Was ist ein Plagiat?

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Die Universität Klagenfurt definiert für die an ihr vertretenen Wissenschaften den Begriff Plagiat wie folgt: Plagiat ist die unrechtmäßige Aneignung von geistigem Eigentum oder Erkenntnissen anderer und ihre Verwendung zum eigenen Vorteil.

Die häufigsten Formen des Plagiats in wissenschaftlichen Arbeiten sind:

  • Die wörtliche Übernahme einer oder mehrerer Textpassagen ohne entsprechende Quellenangabe (Textplagiat).
  • Die Wiedergabe bzw. Paraphrasierung eines Gedankengangs, wobei Wörter und der Satzbau des Originals so verändert werden, dass der Ursprung des Gedankens verwischt wird (Ideenplagiat).
  • Die Übersetzung von Ideen und Textpassagen aus einem fremdsprachigen Werk, wiederum ohne Quellenangabe.
  • Die Übernahme von Metaphern, Idiomen oder eleganten sprachlichen Schöpfungen ohne Quellenangabe.
  • Die Verwendung von Zitaten, die man in einem Werk der Sekundärliteratur angetroffen hat, zur Stützung eines eigenen Arguments, wobei zwar die Zitate selbst dokumentiert werden, nicht aber die verwendete Sekundärliteratur (Zitatsplagiat).

Debora Weber-Wulff hat 2011 in einer Untersuchung gezeigt, dass selbst die besten Computerprogramme zur Plagiaterkennung nur wenig brauchbar sind. Jedes System wurde mit 42 kurzen Essays getestet, und auch die Benutzerfreundlichkeit der Systeme und die Professionalität der Unternehmen wurden bewertet. Nur fünf Programme erhielten die Bewertung „teilweise nützlich“, die übrigen wurden als „kaum brauchbar“ und „nutzlos“ eingestuf. Viele Programme können nur exakte Kopien finden und auch die besten Systeme sind nur befriedigend in der Effektivität. Die teilweise nützlichen Systeme werden auch dann eingesetzt werden, wenn erste Plagiatsindizien bereits aufgetaucht sind, eine Lehrkraft die Quellen aber nicht rasch per Suchmaschine finden kann, wobei drei bis fünf längere Wörter aus einem verdächtigen Absatz schon genügen, um über eine Suchmaschine die Quellen online zu finden. Plagiatserkennungssysteme sollten nach Meinung von Debora Weber-Wulff nur bei konkretem Verdacht verwendet werden, statt die Studierenden unter Generalverdacht zu stellen. Außerdem sollte der Fokus stärker auf der Aufklärung liegen, denn den Studierenden sollte klargemacht werden, was ein Plagiat ist, warum nicht plagiiert werden darf und wie man richtig arbeitet.

Die Initiative Transparente Wissenschaft ist eine Web-Plattform und beschäftigt sich mit dem oft fragwürdigen Umgang mit Vorwürfen wissenschaftlichen Fehlverhaltens, insbesondere des Plagiarismus und der Datenfälschung, in Österreich. Sie möchte zudem über Österreich hinaus eine internationale Debatte über die Nutzung kollaborativer Web-Plattformen bei der Behandlung von Fragen möglichen wissenschaftlichen Fehlverhaltens stimulieren (Stichwort „Wikileaks für die Wissenschaft“).
Link: http://de.antiplagaustria.wikia.com/wiki/Initiative_Transparente_Wissenschaft_Wiki (11-03-12)

Die Erklärung als rechtliche Absicherung

Durch die rasante Verbreitung des Internet und die damit vereinfachte Beschaffung von Fachtexten oder ganzen Hausarbeiten werden in den letzten Jahren von den Lehrenden an Universitäten und Fachhochschulen vermehrt Hausarbeiten abgegeben, die zum Teil aus anderen Haus- oder Seminararbeiten kopiert oder sogar komplett übernommen wurden. Um StudenteInnen für solche Täuschungsversuche zu sensibilisieren, verlangen immer mehr Universitäten und Fachhochschulen die Abgabe einer Erklärung, in der die StudentInnen versichern müssen, die Arbeit eigenständig verfasst zu haben. Darüber hinaus sollte  jeder Studentin und jedem Studenten klar sein, dass Abschreiben einen Verstoß gegen die Regeln wissenschaftlichen Arbeitens darstellt und auch Diebstahl des geistigen Eigentums Anderer darstellt. Kann der Lehrveranstaltungsleiter nachweisen, dass einzelne Bestandteile der Hausarbeit aus anderen Werken ohne Quellenangabe abgeschrieben wurden, drohen aufgrund des Täuschungsversuchs Konsequenzen, die von einer als ungenügend benoteten Hausarbeit bis hin zum Ausschluss von der Bildungseinrichtung reichen können. Dies gilt vor allem dann, wenn man eine solche Erklärung abgegeben hat.

Siehe dazu auch: Hinweise zum wissenschaftlichen Schreiben

Quellen
http://www.uni-klu.ac.at/main/inhalt/843.htm (07-01-02)
http://www.uni-hannover.de/imperia/md/content/pruefungsamt/formulare/magister/02_plagiat.pdf (07-01-02)
http://www.tripple.net/contator/webwizard/news.asp?nnr=48853 (11-01-15)

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17 Gedanken zu „Was ist ein Plagiat?“

  1. Ein Fehler in einer Formel ist ein Fehler, dabei kommt es nicht darauf an, warum dieser Fehler entstanden ist (er kann auch beim Eintrag in den Formeleditor entstehen). In der Regel lassen sich Dinge, wie z. B. Vorzeichen und Klammerfehler simpel mathematisch selbst korrigieren. Unterbleibt dieses selber nachrechnen, so ist man selber Schuld (solche Fehler können auch schon in einem Originalwerk sein). Ist dieser Fehler wichtig, schlägt es auf die Note. Ein Plagiat kann es nicht sein, da der Ursprung z. B. der Formel angegeben ist. Das Nachschlagen ist KEINE Leistung! Formell ist es natürlich richtig, dass bei nicht nachgeschlagenen Quellen ein „zit. nach“ eingefügt werden sollte, fehlt es, ist es ein formeller/handwerklicher Mangel, aber kein Plagiat.

    Sollten Sie tatsächlich denken, dass durch eventuell ausbleibende Quellenprüfungen ein Naturwissenschaftler sich ein leichtes Leben macht, dann haben Sie wohl noch keine Arbeit in diesem Bereich verfolgt. Nicht umsonst gelten diese Arbeiten als um ein Vielfaches arbeitsintensiver und komplexer als Arbeiten in den meisten anderen Fächern.

  2. Ich denke, dass hier eine Internetrecherche nicht ausreicht, um eine solche Behauptung aufzustellen. Das Schwergewicht auf die Bewertung als Plagiat mag in den Fächern unterschiedlich verteilt sein, allerdings kann ich mir kein Fach vorstellen, in dem man sich einen wenn auch nur kleinen Teil der Arbeit einfach durch Abschreiben bzw. copy&paste ersparen kann. Da wäre ich als Erstautor auch nicht sehr angetan, wenn in einer durch Abschreiben weitergegebenen Formel eine Klammer fehlt.

  3. Die wiss. Leistung findet in den Naturwissenschaften im Labor und der Auswertung statt, Literaturrecherche ist ein simples Hilfsmittel. Niemand würde z. B. einem Experimentalphysiker wegen solcher Belanglosigkeiten einen Plagiatsvorwurf machen. Wenn es zu oft vorkommt kann man aufgrund handwerklicher Schwächen die Note korrigieren.

    Suchen Sie einmal nach dem Begriff Zitatsplagiat und sie werden kaum Universitäten finden, die dieses definieren.

    Im letzten Jahr ist bereits der Verfasser der Vorwürfe gegen den deutschen Bundestagspräsidenten

  4. Ich kann mir für die Naturwissenschaften nicht wirklich vorstellen, dass das Vortäuschen wissenschaftlicher Tätigkeit, und sei es auch nur eine Recherche, ein allgemein akzeptiertes Verhalten eines Wissenschaftlers darstellt.
    BTW: Mich würde sehr interessieren, auf welches Fach bzw. welche konkrete wissenschaftliche Institution Sie sich mit ihrer Behauptung stützen.

  5. Wohl möglich, das es Situationen und Fächer gibt, in denen das von Ihnen genannte zutrifft, damit ist diese Plagiatsdefinition jedoch nur noch eingeschränkt gültig, da sie in den Naturwissenschaften grundsätzlich nicht anwendbar ist und dort auf keinerlei Weise Relevanz besitzt. Die von Ihnen genannten Beispiele sind hier nicht anwendbar und existieren auch nicht. Im Allgemeinen ist inden Naturwissenschaften die Literaturrecherche keine wiss. Leistung. Außerdem verbleibt die Tatsache, dass die Definition keinerlei allgemeine Akzeptanz besitzt (selbst eine Google Suche zeigt dies sehr schnell).

  6. Das Nachschlagen der Originalquelle ist unter Umständen mit einem hohen zeitlichen Aufwand verbunden, wenn diese Quellen z. B. erst über Fernleihe eingeholt werden müssen, soferne das bei manchen Quellen überhaupt möglich ist. Daher ist die Verwendung als Primärzitat das Vortäuschen wissenschaftlicher Arbeit, somit ein Plagiat. Außerdem geht es nicht um das bloße Prüfen des Zitats auf seine Korrektheit, sondern vor allem darum, dem Originalautor insofern gerecht zu werden, als das Zitat möglicherweise in seinem Zuhang ganz anders gemeint war, als es der Sekundärautor glauben machen will. Und dass man sich mit einer solchen Form des Zitierens einen Vorteil verschaffen kann, steht wohl außer Zweifel.
    Ich kann hier eine eigene Erfahrung anführen, bei der ein hier ungenannt bleibender Universitätsprofessor und Leiter einer großen Forschungseinrichtung in Deutschland „aus Zeitmangel und versehentlicher Ungenauigkeit“ in einem Forschungsbericht, für den er äußerst gut bezahlt worden war, eine meiner Arbeiten umformuliert und mit vielen Originalzitaten versehen, verwendet hat. Er wusste dabei allerdings nicht, dass mein bei der Entstehung satirisch gemeinter Text (er hatte also den Kontext nicht geprüft!) drei Artikel bzw. Autoren anführte, die es gar nicht gab. Diese drei Artikel bzw. Autoren geistern seither in zahlreichen weiteren Publikationen umher und ich amüsiere mich immer wieder köstlich darüber, dass K. Rampus, H. Tajfel & L. Hellman samt fiktiver Artikel (die ich mit englischen Zitaten belegt hatte) noch immer ihr Unwesen treiben.

  7. Nun, das ist eine Sichtweise, die jedoch keinerlei allgemeine Akzeptanz hat. Tatsache ist, dass in dem gemachten Beispiel keinerlei Schöpfung des Autors der Sekundärquelle übernommen wurde. Das Nachschlagen der Quelle ist eine rein handwerkliche Tätigkeit, deren Bedeutung als wiss. Leistung je nach Fach gegen null tendieren kann (in Naturwissenschaften würde man noch nicht einmal im entferntesten Sinne auf die Idee kommen, das Nachschlagen einer Quelle als plagiatsfähige Leistung zu sehen).

    Sicherlich ist es handwerklich wünschenswert, das Zitate geprüft werden, unterbleibt diese Prüfung, ist es ein handwerklicher Fehler, ein Plagiat ist es keinesfalls und wird von der großen Mehrheit der deutschsprachigen Universitäten auch nicht so beurteilt.

    Abgesehen davon, würde, wenn Ihre Erklärung zutreffen würde auch plagiiert, wenn das Zitat nachgeprüft wurde, da man es ja in der Sekundärliteratur aufgefunden hat und sich somit auch der Recherche bedienen würde. So oder so ist dieser Plagiatstyp offensichtlich sehr fragwürdig.

  8. Ich denke, das ist ein Missverständnis. Hier geht es um das wörtliche Zitieren nach einer Sekundärquelle, bei dem man so tut, als ob man das Original in der Hand gehabt hätte. Und das ist aus zweierlei Gründen problematisch, denn erstens kann bei dem Zitat ein Fehler unterlaufen sein, der in der Folge dem Originalautor „unterstellt“ werden könnte, und zweitens ist es das Vortäuschen von eigener Recherchearbeit, die in Wahrheit jemand anderer geleistet hat.
    Um ein konkretes Beispiel zu nennen: Wenn jemand von der Site http://lexikon.stangl.eu/11743/autoritaet/ in seiner Arbeit schreibt: „Die allgemein übliche Definition versteht darunter [Autorität] das maßgebende Ansehen einer Persönlichkeit, deren Charakter, persönliche Lebensführung und Leistung über jeden Zweifel erhaben sind und daher allgemein als Vorbild und Beispiel anerkannt werden“ (Zorn 1960, S. 37) und die Originalquelle Zorn (1960) in sein Literaturverzeichnis aufnimmt, ohne dieses Werk jemals in der Hand gehabt zu haben, dann handelt es sich um ein Plagiat, auch wenn erkennbar ist, dass das Zitat nicht vom Autor stammt, sondern von Zorn (1960).

  9. Was soll den dieses angebliche „Zitatsplagiat“ sein. Selbst wenn ein Sekundärzitat ohne „zit. nach“ angegeben wird, ist immer noch klar zwischen eigener und fremder Autorschaft unterschieden. Das Zitat selbst ist dem Autor der Sekundärliteratur nicht zuzuschreiben. Solange nichts übernommen worden ist, was vom Autor der Sekundärquelle selbst stammt, wurde dementsprechend auch nichts plagiiert. Dementsprechend kann es logischerweise offensichtlich kein „Zitatsplagiat“ geben.

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