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Warum ein Schulwechsel oft nicht am Wissen scheitert


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Wenn Kinder nach der Grundschule auf die weiterführende Schule wechseln, ändert sich das Spiel komplett. Doch das eigentliche Problem ist selten der neue Lernstoff oder mangelnde Intelligenz. Die meisten Kinder scheitern nicht an dem, was sie wissen, sondern an den Werkzeugen, die ihnen für diese neue Welt fehlen. In der Grundschule lief es meistens noch rund, die Noten stimmten, und das meiste flog ihnen fast von alleine zu. Und dann bricht plötzlich eine völlig neue Realität über sie herein: Auf einmal gibt es unangekündigte Stegreifaufgaben, man muss sich auf die Eigenheiten von einem Dutzend verschiedener Lehrer und Lehrerinnen einstellen und die Stoffmengen wachsen rasant an. Vor allem aber wird plötzlich eine Eigenverantwortung verlangt, auf die kaum jemand vorbereitet ist.

Das Auswendiglernen, das früher für eine Eins oder Zwei gereicht hat, funktioniert nun einfach nicht mehr. Wenn dann die erste Vier oder Fünf unter einer Arbeit steht, trifft das viele Kinder wie ein Schlag. Weil sie es nicht anders kennen, suchen sie den Fehler sofort bei sich selbst. Gedanken wie „Ich bin einfach nicht gut genug“, „Ich kann das nicht“ oder „Mit mir stimmt etwas nicht“ nisten sich im Kopf ein und nagen am Selbstbewusstsein. Dabei ist die Wahrheit oft eine ganz andere: Niemand hat ihnen je gezeigt, wie das Lernen auf einer weiterführenden Schule überhaupt funktioniert. Hier reicht es eben nicht mehr, Fakten brav wiederzugeben. Jetzt geht es darum, Zusammenhänge wirklich zu verstehen, Dinge in eigenen Worten zu erklären und gelerntes Wissen auf völlig neue Fragestellungen anzuwenden. Dazu gehört auch, den eigenen Alltag selbstständig zu strukturieren und zu planen.

Genau das ist der Knackpunkt: Dieser Übergang ist keine Frage des Intellekts, sondern ein Handwerk, das man lernen muss. Was Kinder in dieser Phase wirklich brauchen, sind solide Lernstrategien, eine gesunde Portion Selbstständigkeit und die Fähigkeit, mit Stress umzugehen. Und vielleicht am wichtigsten: Sie brauchen einen völlig neuen Umgang mit Fehlern, damit eine schlechte Note nicht als persönliches Versagen, sondern als normaler Teil des Lernprozesses verstanden wird. Nur so lässt sich das Selbstvertrauen bewahren, das man braucht, um an den neuen Herausforderungen zu wachsen.

Literatur

Stangl, W. (2011, 14. Juni). Psychische Anpassung und schulische Leistungen beim Wechsel von der Grundschule zur weiterführenden Schule.
https://www.stangl.eu/paedagogik/artikel/schulwechsel.shtml
Stangl, W. (2012 1. Juni). Ich war ein Einzelkind & Schulwechsel mit Heimweh.
https://www.stangl.eu/psychologie/uebergang/einzelkind.shtml


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