Formen des Wissens

Anderson & Krathwohl (2001) unterteilen Wissen in Fakten-, prozedurales, konzeptuelles und metakognitives Wissen, wobei diese Formen des Wissens auf lern- und kognitionspsychologische Befunde zum Aufbau und zur Speicherung von Wissen zurückgehen.

  • Faktenwissen ist dabei verbalisierbares und für ein bestimmtes Fachrelevantes Wissen. Faktenwissen  gibt es mit unterschiedlicher Komplexität, die vom terminologischen Wissen wie Bezeichnungen oder Termini über die Kenntnis isolierter Fakten bis hin zu komplex vernetztem Faktenwissen reicht. Begriffe beruhen in der Regel auf der Kenntnis von organisiertem Faktenwissen, denn um etwa das Konzept Bruchrechnung zu verstehen, müssen SchülerInnen wissen, was Zähler und Nenner ist, was ein Bruch und eine Dezimalzahl ist, usw.
  • Prozedurales Wissen ist implizites, d.h., in der Regel nicht verbalisierbares Handlungswissen und geht von basalen Verhaltensweisen wie der Aussprache bis zu komplexen, hierarchisch aufgebauten Routinen und Handlungsmustern. Prozedurales Wissen bezieht sich auf bereichsspezifisch einschlägige Prozeduren wie Routinen, Fertigkeiten oder Handlungen und ist damit von metakognitivem Wissen mit prozeduralem Charakter wie Lernstrategien abgrenzbar. Prozeduren sind oft hierarchisch aufgebaut, denn viele komplexe Prozeduren sind aus zahlreichen Unterprozeduren aufgebaut. So bilden etwa die Grundrechenarten eine Grundlage für komplexere mathematische Prozeduren wie das Umwandeln von Maßeinheiten oder höhere Rechenarten.
  • Konzeptuelles Wissen ist vielfach vernetztes Begriffswissen und kann sowohl verbalisiert als auch implizit vorliegen. Konzeptuelles Wissen ist meist fachspezifisch und wird in Form von Klassifikationen, Prinzipien, Kategorien, Modellen oder Schemata sichtbar. Klassische Beispiele sind die Übersetzung einer Sachsituation in ein mathematisches Modell oder das Lösen von Aufgaben, die keinen Standardalgorithmen folgen. Konzeptuelles Wissen ermöglicht einen kumulativen Wissensaufbau innerhalb eines Faches, wobei man nach dem Lernen Beziehungen zwischen bereits vorhandenen Wissenseinheiten oder zwischen vorhandenen Wissenseinheiten und neuen Informationen herstellen kann.
  • Metakognitives Wissen ist Wissen über die eigenen Kognitionen wie eigene Lernziele oder Lerngewohnheiten und die Fähigkeit, den eigenen Lernprozess zu steuern sowie Informationsverarbeitungsstrategien und Problemlösestrategien gezielt anwenden zu können. Strategisches Wissen ist etwa für einen Leseprozess wichtig, denn SchülerInnen sollten wissen, warum sie einen Text lesen oder was man tut, wenn man eine Textpassage nicht verstanden hat, also etwa in einem Lexikon nachschlagen. Metakognitives Wissen wird vor allem dann gefördert, wenn Lernende aufgefordert und angeregt werden, das Ergebnis einer Aufgabe selbst zu kontrollieren.

Literatur
Anderson, L. W. & Krathwohl, D. R. (Eds.). (2001). A Taxonomy for Learning, Teaching and Assessing: A Revision of Bloom’s Taxonomy of Educational Objectives. New York: Longman.
Kleinknecht, M., Maier, U., Metz, K. & Bohl, T. (2011). Analyse des kognitiven Aufgabenpotentials: Entwicklung und Erprobung eines allgemeindidaktischen Auswertungsmanuals. In Unterrichtswissenschaft., 39, 328-344.
Maier, U., Kleinknecht, M., Metz, K. & Bohl, T. (2010). Ein allgemeindidaktisches Kategoriensystem zur Analyse des kognitiven Potenzials von Aufgaben. Beiträge zur Lehrerbildung, 28, 84-96.




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