Allgemein

Modellprojekt „Stufenwechsel“ mit Perspektivenwechsel

Der Übergang von der Grundschule zur weiterführenden Schule ist nicht ohne Risiko, denn das bedeutet eine neue Schule, neue LehrerInnen, neue MitschülerInnen, was zu einem biografischen Bruch im Leben eines Kindes führen kann. Zu diesem Zweck wurde das Modellprojekt „Stufenwechsel“ des Vereins buddY e.V. entwickelt. Beteiligt sind daran Grundschulen und weiterführende Schulen aus Solingen mit jeweils zwei Lehrern, die ihr Wissen weitergeben. An zehn Trainingstagen, die sich über eineinhalb Jahre erstrecken, erarbeiten die LehrerInnen Konzepte zum Stufenwechsel und setzen diese mit den SchülerInnen in Projekten um, wobei es vor allem um die Aktivierung der Kinder geht, denn es entstehen dadurch Kompetenzen, wenn Schülerinnen und Schüler selbst entscheiden und handeln. Die Kinder sollen dabei nicht vom Lehrer etwas vorgesetzt bekommen, sondern jedes Kind wird zum Subjekt gemacht, das den eigenen Übergang gestaltet. Das Projekt hat den Anspruch, auch solche Kinder zu erreichen, die durch ihre familiären Verhältnisse benachteiligt sind und nicht so qualifiziert werden wie es möglich wäre. So führen die Schülerinnen und Schüler etwa eine Umfrage unter Lehrerinnen, Lehrern und Eltern zum Thema Übergang durch und setzen sich so damit auseinander, d. h., die Kinder werden so selbst zu Experten für die Gestaltung des Übergangs auf die weiterführende Schule. Durch diese Auseinandersetzung kommt es neben dem Stufenwechsel auch zu einem Perspektivwechsel, der es den Kindern ermöglicht, die eigene Situation aktiv zu gestalten.

Quelle
http://www.rp-online.de/nrw/staedte/solingen/lehrer-staerken-schueler-fuer-stufenwechsel-aid-1.5855795 (16-03-23)




Dimensionen der Schulkultur

Der Schulalltag aus Sicht eines Schülers:
„Warum soll ich da jeden Tag hingehen? Ich komme in dem Schulsystem ja kaum vor. Man erwartet von mir, dass ich das Vorgegebene abschreibe, lerne, dann beim Abfragen am nächsten Tag ausspucke, eine Note dafür kassiere und dann das Ganze vergesse.“

Im Journal „ÖGKJ:Jugendmedizin“ findet sich unter dem Titel Schule als Bedrohung eine Liste von Dimensionen der Schulkultur:
Die Qualität des Unterrichts: Das professionelle Handeln der Lehrer und die Qualität des Unterrichts aus Sicht der Schüler. Die Unterrichtsqualität wurde mit Fragen erfasst, welche die von den Schülern wahrgenommene didaktische Kompetenz der Lehrer beschreiben. Diese Fragen beziehen sich auf die Anschaulichkeit des Unterrichts, das Lerntempo, auf die Erklärungskompetenz der Lehrer und ihre Fähigkeit, einen abwechslungsreichen sowie einen nicht langweilig gestalteten Unterricht durchzuführen.
Schülerpartizipation: Die Möglichkeiten der Schüler, an der Gestaltung ihres Schulalltags mitwirken zu können. Wenn sich Schüler aktiv am Schulalltag beteiligen können, ihre Interessen beim Lehrer oder der Schulleitung gewahrt sehen, kann dies für sie einen positiven Einfluss auf ihre Motivation, ihre Lernhaltung und das Engagement für schulische Belange haben. Die Schülerpartizipation wurde mit Fragen ermittelt, die sich auf die Möglichkeiten des Arbeitens nach eigenem Tempo, die freie Wahl von Partnern für Gruppenarbeiten und, ein Mitspracherecht über die Nutzung von Unterrichtszeit, Lerninhalten sowie Schüleraktivitäten richten.
Schulische Kompetenz: Das Gefühl, im schulischen Unterricht gut mitzukommen. Hier geht es inhaltlich um die Fähigkeiten und Fertigkeiten hinsichtlich der Bewältigung schulischer Anforderungen. Die Schülerinnen und Schüler sollten ihre Zustimmung oder Ablehnung gegenüber folgenden Aussagen angeben: „Ich fühle mich genauso klug wie andere in meinem Alter“; „Ich bin ziemlich langsam bei der Schularbeit“; „Ich bin sehr gut bei der Klassenarbeit/in der Schule“; „Ich habe Probleme bei der Beantwortung von Fragen in der Schule“. Diese Dimension beschreibt die Vorraussetzungen, unter denen die Schule zu arbeiten hat. Die schulische Kompetenz ist etwas, das nicht allein durch die Schule selbst zu verantworten ist. Der Grundstein dazu wird in der Familie gelegt. Dennoch kann Schule die subjektive Selbsteinschätzung und damit letztlich auch die Leistungsbereitschaft der Schülerinnen und Schüler fördern.
Unterstützung durch Mitschüler: Die Möglichkeit, Unterstützung und Hilfe von Gleichaltrigen in der Schule zu bekommen. Der Zusammenhalt und die gegenseitige Unterstützung der Mitschüler einer Klasse wurde durch Fragen gemessen, die sich darauf beziehen, ob die meisten Schüler einer Klasse gern zusammen sind, ob die meisten Schüler nett und hilfsbereit sind, ob Mitschüler unterstützt werden, wenn es jemandem in der Klasse schlecht geht und ob die meisten Schülerinnen und Schüler die eigene Person so akzeptieren, wie sie/er ist.
Hilfe durch die Eltern: Das von Vater und Mutter gezeigte Interesse an der schulischen Lernarbeit. Hier wurde danach gefragt, in wie weit die Eltern ihre Kinder in schulischer Hinsicht unterstützen. Dazu gab es Fragen, die sich auf das Interesse der Eltern am schulischen Alltag der Kinder und auf die Hilfestellung bei den Hausaufgaben beziehen.
Schulfreude: Die emotionale Bewertung der Schule. Die Freude an der Schule wird durch die subjektive Einschätzung der Schülerinnen und Schüler erfasst: „Wie gefällt dir derzeit die Schule?“. Hierin drückt sich ein Gefühl der Integration in den sozialen Schulkontext, die Motivation zur Beteiligung am Schulleben, sowie auch das „Wohlfühlen“ in der Schule aus. Die Ergebnisse zeigen, dass der Schulfreude, zusammen mit der Einschätzung der eigenen schulischen Kompetenz, eine bedeutsame Vermittlerrolle zwischen den Merkmalen der Schule und der Gesundheit zukommt. Schülerinnen und Schüler, die sich kompetent fühlen und sich in der Schule, aus welchen Gründen auch immer, wohl fühlen, sind gegen die Folgen des Anforderungsstresses gut geschützt.




Konflikttraining nach Gordon

Nach Gordon (1999) ist das Ziel des kooperativen Gesprächs, dass die Streitparteien auf einen Sieg zugunsten eines Kompromisses verzichten, sodass keiner eine Niederlag“ einstecken muss bzw. sein „Gesicht verliert. Geschult wird dabei das Argumentations- und Denkvermögen, während gleichzeitig der Abbau von Feindseligkeiten gefördert wird. Gordon empfiehlt bei der Vorgehensweise sechs Schritte:

  • den Konflikt identifizieren,
  • mögliche Alternativlösungen entwickeln,
  • die Alternativlösungen kritisch bewerten,
  • sich für die beste annehmbare Lösung entscheiden,
  • Wege zur Ausführung der Lösung ausarbeiten,
  • spätere Überprüfung der Lösung.

Gordon  betont dabei die Vorzüge von Ich-Botschaften, die für das Gegenüber weniger bedrohlich wirken, und in der Folge zu mehr Offenheit und Ehrlichkeit führen, sowie Vertrauen und die Bereitschaft fördern, sich zu ändern. Eine zentrale Rolle im Konflikttraining nach Gordon spielt das aktive Zuhören, das hilft, über Konflikte nachzudenken, sich auszusprechen und mit damit verbundenen negativen Gefühlen fertig zu werden. Man lernt dabei, dass man keine Angst vor eigenen Gefühlen haben muss, und dass mit Phantasie und Kreativität beim Aussprechen und Durchdenken der Probleme Lösungen von Konflikten gefunden werden können. Darüber hinaus werden Empathiefähigkeit sowie Beziehungen im Allgemeinen verbessert. Dieses Programm ist nach Ansicht von Gordon zwar keine Lösung für jedes Problem, aber ein geeigneter Ansatz in der Gewaltprävention und eine Möglichkeit zur Verbesserung von Kommunikations- und Interaktionsstrukturen.

Literatur
Gordon, T. (1999). Lehrer-Schüler-Konferenz. Wie man Konflikte in der Schule löst. München: Heyne.
Hanke, Ottmar (2004). Gewaltprävention in der Schule. Zentrale Fragestellungen und Umsetzung in der Klasse. Die Deutsche Schule, 96, 68-84.
Stangl, W. (1998). Erfolgreiches Lehrerverhalten.
WWW: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/LEHREN/Erfolgreiches-Lehrerverhalten.shtml (98-07-04)