und einen schriftsprachlichen Grundwortschatz aufbauen. Hilfestellungen und Korrekturen durch die Lehrperson gehören dazu.
  • Beim Ansatz „Lesen durch Schreiben“ werden Kinder angehalten, möglichst viel frei zu schreiben – das Lesen soll über das Schreiben mitgelernt werden. Korrekturen falsch geschriebener Wörter sollen unterbleiben, da so die Schreibmotivation der Kinder beeinträchtigt würde.
  • Auch die „Rechtschreibwerkstatt“ gibt den Schülern keine feste Abfolge einzelner Lernschritte vor, sondern stellt lediglich Materialien zur Verfügung, die die Kinder selbstständig in individueller Reihenfolge und ohne zeitliche Vorgaben bearbeiten.

Man teste die Erstklässler kurz nach der Einschulung auf ihre Vorkenntnisse und nachfolgend an fünf weiteren Terminen bis zum Ende des dritten Schuljahres mit der Hamburger Schreib-Probe. Sie erfasst als Standardverfahren die Rechtschreibleistungen von Schülern in Form eines Diktats. Die Fibelgruppe hat sich gegenüber den beiden anderen Didaktikgruppen als überlegen erwiesen, denn zu allen fünf Messzeitpunkten haben die Fibelkinder bessere Rechtschreibleistungen erbracht. So machten Kinder, die mit „Lesen durch Schreiben“ unterrichtet wurden, am Ende der vierten Klasse im Schnitt 55 Prozent mehr Rechtschreibfehler als Fibelkinder, in der „Rechtschreibwerkstatt“ unterliefen den Schülern sogar 105 Prozent mehr Rechtschreibfehler als Fibelkindern.

Die Studienergebnisse weisen nach Ansicht der Autoren klar darauf hin, dass alle Kinder gleichermaßen vom Einsatz einer Fibel im Unterricht profitieren, wobei sich die Überlegenheit des Fibelansatzes sowohl bei Kindern mit deutscher Muttersprache als auch mit anderen früh erlernten Sprachen zeigte. Das liegt nicht zuletzt daran, dass das Fibel-Lernen regelgeleitet ist, strukturiert aufeinander aufbaut und auf Übungsphasen setzt.


In der Schweiz im Kanton Nidwalden verbannt man 2018 das lautgetreue Schreiben ab der 2. Klasse aus den Schulzimmern, obwohl der für alle Deutschschweizer Kantone geltende Lehrplan 21 eigentlich vorsieht, dass die Lehrer erst ab der 3. Klasse in der Schriftsprache auf Korrektheit pochen. Bildungsdirektor Res Schmid sagt, es brauche einen grossen Aufwand, wenn die Schülerinnen und Schüler zwei Jahre lang orthografisch falsch schreiben dürften und dann ab der 3. Klasse die Fehler, die sich verstetigt hätten, korrigiert werden müssten. Es ist der Rechtschreibung nicht dienlich, wenn man zu spät damit beginnt.

Auch in Hamburg und Baden-Württemberg ist es mittlerweile untersagt, nach Lesen durch Schreiben zu unterrichten.


Siehe dazu auch unser Lernposter Deutsche Rechtschreibung

Literatur

Kuhl, T. & Röhr-Sendlmeier, U. M. (2018). Der Verlauf des Rechtschreib-Lernens – drei Didaktiken und ihre Auswirkungen auf Orthographie und Motivation in der Grundschule. Vortrag und Posterpräsentation auf dem 4. Dortmunder Symposium der Empirischen Bildungsforschung (TU Dortmund), 04.-05. Juli 2018.



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