Das reziproke Lernen

Beim von den Erziehungswissenschaftlerinnen Annemarie Palinscar und Ann Brown Anfang der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts entwickelte Verfahren des „Reziproken Lehrens und Lernens“ zur Förderung leseschwacher Schülerinnen und Schüler werden SchülerInnen in Gruppen mit 4 bis 7 Mitgliedern eingeteilt und übernehmen beim Gespräch über einen Sachtext abwechselnd zwei unterschiedliche Rollen: Als GruppenleiterInnen fordern sie die Anwendung einer weitgehend festen Sequenz von Strategien, die das Gespräch strukturieren; als lernende Gruppenmitglieder wenden sie diese selbst an. Sie gehen so den Weg vom Lernen zum Lehren und umgekehrt.

Ablauf
Nachdem der erste Abschnitt des Textes still gelesen und dann vorgelesen worden ist, hat die Gruppenleiterin bzw. der Gruppenleiter das erste Wort. Das Gespräch kann sich wie folgt entwickeln:

  • Sie stellen Fragen, die aus dem Text heraus beantwortet werden können.
  • Sie formulieren und schlagen eine Zusammenfassung des Textabschnitts vor.
  • Sie fordern zu Worterklärungen und zur Erläuterung unklarer Textstellen auf.
  • Sie „wagen“ zum Abschluss ihres Rollenparts eine Vorhersage dessen, was der folgende Textabschnitt wohl bringen wird.

Alle Gruppenmitglieder wenden die Strategien an: Sie antworten, fragen ihrerseits, ergänzen, verbessern, klären, fordern Klärungen ein, stellen Hypothesen auf und prüfen – und das viele Male. Dabei geht es um strukturierten und kooperativen Wissensaufbau. Am besten wird das Muster des strategischen Vorgehens dadurch eingeführt, dass es praktisch „vorgeführt“ wird.






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