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Die Pubertät als Chance im schulischen Kontext


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Die Phase der Pubertät stellt für das Bildungssystem eine besondere Herausforderung dar, da sie durch eine tiefgreifende Reorganisation der jugendlichen Persönlichkeit geprägt ist. In diesem Lebensabschnitt durchlaufen Lernende einen massiven Umbruch, der Körper, Gehirn und Psyche gleichermaßen betrifft und häufig zu einer vorübergehenden Orientierungslosigkeit führt, da kindliche Sicherheiten zugunsten einer angestrebten Autonomie aufgegeben werden. Ein zentrales Merkmal dieser Entwicklung ist die Herausbildung der Fähigkeit zum formal-abstrakten Denken und zur Selbstreflexion, wobei diese kognitive Reifung zwar enorme pädagogische Chancen bietet, jedoch oft mit einer noch instabilen emotionalen Steuerung und einer geringen Frustrationstoleranz kollidiert. Insbesondere bei männlichen Jugendlichen zeigt sich häufig ein deutlicher Leistungsabfall, da sie die Diskrepanz zwischen kognitiver Einsicht und emotionaler Selbstregulierung schwerer überbrücken können als Gleichaltrige weiblichen Geschlechts.

Ein strukturelles Problem besteht in dieser Zeit darin, dass Schulen in dieser Phase oft den Leistungsdruck und die externe Kontrolle erhöhen, während das Bedürfnis der Jugendlichen nach Selbstbestimmung und Identitätsfindung wächst. Dieser produktive Prozess der Auseinandersetzung mit der inneren und äußeren Realität wird im traditionellen Unterricht oft als Störung wahrgenommen, anstatt ihn als Lernressource zu nutzen. Um diese Entwicklungsdynamik konstruktiv zu wenden, bedarf es einer pädagogischen Öffnung hin zu Erfahrungsräumen, die Selbstwirksamkeit ermöglichen. Projektorientiertes Arbeiten, Schülerfirmen oder die aktive Mitgestaltung des Schulalltags bieten hierfür geeignete Rahmenbedingungen, d. h., die Für dieses Alter charakteristische Sinnsuche der Jugendlichen kann als Motivationsmotor dienen, sofern Lerninhalte einen direkten Bezug zur eigenen Lebenswelt und Identität aufweisen.

Auch im Bereich der Disziplin und Regelbildung ist ein Paradigmenwechsel erforderlich, denn statt starrer, von außen vorgegebener Normen sind Verhandlungsprozesse notwendig, denn Jugendliche akzeptieren Grenzen eher, wenn sie an deren Definition und den Konsequenzen bei Verstößen beteiligt wurden. Da die soziale Orientierung sich in der Adoleszenz massiv zu den Gleichaltrigen verschiebt, sollte Schule zudem verstärkt auf peerbasierte Lernformen setzen. Wenn Lernende Verantwortung füreinander übernehmen, stärkt dies ihre soziale Rolle und Integrität. Letztlich zeigt sich, dass mangelndes Interesse an schulischen Inhalten oft ein Resultat fehlender Relevanz ist. Durch die Verknüpfung von Lehrplaninhalten mit der Suche nach dem eigenen Platz in der Gesellschaft kann das in der Pubertät geöffnete Entwicklungsfenster optimal für tiefgreifende Bildungsprozesse genutzt werden.


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