Armut – Bildungsarmut

Christian Palentien

Aufwachsen in Armut – Aufwachsen in Bildungsarmut

KINDER UND JUGENDLICHE ALS „NEUE“ ARME
Wurde früher Armut noch mit den Begriffen Obdachlosigkeit, SozialhilfeempfängerIn oder GelegenheitsarbeiterIn in Verbindung gebracht, muss man nun feststellen, dass Armut auch bereits für die Mittelschicht ein Problem darstellt. Laut den Studien sind es kinderreiche Familien, Alleinerzieher, aber vor allem auch schon Kinder und Jugendliche, die ein erhöhtes Armutsrisiko haben. Der immer größer werdende Spalt zwischen Arm und Reich, die schlechte Situation am Arbeitsmarkt, aber auch Nationalität und Ausbildung spielen hier eine entscheidende Rolle (vgl. Palentien 2005, S. 155f).

STRUKTUREN DES AUFWACHENS IM BILDUNGS- UND AUSBILDUNGSBEREICH
In den 1970er Jahren kam es in Deutschland zu einem Überschuss von Ausbildungsplätzen, was dazu führte, dass immer mehr Jugendliche weiterführende Schulen besuchten, um die Zeit zwischen 15 und 20 Jahren zu überbrücken. Natürlich verschob sich dadurch auch das Einkommen der Jugendlichen nach hinten. Diverse Entwicklungen im Bildungsbereich zeigen unter anderem, dass Gymnasien Hauptschulen oft vorgezogen werden, immer mehr Schulabgänger Studien beginnen und die Zahl der weiblichen Jugendlichen in höheren Schulen zunimmt. Je höher der Bildungsabschluss ist, desto höher ist natürlich auch die Chance einen attraktiven Job zu bekommen. Diese Situation am Arbeitsmarkt hat jedoch auch eine negative Seite: Eine Benachteiligung von Jugendlichen an der schulischen Bildung fördert später natürlich auch den Misserfolg am Arbeitsmarkt (vgl. Palentien 2005, S. 156ff).

UNGLEICHE AUSGANGSBEDINGUNGEN AUS BEDINGUNGEN SCHULISCHEN ERFOLGS
Die Schule nimmt hier eine bedeutende Rolle für die Jugendlichen ein, da sie bereits früh den Leistungserfolg bzw. ein Leistungsversagen der Schüler definiert. Sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche haben jedoch bereits beim Eintritt in den Bildungsbereich ungleiche Bedingungen, da wichtige Kompetenzen – wie etwa Motivation und Emotion – stark in Zusammenhang mit der Familie stehen. Die Bildungschancen der Jugendlichen sind dadurch von Beginn an schlechter, was weiters ausschlaggebende Folgen auf das ganze Leben haben kann (vgl. Palentien 2005, S. 161ff).

DIE CHANCE DER SCHULE, UNGLEICHHEITEN ZU ÜBERWINDEN
Die Schule hätte eine einzigartige Möglichkeit diesem Trend entgegenzuwirken, da sie die Chance besitzt diese Ungleichheiten frühzeitig zu durchbrechen. Sie könnte dabei „zu einem sozial-ausgleichenden Forum werden“ (Palentien 2005, S. 163). Die Ganztagsschule wird in diesem Artikel als eine durchaus positive Lösungsvariante beschrieben, da sie die Möglichkeit hätte, auch erzieherische und sozialpädagogische Maßnahmen zusätzlich zum Unterricht zu setzen. Weitere Vorteile einer Ganztagsschule wären eine passende Mittagsverpflegung, eine sinnvolle Freizeitgestaltung, sowie die Möglichkeit, auftretende Probleme frühzeitig durch geschultes Personal zu bewältigen. Benachteiligungen von sozial schwächeren Kindern und Jugendlichen würden mit diesem System erheblich reduziert werden (vgl. Palentien 2005, S. 163ff).

VERWENDETE LITERATUR
Palentien, Christian (2005). Aufwachsen in Armut – Aufwachsen in Bildungsarmut. Zeitschrift für Pädagogik, 51, 154-169.




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