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Die Geschichte der frühkindlichen Bildung in den USA wurde maßgeblich von einer deutschen Auswanderin geprägt, die vor fast 170 Jahren den Grundstein für ein völlig neues pädagogisches Denken legte. Als Margarethe Meyer-Schurz im Jahr 1856 in Watertown, Wisconsin, den ersten Kindergarten Amerikas ins Leben rief, revolutionierte sie die bis dahin starren Vorstellungen von kindlicher Erziehung (Vecchiotti, 2001). Meyer-Schurz, die in Deutschland direkte Schülerin des Kindergarten-Begründers Friedrich Fröbel gewesen war, brachte dessen ganzheitlichen Ansatz mit über den Atlantik. Statt Kinder als bloße Objekte disziplinierender Verwahrung oder rein akademischen Drills zu sehen, basierte ihr Modell auf Fröbels Konzept des „Kindergartens“ – einem geschützten Raum, in dem sich die kognitiven, physischen und sozialen Fähigkeiten von Kleinkindern wie Pflanzen in einem Garten durch gezieltes Spiel, Lieder und Naturerfahrungen entfalten sollten (Triplett, 2018; Vecchiotti, 2001).
Ihr privater, zunächst deutschsprachiger Kindergarten zog schnell Kreise. Durch eine schicksalhafte Begegnung inspirierte Meyer-Schurz die amerikanische Bildungsreformerin Elizabeth Peabody, die daraufhin 1860 in Boston den ersten englischsprachigen Kindergarten gründete und die Bewegung landesweit bekannt machte (McCarver, 2021; Vecchiotti, 2001). Was als kleines, idealistisches Projekt im ländlichen Wisconsin begann, entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einer tiefgreifenden sozialen Reformbewegung.
Vor allem im Zuge der fortschreitenden Industrialisierung und der massiven Einwanderungswellen am Ende des 19. Jahrhunderts erkannten Reformer den unschätzbaren Wert dieser Einrichtungen. Die Ausbreitung der Kindergärten trug nachweislich dazu bei, arme Immigrantenfamilien sozial zu integrieren, die Sprachbarrieren der Kinder abzubauen und den Grundstein für eine bessere Schullaufbahn zu legen (Ager & Cinnirella, 2020).
Margarethe Meyer-Schurz veränderte mit ihrem Mut und ihrer pädagogischen Vision das amerikanische Schulsystem nachhaltig: Aus einer ausländischen Nischenidee wurde ein fester, öffentlich finanzierter Bestandteil der US-amerikanischen Bildungsinfrastruktur, der bis heute die frühe Kindheit von Millionen Amerikanern prägt (Triplett, 2018; Vecchiotti, 2001).
Literatur
Ager, P. & Cinnirella, F. (2020). Froebel’s gifts: How the kindergarten movement changed the American family (Discussion Paper No. 604). CRC TR 224.
McCarver, M. G. (2021). Who’s down with DAP? The relationship between teacher preparation and the use of developmentally appropriate practices during kindergarten mathematics (Doctoral dissertation, Gardner-Webb University). Digital Commons @ Gardner-Webb University.
Triplett, J. D. (2018). Students‘ phonological awareness literacy screening and school readiness (Doctoral dissertation, East Tennessee State University). Digital Commons@ETSU.
Vecchiotti, S. (2001). Kindergarten: The transition year. A review of research and policy. Foundation for Child Development. ERIC Educational Resources Information Center.
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