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Das wiederholte, mechanische Abschreiben falsch geschriebener Wörter gilt in der Praxis oft als naheliegende Methode zur Festigung der Orthografie, erweist sich jedoch neuropsychologisch als weitgehend wirkungslos und für Kinder mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) sogar als kontraproduktiv.
Beim bloßen Kopieren verbleibt das Gehirn in einer rein passiven Rolle, da es das Schriftbild lediglich visuell überträgt, anstatt das Wort aktiv zu konstruieren. Echtes, nachhaltiges Lernen basiert jedoch auf dem Prinzip des aktiven Abrufs, bei dem neuronale Verbindungen erst durch die kognitive Anstrengung des Erinnerns ohne direkte Vorlage gestärkt werden.
Da eine korrekte Rechtschreibung eine hochkomplexe Leistung darstellt, die visuelle Form, lautliche Struktur, motorische Abläufe und grammatikalische Regeln gleichzeitig verknüpfen muss, greift die einseitige visuelle Fokussierung beim Abschreiben zu kurz. Für Kinder mit Legasthenie birgt dieses Vorgehen erhebliche Risiken: Da ihr visuelles Gedächtnis für Wortbilder oft beeinträchtigt ist, verpufft der Lerneffekt meist sofort, sobald die Vorlage wegfällt. Noch gravierender ist die Gefahr, dass bei unbemerkt fehlerhaftem Abschreiben die falsche Schreibweise motorisch eingeschliffen und im Gehirn stabilisiert wird.
Zudem führt die monotone Wiederholung zu einer massiven emotionalen Belastung, die Frustration, Scham und Schulangst schürt, weil der sichtbare Fleiß nicht mit Erfolg belohnt wird. Die moderne Lernforschung empfiehlt daher dringend den Übergang zu aktiven Strategien. Dazu gehört das Prinzip des Verdeckens, bei dem ein Wort kurz betrachtet, abgedeckt und dann aus dem Gedächtnis aufgeschrieben wird, um den notwendigen Abrufprozess im Gehirn zu triggern. Ebenso effektiv ist multimodales Lernen, das durch das gleichzeitige Sprechen, Hören und haptische Begehen von Wörtern mehrere Sinneskanäle anspricht und so dichtere neuronale Netze knüpft.
Statt ermüdender Dauersitzungen sichert zudem verteiltes Üben in kurzen, täglichen Einheiten den langfristigen Lernerfolg, während Formate des fehlerfreien Lernens von vornherein verhindern, dass sich falsche Muster im Gedächtnis verankern.
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