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Kognitive und neuronale Hintergründe von Dyskalkulie bei Kindern


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Die Entwicklungsdyskalukie – umgangssprachlich als Rechenschwäche bekannt – betrifft schätzungsweise sieben bis zehn Prozent aller Kinder und äußert sich in anhaltenden Problemen beim arithmetischen Lösen von Aufgaben. Eine Untersuchung von Oliver H. M. Lasnick, Yunji Park, Percy Mistry und Vinod Menon (2026) hat die zugrundeliegenden kognitiven, metakognitiven und neuronalen Mechanismen dieser Lernstörung bei 68 Kindern im Alter von acht bis zehn Jahren analysiert. Dabei wurde deutlich, dass Dyskalkulie weit über reine Schwierigkeiten beim Rechnen hinausgeht.

Für erfolgreiche Arithmetik nutzen Kinder üblicherweise verschiedene Lösungswege, wie das klassische Zählen, das Abrufen von Ergebnissen aus dem Gedächtnis oder das Zerlegen von Aufgaben in Teilschritte. Die Studie zeigt, dass betroffene Kinder nicht nur bei der Ausführung all dieser Strategien weniger effizient sind, sondern vor allem Defizite in der übergeordneten Steuerung aufweisen. Sie wechseln weniger flexibel zwischen den Lösungsstrategien, passen ihre Wahl kaum an den Schwierigkeitsgrad einer Aufgabe an und zeigen eine geringere Anpassungsfähigkeit bei der Auswahl des optimalen Weges.

Um diese komplexen Zusammenhänge zu erfassen, kombinierten die Forschenden probabilistische Bayes-Modelle mit der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT). Während herkömmliche Analysemethoden oft keine eindeutigen Unterschiede aufzeigen, gelang es durch multivariate Verfahren, Kinder mit Dyskalkulie anhand verteilter Aktivitätsmuster im Gehirn klar von einer Kontrollgruppe zu unterscheiden. Maßgeblich daran beteiligt sind Regionen des frontoparietalen Kortex, der Hippocampus sowie ventrale visuelle Areale. Insbesondere im Hippocampus zeigten sich sogar entgegengesetzte Zusammenhänge zwischen Hirnaktivität und Verhalten im Vergleich zu unauffälligen Kindern.

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass sich Dyskalkulie nicht auf eine isolierte Rechenschwäche oder ein einzelnes Gehirnareal reduzieren lässt. Vielmehr resultiert die Störung aus einem Zusammenspiel verschiedener Defizite in der Strategieausführung und der metakognitiven Kontrolle, die mit veränderten neuronalen Aktivitätsmustern einhergehen. Ob gezielte Trainingsmaßnahmen diese Prozesse verbessern können, müssen künftige, umfangreichere Längsschnittstudien zeigen.

Literatur

Lasnick, O. H. M., Park, Y., Mistry, P., & Menon, V. (2026). Uncovering latent cognitive, metacognitive, and neural bases of problem-solving deficits in children with developmental dyscalculia. Journal of Neuroscience, 46(37), doi:10.1523/JNEUROSCI.2200-25.2026


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