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Das Konzept des Neuro-Sandwichs beschreibt in der angewandten Psychologie, der Neurodidaktik und dem Neuro-Leadership eine spezifische Methode der Informationsvermittlung, die darauf abzielt, Botschaften so zu strukturieren, dass sie die biologischen Filterprozesse des menschlichen Gehirns optimal passieren. Das Modell basiert auf der neurobiologischen Erkenntnis, dass das limbische System – insbesondere die Amygdala – als eine Art „psychologischer Türsteher“ fungiert, der eintreffende Reize innerhalb von Millisekunden auf ihre Bedrohlichkeit prüft. Wird eine Information als rein negativ, abstrakt-überfordernd oder sozial bedrohlich eingestuft, schaltet das Gehirn in einen Stresszustand, der die Kapazität des präfrontalen Cortex (zuständig für rationales Denken und Lernen) massiv einschränkt.
Um dieses „Amygdala-Hijacking“ zu umgehen, nutzt das Neuro-Sandwich eine dreiteilige Struktur: Die erste Schicht bildet ein emotional positiver Einstieg, der durch Wertschätzung, Sicherheit oder die Herstellung eines persönlichen Bezugs die Ausschüttung von Botenstoffen wie Oxytocin oder Dopamin anregt und so die „kognitiven Tore“ öffnet. In der mittleren Schicht, dem eigentlichen Kern des Sandwichs, wird die kritische Information, die komplexe Lernaufgabe oder das konstruktive Feedback platziert. Da das Gehirn durch die erste Phase in einem Zustand der Sicherheit verweilt, kann die Information sachlicher und tiefer verarbeitet werden, ohne eine sofortige Abwehrreaktion auszulösen. Die dritte Schicht besteht aus einem ressourcenorientierten Abschluss, der den Fokus auf Lösungen, Zukunftsperspektiven oder die Bestätigung der Selbstwirksamkeit lenkt, was die Speicherung des Inhalts im Langzeitgedächtnis durch positive Verstärkung begünstigt.
Ein praktisches Beispiel findet sich in der pädagogischen Psychologie: Eine Lehrkraft beginnt die Einführung eines schwierigen mathematischen Problems mit einer spannenden Alltagsgeschichte (Schicht 1), präsentiert dann die abstrakte Formel (Schicht 2) und schließt mit einem Erfolgserlebnis durch eine lösbare Transferaufgabe ab (Schicht 3). In der Führungskräfteentwicklung wird das Modell genutzt, um kritisches Feedback so zu verpacken, dass die Motivation des Mitarbeiters erhalten bleibt, wobei die psychologische Forschung betont, dass die Methode nur dann wirksam ist, wenn die positiven Schichten authentisch und nicht als rein manipulative Technik eingesetzt werden.
Literatur
Birkenbihl, V. F. (2013). Stroh im Kopf? Vom Gehirn-Besitzer zum Gehirn-Benutzer (52. Aufl.). Ariston.
Goleman, D. (2011). Focus: The Hidden Driver of Excellence. HarperCollins.
Rock, D. (2009). Your Brain at Work: Strategies for Overcoming Distraction, Regaining Focus, and Working Smarter All Day Long. HarperBusiness.
Roth, G. (2011). Bildung braucht Persönlichkeit: Wie Lernen gelingt. Klett-Cotta.
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