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In der Theaterpädagogik bezeichnet die „Rotter-Methode“ einen spezifischen theaterpädagogischen Ansatz, der von der österreichischen Theaterpädagogin und Regisseurin Sylvia Rotter im Rahmen des *Wiener Kindertheaters* entwickelt wurde. Diese Methode verbindet theaterspielerische Elemente mit pädagogischen und entwicklungsorientierten Zielsetzungen, indem sie professionelles Theaterspiel mit Lern- und Entwicklungsprozessen von Kindern und Jugendlichen verknüpft. Sie geht damit über rein ästhetische oder künstlerische Theaterarbeit hinaus und nutzt das Theaterspiel als Mittel für ganzheitliches Lernen, Persönlichkeitsentwicklung, Sozialkompetenz und Lebenskompetenzen. Die Rotter-Methode wird vor allem im schulischen Kontext und in außerschulischen Bildungsprojekten eingesetzt, wo Kinder in Gruppen von meist 10–15 Personen über einen längeren Zeitraum gemeinsam Theaterstücke erarbeiten und aufführen. Zentrale Elemente dieser Methode sind Improvisation, Ausdruck und darstellerische Kreativität, wobei nicht nur das Ergebnis, also das fertige Stück, im Vordergrund steht, sondern vor allem der prozesshafte Weg des Lernens durch Theaterspiel. Die Arbeit zielt darauf ab, Kommunikationsfähigkeit, Selbstbewusstsein, soziale Interaktion und Konfliktlösungskompetenzen zu fördern. Durch wiederholtes Einüben von Rollen, Szenen und Übungen wachsen die Teilnehmenden über ihre anfänglichen Rollen wie etwa der Busch in der Ecke hinaus und entwickeln zunehmend Verantwortung für ihr Spiel und ihr soziales Miteinander.
Ein typisches Projekt beginnt mit einer Phase der gemeinsamen Exploration und Improvisation, in der die Kinder spielerisch musizieren, sich bewegen und einfache Szenen entwickeln. Die Einbeziehung von psychologischen Tests zu Beginn dient dazu, individuelle Entwicklungsbereiche wie Aufmerksamkeit, Kontaktfähigkeit oder Selbststärke zu erfassen und die theaterpädagogische Arbeit darauf abzustimmen. Über den Verlauf des Projekts lernen die Teilnehmenden nicht nur schauspielerische Techniken, sondern erleben selbstwirksames Handeln, erweitern ihre Ausdrucksmöglichkeiten und entwickeln soziale Kompetenzen im realen Kontext eines Theaterspiels. Konkret bedeutet das, dass ein Kind, das anfänglich sehr zurückhaltend ist, durch die Methode ermutigt werden kann, kleinere Rollen zu übernehmen, in improvisierten Szenen mitzuwirken und schließlich größere Aufgaben wie Monologe oder koordinierte Gruppenaktionen zu übernehmen. Durch diese schrittweise Steigerung lernen die Teilnehmenden, Herausforderungen zu bewältigen, sich in andere hineinzuversetzen und Verantwortung im Team zu übernehmen. Auch sprachliche Fähigkeiten, Artikulation und Bühnenpräsenz werden dabei gefördert, was sich positiv auf schulische Leistungen und das allgemeine Selbstvertrauen auswirken kann. Charakteristisch für die Rotter-Methode ist somit nicht nur das Theaterspiel als isolierte Kunstform, sondern deren Integration in einen pädagogischen Entwicklungsprozess, der theaterpädagogische Praxis mit pädagogisch-psychologischen Zielen verbindet und zur Förderung überfachlicher Kompetenzen beiträgt.
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