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Die Annahme, dass Hausaufgaben ein notwendiges Übel oder gar ein Gütesiegel für anspruchsvollen Unterricht seien, hält einer kritischen Betrachtung oft nicht stand, denn vielmehr lässt sich argumentieren, dass eine übermäßige Verlagerung von Lernprozessen in das häusliche Umfeld ein Symptom für didaktische Defizite im Klassenzimmer sein kann. Ein wirklich guter Unterricht zeichnet sich dadurch aus, dass die wesentlichen kognitiven Hürden gemeinsam mit der Lehrkraft überwunden werden, anstatt die Schüler mit ihren Fragen am späten Nachmittag allein zu lassen, was die Hausaufgabe oft eher zu einem Zeugnis mangelnder Zeitplanung als zu einem pädagogischen Werkzeug macht.
Wenn das Lernen systematisch nach Hause verlagert wird, verschärft dies zudem die soziale Ungerechtigkeit massiv, da die Schere zwischen den Leistungsgruppen weiter auseinandergeht: Während das eine Kind auf die Unterstützung akademisch gebildeter Eltern und ein ruhiges Arbeitszimmer zählen kann, kämpft ein anderes in einer lauten Umgebung ohne jede Hilfestellung mit komplexen Aufgabenstellungen, sodass die Hausaufgabe hier nicht als Vertiefung, sondern als Trennungslinie fungiert.
Darüber hinaus führt der tägliche Zwang zur häuslichen Nacharbeit oft zu einer chronischen Überlastung, die die natürliche Neugier erstickt und das Zuhause in einen Schauplatz für unnötige Konflikte verwandelt, was wiederum die Motivation für das eigentliche Fach schmälert. Wenn eine Lehrkraft es nicht schafft, die Lernziele innerhalb der vorgesehenen Unterrichtszeit so zu vermitteln und einzuüben, dass sie verstanden werden, wirken Hausaufgaben oft wie eine bloße Alibihandlung für mangelnde Effizienz oder eine fehlende Differenzierung im Unterricht selbst.
Ein moderner, qualitativ hochwertiger Unterricht sollte die kostbare gemeinsame Zeit stattdessen nutzen, um echtes Interesse zu wecken und Kompetenzen direkt vor Ort unter professioneller Anleitung zu festigen, damit der Feierabend das bleibt, was er für eine gesunde Entwicklung sein muss: ein Raum für Erholung, soziale Kontakte und selbstbestimmtes Entdecken, statt einer bloßen Verlängerung der Schulbank unter schlechteren Bedingungen.
Literatur
Stangl, W. (2017, 23. März). Eltern und Hausaufgaben – Was können Eltern tun? Aus den Tipps für Eltern!
https://eltern.lerntipp.at/Eltern-Hausaufgaben.shtml
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