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Die Risiken finanzieller Anreize in der Erziehung


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In vielen Familien gehört es zur gewohnten Praxis, Erfolge in der Schule mit Geldgeschenken, Sachleistungen oder gemeinsamen Ausflügen zu honorieren. Der Gedanke dahinter ist verständlich: Ein handfester Anreiz soll dem Nachwuchs Schwung verleihen, Fleiß belohnen und die Motivation für das kommende Schuljahr aufrecht erhalten. Doch was auf den ersten Blick wie eine wirksame Hilfestellung wirkt, erweist sich bei genauerer Betrachtung häufig als zweischneidiges Schwert, denn statt dauerhafte Freude am Wissenserwerb zu wecken, verschieben finanzielle Belohnungen die Grundlagen des Lernens in eine Richtung, die das Wohlbefinden und die Entwicklung von Kindern nachhaltig beeinträchtigen kann.

Das grundlegende Problem liegt in der Umwandlung von Bildung in ein Tauschgeschäft. Sobald für gute Leistungen Geld fließt, rückt der eigentliche Erkenntnisgewinn in den Hintergrund und an seine Stelle tritt das Schielen auf die finanzielle Gegenleistung. Diese Form der rein äußeren Motivation mag zwar kurzfristig funktionieren, lässt jedoch kaum Raum für den Aufbau einer dauerhaften inneren Antriebskraft. Kinder, die primär für eine Belohnung lernen, tun sich später oft schwerer damit, Ausdauer, Disziplin und eine natürliche Neugier zu entwickeln. Fehlt die Aussicht auf Geld, bricht der Anreiz nicht selten völlig zusammen. Hinzu kommt eine doppelte Frustration, wenn das erhoffte Ergebnis ausbleibt, d. h., die Enttäuschung über die verfehlte Leistung wird durch den Verlust der erwarteten Summe noch einmal verstärkt.

Ebenso gravierend sind die psychologischen Nebenwirkungen auf das Selbstwertgefühl, denn wenn Noten unmittelbar mit Geld aufgewogen werden, verinnerlichen Heranwachsende schnell das Gefühl, dass ihr persönlicher Wert an messbare Erfolge gekoppelt ist. Dies schürt Perfektionismus, Prüfungsangst und einen enormen Leistungsdruck. Dabei wird leicht vergessen, dass eine Schulnote stets nur eine isolierte Momentaufnahme darstellt, d. h., sie bildet die Tagesform an einem bestimmten Termin ab, nicht aber den gesamten Lernweg, die investierte Mühe oder unvorhergesehene Hürden während einer Arbeit. Werden Kinder mit Lernschwierigkeiten zusätzlich durch ausbleibende Prämien bestraft, führt dies meist nicht zu mehr Anstrengung, sondern zu Resignation und Demotivation.

Ein nachhaltiger Umgang mit schulischen Leistungen erfordert daher einen Blick auf die Ursachen und individuellen Bedürfnisse statt auf das reine Ergebnis. Hilfreicher als der Griff ins Portemonnaie ist ein offenes Gespräch auf Augenhöhe. Nach einer Rückgabe einer Schularbeit steht nicht der Vergleich mit Mitschülern oder der Notendurchschnitt im Vordergrund, sondern das eigene Empfinden des Kindes und die Frage, wie es sich mit dem Ergebnis fühlt. Auch die emotionale Rückendeckung vor Prüfungen sollte frei von Bedingungen sein, denn nur das Signalisieren von verlässlicher Unterstützung völlig unabhängig vom Ausgang der Arbeit gibt Heranwachsenden die nötige Sicherheit. Da jedes Kind völlig unterschiedlich auf Druck, Herausforderungen oder Striktheit reagiert – manche benötigen feste Strukturen, andere eher kreativen Freiraum oder viel Zuspruch –, lässt sich Motivation nicht mit einer Einheitswährung kaufen, sondern nur durch echtes Verständnis und individuelle Begleitung aufbauen.


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