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Warum ältere Erwachsene häufiger an Verschwörungsmythen glauben als jüngere

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Es gibt zwar keine eindeutige Antwort darauf, warum ältere Erwachsene häufiger an Verschwörungsmythen glauben als jüngere, doch gibt es einige Faktoren, die dazu beitragen können. Zum Beispiel kann das Alter mit einer geringeren technischen Affinität und einer geringeren Fähigkeit, Informationen online zu recherchieren und zu bewerten, verbunden sein. Ältere Menschen können auch eine tiefere Skepsis gegenüber der Regierung oder der etablierten Autorität haben und eher geneigt sein, alternative Erklärungen für Ereignisse zu suchen. Es gibt auch Hinweise darauf, dass Menschen, die an Verschwörungsmythen glauben, eher zu einer bestimmten Persönlichkeitstypologie tendieren, die als „need for closure“ bezeichnet wird, was bedeutet, dass sie ein starkes Bedürfnis haben, sich sicher und gewiss über Dinge zu fühlen. Diese Faktoren können im Alter verstärkt werden. Allerdings ist es wichtig zu beachten, dass diese Faktoren nicht bei allen älteren Erwachsenen vorliegen und dass viele ältere Menschen nicht an Verschwörungsmythen glauben.

Die Fachstelle für Politische Bildung und Entschwörung ist ein deutsches Modellprojekt, das Konzepte und neue Formate der politischen Bildung gegen Verschwörungsideologien bei älteren Erwachsenen entwickelt hat. In einer Handreichung finden sich Hintergründe zum Verschwörungsglauben bei älteren Erwachsenen, denn während Menschen zwischen 16 und 30 Jahren am seltensten Verschwörungsmythen anhängen (11,0%), glauben Menschen zwischen 31 und 60 Jahren sowie jene über 61 Jahre deutlich öfter an Verschwörungsideologien (24,8% bzw. 24,2%).

Ein Grund liegt darin, dass sich diese Menschen häufiger nicht gesellschaftlich anerkannt fühlen und keine Gestaltungsmöglichkeiten als Bürgerinnen bzw. Bürger haben bzw. diese nicht erkennen können. In vielen Fällen ist der Glaube an Verschwörungsideologien eine Reaktion auf die Überforderung, die durch den raschen gesellschaftlichen Wandel entsteht, wobei er diesen Menschen dann als bedrohlich erscheint. Hinzu kommt die soziale Vereinzelung, die gerade bei älteren Erwachsenen eine Rolle spielt, denn manche gewohnte soziale Netze wie das berufliche Umfeld fallen im Alter weg, das soziale Netzwerk wird kleiner, was dazu führen kann, dass Ältere Fake News und anderen Behauptungen eher Glauben schenken, die durch Bekanntschaften in Social-Media-Kanälen verbreitet werden.
Der Glaube an Verschwörungsideologien entsteht also oft aus Gefühlen der Ohnmacht und Orientierungslosigkeit, wobei von manchen diese Gefühle in aggressive Machtfantasien umgewandelt werden. Verschwörungsgläubige sehen sich dann als mutige Kämpferinnen und Kämpfer für Wahrheit und Freiheit. Dadurch entsteht ein Gefühl der persönlichen Aufwertung, das jedoch stets auf Abwertung und Feindbestimmung beruht.
Lösung für diese Probleme kann politische Bildung für Erwachsene sein, bei der Gestaltungsmöglichkeiten als Bürgerinnen und Bürger aufgezeigt werden, denn ältere Erwachsene können und wollen die Gesellschaft gestalten. Allerdings ist es schwierig, bildungsbenachteiligte Menschen mit Angeboten zu erreichen, sodass bei Bildungsarbeit gegen Verschwörungserzählungen folgenden Kriterien genügen sollte:

  • Entspricht das Format den Prinzipien der politischen Bildung?
  • Bezieht sich das Format auf Erfahrungen in der Lebensrealität der Zielgruppe bzw. der Teilnehmenden?
  • Bietet das Angebot Möglichkeiten zum Austausch und zur Reflexion?
  • Liegt der Fokus auf den Grundstrukturen und Funktionsweisen von Verschwörungsmythen?
  • Wird der Zusammenhang von Verschwörungsideologien und Antisemitismus veranschaulicht?
  • Liegt der Schwerpunkt des Formats auf den Gefahren von Verschwörungsideologien?
  • Ist das Angebot so konzipiert, dass es sich solidarisch mit (potenziell) Betroffenen von Verschwörungsideologien zeigt?
  • Zeigt das Format alternative Identitätsangebote auf?
  • Fördert das Bildungsangebot Ambiguitätstoleranz, also die Fähigkeit, Unsicherheiten und Widersprüche im Leben aushalten zu können, und vermeidet es eigene Gut-Böse-Konstruktionen?
  • Zeigt das Bildungsangebot Handlungsmöglichkeiten auf?

Literatur

https://erwachsenenbildung.at/aktuell/nachrichten/17908-verschwoerungsglaube-und-was-politische-bildung-tun-kann.php (23-01-04)


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