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Die Sinndimension in schulischen Bildungsprozessen


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Der Begriff des Sinns zeichnet sich durch eine gewisse Unschärfe aus. Im Zuge der Orientierung an eindeutigen Bildungsstandards, messbaren Output-Kriterien und standardisierten Kompetenzmodellen ist die Dimension des Sinns im schulischen Kontext zunehmend in den Hintergrund getreten. Ungeachtet dieser Entwicklung bleibt das menschliche Verlangen nach Sinn bestehen, womit Sinn eine essenzielle Kategorie für schulische Lern- und Bildungsprozesse darstellt. Das Thema betrifft das Schulexistieren auf mehreren Ebenen: Es umfasst grundlegende Prozesse des Sinnbedürfnisses, der Sinnerwartung, der Sinnsetzung beziehungsweise Sinngebung sowie die hermeneutische Dimension der Sinndeutung.

Innerhalb der individuellen Bewusstseinsleistungen bezeichnet Sinn eine fundamentale Sphäre, die über das reine Erleben und Handeln hinausgeht. Sie zielt auf eine selbstvergewissernde Klärung während des Lernens ab. Das Wechselspiel aus kognitiven Bewusstseinsleistungen und deren affektiver sowie emotionaler Einbettung bringt im Lernverlauf ein subjektives Empfinden von Sinnhaftigkeit hervor. Dieses innerpsychische Sinnempfinden ist weder ein rein isoliertes Gefühl noch eine abstrakte, emotionslose Kognition, sondern eine verbindende Ganzheit aus Verstehen, Fühlen und bewusster Einordnung.

Obwohl die empirische Unterrichtsforschung zahlreiche Qualitätskriterien für erfolgreichen Unterricht erarbeitet hat – darunter Passung, Adaptivität, klare Structureierung, Zeitnutzung, Aufgabenorientierung, eine konstruktive Fehlerkultur, Methodenvielfalt und ein förderliches Lernklima –, wird die Sinnhaftigkeit als eigenständiger Modus häufig vernachlässigt. Das Verstehen eines Lerngegenstands wird oft fälschlicherweise mit der Wahrnehmung von Sinn gleichgesetzt. Zwar wird in pädagogischen und curricularen Diskursen regelmäßig die Notwendigkeit sinnstiftender Lernzusammenhänge betont, doch bleibt dieser Anspruch auf theoretischer und konzeptioneller Ebene vielfach unkonkret.

Ein zentraler Unterschied besteht zwischen dem Abfragen von Bedeutungen und dem Erleben von Sinn im Sinne eines richtungsgeleiteten, selektiven Verstehens. Ereignisse, Handlungen und Wissenselemente gewinnen ihre tiefere Qualität erst dadurch, dass sie in einen narrativ strukturierten Verweisungszusammenhang eingebettet werden. Über solche narrativen Kontexte lässt sich auch mit Unwägbarkeiten und Kontingenz umgehen. Einen fachlichen Gegenstand rein sachlich zu begreifen ist daher grundlegend verschieden von der Fähigkeit, den eigenen Lernprozess mit einer zufriedenstellenden und erfolgreichen Selbsterzählung zu verknüpfen. Folglich geht es bei echter Sinnhaftigkeit nicht bloß um ein gegenstandsorientiertes Verstehen, sondern maßgeblich um das damit verbundene Selbstverstehen der lernenden Person.

Darüber hinaus fungiert Sinn als entscheidendes Medium sowohl psychischer als auch sozialer Steuerung. Das Erleben von Sinn macht bewusst, wie das eigentliche Erlernen des Lernens überhaupt gelingt. Aus diesem Grund nimmt die Sinndimension eine unverzichtbare Schlüsselstellung für das schulische Lernen und die nachhaltige Persönlichkeitsentwicklung ein.


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