Beratung bei Hochbegabung

23. März 2009 – 17:23

Franzis Preckel, Christina Eckelmann

Beratung bei (vermuteter) Hochbegabung: Was sind die Anlässe und wie hängen sie mit Geschlecht, Ausbildungsstufe und Hochbegabung zusammen?

Beratung bei Hochbegabung
„Wie zahlreiche Untersuchungen belegen, zeigen hochbegabte Kinder und Jugendliche Verhaltensstörungen, soziale Probleme oder psychische Auffälligkeiten nicht häufiger als nicht hochbegabte Kinder und Jugendliche“ (Preckl & Ecklmann, 2008, S. 17).
Einige Unterschiede äußern sich darin, dass bei Hochbegabten teilweise andere Bereiche spezialer Beratung bedürfen. Dazu gehören beispielsweise die schulische Unterforderung und die damit verbundenen Motivationsprobleme, Underachievement, soziale Verurteile oder die Verunsicherung der Eltern (vgl. Preckl & Ecklmann, 2008, S. 17).
Je nach Alter und Ausbildungsstufe unterscheiden sich die Beratungsanlässe: In der Vorschule sind es verstärkt präventive Anlässe wie Hochbegabtendiagnose und Schullaufbahnberatung. Im Grundschulalter geht es vermehrt um Überspringen einer Klasse und im Sekundarstufenbereich werden Leistungsstörungen, Lernschwierigkeiten und problematische Arbeitsverhalten genannt. (vgl. Preckl & Ecklmann, 2008, S. 18).

Zusammenhänge zwischen den Beratungsanlässen

Beratungsanlässe, welche sich auf schulische und leistungsrelevante Aspekte beziehen, treten tendenziell gemeinsam auf. Zudem treten Leistungs-, Motivations- und Konzentrationsstörungen auf der einen Seite und Verhaltensproblem, aggressives Verhalten, soziale Probleme und Fragen zur Erziehungsberatung auf der anderen Seite häufig gekoppelt auf. Man kann daher kaum von typischen Clustern von Beratungsanlässen sprechen (vgl. Preckl & Ecklmann, 2008, S. 20).

Häufigkeit der Beratungsanlässe
Der häufigste Beratungsanlass ist die Hochbegabtendiagnose, gefolgt von der Suche nach Fördermöglichkeiten. Ein Drittel der Beratungsgespräche thematisiert Langeweile und Verhaltensprobleme. 12 bis 16 % beziehen sich auf die Themen Leistungs-, Motivations- und Konzentrationsstörungen. Eher selten treten die Fragen zu vorzeitiger Einschulung, aggressives Veralten und Gutachtenerstellung auf (vgl. Preckl & Ecklmann, 2008, S. 20-21).

Geschlechtervergleich
Im Geschlechtervergleich zeigt sich insgesamt eine große Ähnlichkeit in der Häufigkeit der Beratungsanlässe. Bei Jungen sind jedoch Verhaltensprobleme ein signifikant häufigerer Beratungsanlass als bei Mädchen. Bei Mädchen werden häufiger zu den Fördermaßnahmen, Überspringen und frühzeitige Einschulung beraten. Diese Befunde bleichen auch bestehen, wenn man die Geschlechterunterschiede separat nach Begabungsgruppe (Hochbegabte vers. nicht Hochbegabte) betrachtet (vgl. Preckl & Ecklmann, 2008, S. 21).

Vergleich der Ausbildungsstufen
In der Grundschule werden die Anlässe Unterforderung und Langeweile häufiger thematisiert als im Kindergarten oder in der weiterführenden Schule. Überspringen wird in der Grundschule, insbesondere in den ersten beiden Klassenstufen, ebenfalls häufiger thematisiert als in der weiterführenden Schule. Die drei Beratungsanlässe Leistungsstörung, Konzentrationsstörung und Motivationsprobleme kommen im Vorschulalter kaum vor, werden jedoch mit zunehmendem Alter zunehmend häufiger genannt. In weiterführenden Schulen (Klasse 5-7) spielen diese Themen in jedem dritten beziehungsweise fünften Beratungsfall eine Rolle (vgl. Preckl & Ecklmann, 2008, S. 21).

Diskussion
Hochbegabung wird als weit überdurchschnittliche allgemeine Intelligenz definiert. Aus den verschiedensten Studien geht hervor, dass Konzentrations- und Motivationsprobleme mit zunehmend höherer Ausbildungsstufe zunehmend häufiger als Beratungsanlässe genannt werden (vgl. Preckl & Ecklmann, 2008, S. 23-24).
Familien mit hochbegabten Kindern lassen sich zu schulbezogenen Motivationsproblemen und Überspringung beraten, während Familien mit nicht hochbegabten Kindern eher Beratung zu Leistungsproblemen und Erziehungsfragen in Anspruch nehmen (vgl. Preckl & Ecklmann, 2008, S. 24).

Ausbildung von BeraterInnen
In der Ausbildung von BeraterInnen sollte neben den Grundlagen der pädagogischen Beratung im Bereich Familie und Bildung spezifische Kompetenten aufgebaut werden. Neben sehr guten diagnostischen Kompetenzen und der Aneignung von Wissen über schulische und außerschulische Fördermöglichkeiten sollten sich BeraterInnen mit Möglichkeiten der Motivationsförderung vertraut machen. In der Regel suchen eher Eltern und seltener Lehrkräfte begabungspsychologische Beratungsstellen auf. Daher sollten die entsprechenden Informationen optimalerweise so aufgearbeitet sein, dass sie die elterliche Handlungskompetenz zur Motivationsförderung zu stärken (vgl. Preckl & Ecklmann, 2008, S. 24-25).

Verwendete Literatur
Preckel, F. & Eckelmann, C. (2008). Beratung bei (vermuteter) Hochbegabung. Psychologie in Erziehung und Unterricht, 55,16-26

Einen Kommentar schreiben

Diese Seiten sind Bestandteil der Domain www.stangl.eu