Zum Thema ‘Forschung’

Verpetzen zur Aufrechterhaltung von Normen



Verpetzen ist eine Form des psychischen Mobbings und stellt in der Regel ein negativ konnotiertes Verhalten von Kindern und Jugendlichen dar, wobei es dabei um verraten bzw. ausplaudern von ihnen anvertrauten Geheimnissen geht. Von SchülerInnen wird unter Petzen bzw. Verpetzen das Melden unerwünschten Verhaltens an eine Autoritätsperson, etwa an LehrerInnen oder Eltern bezeichnet. Petzende Kinder gelten oft als Verräter oder Spaßbremsen und sind in ihrem Umfeld unbeliebt. Wenn Kinder petzen geht es aber nicht nur darum, die eigene Haut zu retten, sondern oft auch um den Versuch, sich an soziale Regeln zu halten, wobei Kinder beim Verpetzen zum Ausdruck bringen, dass ihre Mitmenschen das auch tun sollen. Schon im Alter von drei Jahren schwärzen Kinder andere Kinder an, die ih­rer Meinung nach etwas Unrechtes getan haben. Manchmal geht es dabei darum, die eigene Haut zu retten, wenn etwa das petzende Kind selbst in den Verdacht geraten könnte, etwas Verbotenes getan zu haben. Wenn Kinder petzen, wird das oft auch von Erwachsenen als unerwünsch­tes Verhalten angemahnt, doch unter bestimmten Bedingungen geht es Kindern auch darum, Normen durchzusetzen, was für das Zu­sam­men­leben in Gruppen durchaus auch positive Seiten hat. Dabei wird von Kindern schon zwischen leichten und schweren Vergehen unterschieden, denn erwarten Kinder Ärger für ihre Gruppe, halten sie eher dicht und verraten die oder den Übertäter nicht.

In sozialen Systemen und vor allem in der Wirtschaft spricht man oft von Whistleblowing, wenn etwa eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter eines Unternehmens gegenüber seinem Arbeitgeber oder einem Dritten tatsächliche oder vermeintliche Missstände im Unternehmen bzw. ein Fehlverhalten von KollegInnen oder Vorgesetzten meldet. Ursprünglich kommt Whistleblowing aus dem anglo-amerikanischen Rechtsraum, denn dort sind Hinweisgeberprogramme, bei der Mitarbeiter etwaige Missstände im Unternehmen melden können und sollen, weit verbreitet. In nicht seltenen Fällen bekommen Whistleblower manchmal von Behörden sogar hohe Belohnungen. Während Whistleblowing in vielen Ländern gesellschaftlich akzeptiert ist, besteht in Mitteleuropa teilweise aus historischen Gründen oder auch aus Angst um das Betriebsklima hohes Misstrauen gegenüber solchen Systemen.

Cornell et al. (2011) zeigten übrigens in einem kuriosen Experiment, dass Krähen durch Verpetzen lernen. Dazu setzte sich ein Forscher eine Neandertalermaske auf, fing mit dieser Verkleidung einige Krähen auf dem Campus ein und ließ sie nach kurzer Zeit wieder frei. Wenn in der Folge Menschen mit Neandertalermasken am Campus herumgingen, beschimpften 26 Prozent der Krähen diese als Bösewichte. Als zweieinhalb Jahre später wieder Menschen mit Neandertalermasken am Campus auftauchten, waren bereits 66 Prozent der Vögel alarmiert, fünf Jahre später verpetzten die Maskenträgerinnen sogar Krähen, die vor fünf Jahren noch gar nicht geboren waren, d. h., sie wussten bereits, dass Lebewesen mit Neandertalermasken böse sind

Literatur

Cornell, H, N., Marzluff, J. M. & Pecoraro, S. (2011). Social learning spreads knowledge about dangerous humans among American crows. Proc Biol Sci, doi:10.1098/rspb.2011.0957.
Stangl, W. (2014). Mobbing in der Schule.
WWW: http://www.stangl.eu/psychologie/entwicklung/mobbing.shtml (2014-07-24).
Yucel, N. M. & Vaish, A. (2017). Young children tattle to enforce cooperative norms. Society for Research in Child Development Biennial Meeting, Austin, TX.



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Educational Governance



In den Bildungssystemen Europas sind gravierende Umbauten institutioneller Regelungsstrukturen zu verzeichnen: In den Schulen werden beispielsweise im Kontext von PISA schulische Gestaltungsspielräume erhöht, Bildungsstandards und externe Evaluations- und Beobachtungsverfahren eingeführt. Diese Veränderungen der Steuerungs- und Koordinations- Praxis führen in jüngster Zeit zu einer Reihe von wissenschaftlichen Beiträgen, die mit dem Governance-Begriff analytisch arbeiten, um die institutionellen Umbauten nachzuvollziehen, ihre vielfältigen Wirkungen zu erfassen und Orientierungswissen zu bieten. Der Band stellt das Konzept „Governance im Bildungswesen“ vor und liefert aus verschiedenen sozialwissenschaftlichen Bezugsdisziplinen neue Perspektiven für Steuerungsprozesse im Bildungswesen.



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Humor im Unterricht



Studien konnten zeigen, dass Schülerinnen und Schüler mehr Freude, weniger Langeweile sowie weniger Ärger erleben, wenn die Lehrerin oder der Lehrer Humor einsetzt, der auf den Lerngegenstand bezogen ist. Der Humor eines Lehrers oder einer Lehrerin beeinflusst nicht nur das emotionale Unterrichtserlebnis, sondern er steht auch in enger Beziehung zu Unterrichtsmerkmalen wie Lehrer-Schüler-Beziehung oder Interessantheit und Klarheit des Unterrichts. Allerdings wirkt der Humor nur dann, wenn er im direkten Zusammenhang mit dem jeweiligen Unterrichtsgegenstand steht, die Beziehung der Lehrerin oder des Lehrers zu den Schülerinnen und Schülern verbessert und dass der Unterricht als interessanter und klarer wahrgenommen wird. Aggressiver Humor beeinträchtigt hingegen vor allem die Beziehungsebene, und Humor, der in keiner Beziehung zu dem steht, was gelernt werden soll, lässt das Interesse am Lerngegenstand eher sinken und stiftet eher Unklarheit.
Richtig eingesetzter Humor ist für LehrerInnen daher ein gutes Mittel, um Stress bewältigen zu können und zur Sicherung von Unterrichtskompetenz beizutragen.

Literatur

http://stangl.eu/psychologie/praesentation/lernklima.shtml (17-07-04)
https://idw-online.de/de/news677510 (17-07-04)



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