Die Flut an Lern- und Produktivitätstipps im Internet und den sozialen Medien hat eine paradoxe Situation geschaffen: Einerseits verspricht sie, uns effizienter und erfolgreicher zu machen, andererseits führt sie oft zu Verwirrung und sogar kontraproduktiven Ergebnissen. Das Problem liegt nicht darin, dass es keine guten Ratschläge gibt, sondern in der schieren Menge an Informationen und der oft mangelnden Qualität.
Altbekanntes im neuen Gewand
Viele der angepriesenen „neuen“ Lerntechniken sind in Wirklichkeit alte Hüte. Die Pomodoro-Technik, das Karteikartensystem oder das Prinzip der verteilten Wiederholung sind seit Jahrzehnten bekannt und bewährt. Was im Internet als revolutionär verkauft wird, ist oft nur eine Neuverpackung altbekannter Methoden. Die „Experten“ im Internet präsentieren diese Prinzipien oft in einem modernen Kontext, indem sie sie mit digitalen Tools und Technologien verknüpfen. Doch im Kern handelt es sich um dieselben bewährten Methoden.
Die Gefahr des Halbwissens
Das Internet ist ein Tummelplatz für selbsternannte Experten. Jeder kann seine Meinung und seine Erfahrungen teilen, unabhängig von seiner Qualifikation. Das führt dazu, dass Halbwissen und persönliche Anekdoten als allgemeingültige Wahrheiten präsentiert werden. Besonders problematisch sind Tipps, die auf oberflächlichen Studien oder fehlerhaften Interpretationen wissenschaftlicher Erkenntnisse basieren.
Kontraproduktive Ratschläge
Einige der im Internet kursierenden Lerntipps können sogar kontraproduktiv sein. Multitasking wird oft als effizient angepriesen, obwohl Studien zeigen, dass es die Konzentration und die Lernleistung beeinträchtigt. Auch das stundenlange Pauken ohne Pausen führt eher zu Erschöpfung als zu nachhaltigem Lernerfolg. Die Berücksichtigung verschiedener Lerntypen (visuell, auditiv, kinästhetisch) ist ein weiterer häufig genannter Ratschlag, der nicht wirklich zielführend ist.
Die Illusion der Perfektion
Viele „Experten“ präsentieren sich und ihre Lernmethoden als perfekt. Sie vermitteln den Eindruck, dass man mit ihren Tipps mühelos Höchstleistungen erzielen kann. Diese Illusion der Perfektion kann zu unrealistischen Erwartungen und Frustration führen, wenn die Ergebnisse nicht den Versprechungen entsprechen. Die „Experten“ im Internet bieten oft digitale Tools und Apps an, die bei der Organisation und dem Zeitmanagement helfen sollen. Doch letztendlich geht es darum, Prioritäten zu setzen, Aufgaben zu planen und Ablenkungen zu vermeiden – Prinzipien, die seit langem bekannt sind.
Wie man sich vor diesem Unsinn schützt
- Quellenkritik: Überprüfen Sie die Qualifikation des „Experten“ und die Seriosität der Quelle.
- Wissenschaftliche Evidenz: Achten Sie auf Studien und wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit der Tipps.
- Gesunder Menschenverstand: Hinterfragen Sie Ratschläge, die zu gut klingen, um wahr zu sein.
- Individualität: Jeder Mensch lernt anders. Finden Sie heraus, welche Methoden für Sie persönlich am besten funktionieren.
- Realistische Erwartungen: Lernen ist ein Prozess, der Zeit und Anstrengung erfordert. Perfektion ist eine Illusion.
Das Internet kann eine wertvolle Ressource für Lern- und Produktivitätstipps sein. Es ist jedoch wichtig, kritisch zu sein und die Spreu vom Weizen zu trennen. Altbewährte Methoden, wissenschaftliche Evidenz und gesunder Menschenverstand sind die besten Werkzeuge, um sich vor Unsinn zu schützen und den eigenen Lernweg erfolgreich zu gestalten.
Literatur
Stangl, W. (2009, 28. März). Lerntipps.
https://www.lerntipp.at/index.shtml
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