Lernfreude und die Bedeutung von Lernemotionen

Was die Disciplin oder Züchtigung der Kinder anlanget, sollen die Praeceptores nicht stürmisch seyn, noch die Kinder ubel anfahren, viel weniger immer zuschlagen. Denn wenn die Kinder also nur in tyrannischer Furcht und Schrecken stets, oder je offt und viel sitzen müssen, so können sie nicht allein nicht halb so fleissig auff die Lection achtung geben, und gehet mit ihrem lernen desto längsamer von statten; sondern sie werden auch dem Schulmeister gram, und verlieren allen Lust zu lernen.
Gothaischen Schulmethodus von 1642

Lernemotionen erweisen sich für das Lernen und Leisten der Schüler und Schülerinnen als bedeutsam. Positive Lernemotionen, die das Lernen und Leisten begünstigen, gilt es somit zu fördern. Empirische Befunde belegen jedoch, dass diese positiven Emotionen mit zunehmenden Schuljahren kontinuierlich zurückgehen. In diesem Buch steht die schulische Lernfreude im Vordergrund.

Neben der Erarbeitung der theoretischen Grundlagen zum Konzept der Lernfreude wird eine empirische Längsschnittstudie zur Lernfreude von Jugendlichen vorgestellt. Die Schüler und Schülerinnen aus Hauptschulen wurden zwischen der 6. und 7. Schulstufe begleitet, um der Frage nach der Veränderung der Lernfreude und der sie beeinflussenden Faktoren nachzugehen. Dabei werden erstmals Ergebnisse vorgestellt, die zum einen längsschnittliche Aussagen in einer für den Rückgang der Lernfreude besonders sensiblen Phase ermöglichen, zum anderen wird eine Integration von Forschungsbefunden zur trait- aber auch zur state-Lernfreude realisiert.

Literatur

Neumann, T. (Hrsg.) (2002). Quellen zur Geschichte Thüringens »…daß bei der Erziehung kein Teil von dem anderen unabhängig ist…«. Pädagogik im 18. und 19. Jahrhundert. Erfurt: Landeszentrale für politische Bildung Thüringen.








2 Reaktionen zu “Lernfreude und die Bedeutung von Lernemotionen”

  1. Eduard Riethmayer

    Was Roth auf jeden Fall ablehnt, ist die Vorstellung, aus der Hirnforschung ließen sich direkt bestimmte Aussagen für die Gestaltung von Unterricht ableiten. So gesehen ist eine „Neurodidaktik“ unsinnig. Er schlägt vielmehr vor, dass Hirnforscher, Lernforschung und Erziehungswissenschaft in einen Dialog eintreten. Nur aus dieser vielperspektivischen Betrachtung ließen sich konkrete Vorhaben für die Veränderung von Schule und Unterricht entwickeln. Dem kann man nur zustimmen! Die Pädagogik im deutschsprachigen Raum hat nicht nur „blinde Flecken“, was benachbarte Disziplinen angeht, deren wesentliche Erkenntnisse einfach nicht zur Kenntnis genommen werden. Ich denke da insbesondere an die Diskussion zum Selbstgesteuerten (bzw. Selbstbestimmten) Lernen, die die internationale Forschung zum Self-Regulated Learning (Boekaerts, Pintrich, Zimmerman, Schunk…) nur zum Teil rezipiert. Nur eine Betrachtung, die umfassend alles vorhandene Wissen zum Lehren und Lernen in der Schule einbezieht – und da gehört selbstverständlich der wissenschaftliche Diskurs in anderen Ländern auf den relevanten Gebieten dazu, kann zu einer Weiterentwicklung des Lehrens und Lernens in der Schule führen. Zur Zeit wird die Diskussion noch sehr von Ideologien, Glaubensgrundsätzen und provinziellem Denken bestimmt! Das ist es, was Roth zurückweist und es ist nur zu hoffen, dass sich ihm hier viel anschließen.

  2. Eduard Riethmayer

    Mein Kommentar zum Buch von Roth ist leider irgendwie auf dieser Seite gelandet. – Trotzdem passt auch hier einiges von dem, was ich hier angemerkt habe: In der Motivationsforschung ist international die sogenannte „Goal Theory“ bestimmend geworden, d.h., Menschen haben individuelle Zielhierarchien, abhängig von vielerlei Voraussetzungen, die in ihrer Person und in ihrer aktuellen Entwicklungsphase begründet liegen. Diese Ziele stehen im Konflikt miteinander. Es bedarf volitionaler Prozesse zur Regluation der Motivaiton. In der so genannten Bildungsgangdidaktik hat man in Hamburg schon vor Jahren versucht, die enge Verzahnung von Entwicklungsphase (bzw. entwicklungspsychologischen Aufgaben, siehe Havighurst ) und Lernmotivation zu erfassen.
    Die „Goal Theory“ liefert die theoretische Grundlage für Analyse individueller Lernvoraussetzungne. Im Zusammenhang mit der aktuellen Forderung nach „individueller Förderung“ durch selbstbestimmtes Lernen ist das von Bedeutung.

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