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Die Bedeutung des Kindesspiels aus der Perspektive des Kindes


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In der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit der Kindheit wird das Spiel zwar seit langem als essenzieller Baustein für eine gesunde Entwicklung anerkannt, doch blieb dabei oft unberücksichtigt, wie Kinder selbst ihre Spielerfahrungen bewerten. Traditionell definierten zumeist Erwachsene, was als „gutes“ oder „wertvolles“ Spiel gilt, während die subjektive Wahrnehmung der Kinder zweitrangig blieb. Eine aktuelle dänische Untersuchung hat diesen Fokus nun verschoben und die Kinder selbst zu Wort kommen lassen, um das oft schwer fassbare Wesen des Spielens zu entschlüsseln. Durch eine Kombination aus ausführlichen Interviews mit über hundert Kindern und einer anschließenden Befragung von mehr als fünfhundert Grundschülern ist es den Forschenden gelungen, eine wissenschaftliche Grundlage für das zu schaffen, was Kinder als erfüllendes Spiel empfinden.

Dabei kristallisierten sich sieben Kernfaktoren heraus, die die Qualität eines Spielerlebnisses bestimmen: soziale Teilhabe, die Kraft der Fantasie, das bewusste Brechen von Tabus, die leichte Zugänglichkeit, das Erleben von Wildheit und Aufregung, die tiefe Beschäftigung mit einer Sache sowie ein ganz spezifisches „Spielgefühl“. Letzteres erwies sich als der entscheidende Indikator dafür, ob ein Spiel als positiv oder negativ wahrgenommen wird. Dieses Spielgefühl wird von den Kindern als ein Zustand der Perfektion beschrieben, der oft mit Lachen und spontaner Freude einhergeht. Fehlt diese Komponente, wird das Spiel schnell als langweilig, störend oder regelhaft eingeengt empfunden.

Ein bemerkenswerter Aspekt der Studie ist die Erkenntnis, dass „gutes Spiel“ aus Kindersicht nicht zwangsläufig den moralischen oder pädagogischen Vorstellungen von Erwachsenen entsprechen muss. Faktoren wie Wildheit oder der bewusste Verstoß gegen gesellschaftliche Normen und Spielplatzregeln können den Spielspaß massiv steigern und das Erlebnis erst besonders machen. Gleichzeitig zeigt die Forschung, dass gut gemeinte Interventionen von Erwachsenen – etwa der Versuch, ein Kind in eine bestehende Gruppe zu integrieren – oft das Gegenteil bewirken. Solche Eingriffe können die sensible soziale Abstimmung zwischen den spielenden Kindern stören und so zu negativen Erfahrungen führen. Letztlich plädieren die Wissenschaftler dafür, dass Erwachsene ihre Kontrollbedürfnisse zurückstellen und darauf vertrauen sollten, dass Kinder selbst in der Lage sind, Lösungen und Wege für ihr Spiel zu finden. Da es kein allgemeingültiges „richtiges“ Spielen gibt und jedes Kind unterschiedliche Bedürfnisse mitbringt, besteht die wichtigste Aufgabe der Erziehenden darin, Räume für vielfältige Erfahrungen zu schaffen und sich im entscheidenden Moment diskret zurückzuhalten.

Literatur

Lieberoth, A., Strand, P., Lehrmann, A., Skovbjerg, H. M., Jørgensen, H. H., Jensen, J.-O., Hansen, J. H., Sand, A.-L., & Roepstorff, A. (2026). Seven core qualities of good vs. bad play? A principal component analysis of 504 children’s play memories and development of a Play Qualities Inventory. Frontiers in Psychology, 17, doi:10.3389/fpsyg.2026.1690952


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