Musik fördert Gedächtnis, soziale Kompetenz und das Erkennen von Emotionen bei anderen

Susan Hallam zeigte in zahlreichen Untersuchungen, dass das Erlernen eines Instruments das Gedächtnis von Kindern fördert. Dabei wird die linke Gehirnhälfte vergrößert und somit nebenbei die Erinnerungsfähigkeit von SchülerInnen um fast 20 Prozent und der gemessene Intelligenzquotiente um bis zu sieben Punkte gesteigert.

Wie ähnliche Studien in den USA zeigten, wirkt sich der Musikunterricht auch positiv auf das Verhalten aus, da das gemeinsame Erlernen und Einstudieren von Musik Vertrauen, Respekt und Kompromissfähigkeit fordert.


Sala & Gobet (2017) haben in einer Meta-Analyse die verfügbaren experimentellen Belege für den Einfluss der Musikausbildung auf die kognitiven Kompetenzen und die Studierfähigkeiten von Kindern und Jugendlichen untersucht. Dabei zeigte sich jedoch nur eine geringe Gesamteffektgröße, etwas größere Effektgrößen fand man im Hinblick auf Intelligenz und gedächtnisbezogene Fähigkeiten bzw. eine umgekehrte Beziehung zwischen der Größe der Effekte und der methodischen Qualität des jeweiligen Studiendesigns.

Vor allem Untersuchungen mit qualitativ hochwertigem Design zeigten keinen Einfluss, denn bei diesen wurden Kontrollgruppen verwendet, also Kinder, die keine Musik lernten übten stattdessen andere Fertigkeiten wie Tanz oder einen Sport. Kleinere Effekte wurden demnach nur bei Studien entdeckt, die keine solchen Kontrollgruppen enthielten.

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Musiktraining die kognitiven oder akademischen Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen nicht generell verbessert, und dass frühere positive Ergebnisse wahrscheinlich auf andere Variablen zurückzuführen sind. Dennoch kann Musikunterricht für Kinder von Vorteil sein, denn dabei werden etwa auch soziale Fähigkeiten oder das Selbstwertgefühl verbessert, wobei manche Elemente der Musik wie die Notation durchaus das Lernen in anderen Disziplinen wie Mathematik erleichtern kann.


Nussbaum & Schweinberger (2021) haben in einer Metastudie gezeigt, dass mit einer besseren Leistung bei der Wahrnehmung stimmlicher Emotionen verbunden ist. Da eine adäquate Wahrnehmung stimmlicher Emotionen eine Grundvoraussetzung für die alltägliche soziale Interaktion ist, können diese Ergebnisse auch der vermuteten Bedeutung von Musik und musikalischer Bildung für die persönliche Entwicklung und Lebensqualität mehr Gewicht verleihen. Parallelen zwischen der Stimme und Musik, etwa die Tonhöhe, Klangfarbe, Geschwindigkeit und Lautstärke, könnten eine Erklärung dafür sein, dass Musizierende Emotionen in der Stimme besser wahrnehmen als unmusikalische Menschen. Musikalisches Training kann daher eine vielversprechende ergänzende Intervention für Menschen darstellen, die Probleme mit der Wahrnehmung stimmlicher Emotionen haben. Es kann mit einigem Recht vermutet werden, dass verschiedene natürliche Faktoren und die Erziehung zu Fähigkeiten der Emotionswahrnehmung in den Bereichen Stimme und Musik beitragen.

Literatur

Hallam, Susan (2009). Instrumental Teaching: A Practical Guide to Better Teaching and Learning. Heinemann.
Nussbaum, Christine & Schweinberger, Stefan R. (2021). Links Between Musicality and Vocal Emotion Perception. Emotion Review, 13, 211-224.
Sala, Giovanni & Gobet, Fernand (2017). When the music’s over. Does music skill transfer to children’s and young adolescents‘ cognitive and academic skills? A meta-analysis. Educational Research Review, 20, 55-67.

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