Bildungsforschung oft ohne Nutzen und Innovationskraft

Die Lehr-, Lern- und Bildungsforschung häuft kontinuierlich naturwissenschaftlich orientierte Studien an und disseminiert sie innerhalb der eigenen Zirkel. Die Interaktionen und Rückkoppelungen zur Praxis sind jedoch unterentwickelt; Anwendernutzen und Innovationspotential werden meist vertagt, kritisiert Professorin Dr. Gabi Reinmann (Universität Augsburg). Mit KollegInnen diagnostiziert sie in einem neuen Aufsatzband das Befinden ihres Fachbereichs als äußerst kritisch.
„Warum trotz einer nachweisbaren Innovationskrise eine naturwissenschaftlich motivierte Monokultur um sich greift, ist eine nach wie vor unbeantwortete Frage.“ Reinmann vermutet: Wir haben es mit einem fiktiven Markt zu tun, auf dem die Naturwissenschaften einen hohen Wert und von daher Definitionsmacht über wissenschaftliche Standards erhalten haben. Da in diesem Markt die Endkunden (sprich: LehrerInnen) keinen Einfluss auf die Forschungsförderung haben, wird deren Bedarf weitgehend ignoriert.
Die öffentliche Meinung außerhalb der Bildungspraxis verstärkt diesen Trend und realisiert kaum, „dass gerade die naturwissenschaftliche Monokultur Bildungsinnovationen verhindert. Vielmehr akzeptiert und befürwortet die Öffentlichkeit zurzeit eher diejenigen Strategien, die die höchste Komplexitätsreduktion versprechen. Bildungsforschung, die sich nicht ausschließlich am naturwissenschaftlichen Ideal orientiert, sondern statt dessen Reflexion, ein ´Sowohl als auch´ und/oder ein ´Kommt darauf an´ verkündet, ist für die breite Öffentlichkeit unverständlich und unattraktiv.“
„Zahlen suggerieren klare Befunde, also die begehrten ´hard facts´ und mitunter Empfehlungen, die sich scheinbar zwingend daraus ergeben. Für Vertreter der quantitativen, naturwissenschaftlich ausgerichteten Forschung ist es daher ein Leichtes, die Öffentlichkeit und über diesen Weg auch die Förderpolitik davon zu überzeugen, dass sie es sind, die endlich Ordnung in das Didaktik- und Erziehungschaos bringen …..“




Eine Reaktion zu “Bildungsforschung oft ohne Nutzen und Innovationskraft”

  1. Monika Armand

    Das scheint eine längst überfällig gewordene Analyse eines folgenreichen Phänomens zu sein. Ihre Rezension macht sehr neugierig. Wäre nur noch zu wünschen, dass das Buch die „notwendigen“ Wellen schlägt 😉

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