Zählen ist nicht Rechnen

auch wenn es am Anfang für Kinder in Ordnung ist, die Finger beim Zählen zu nutzen. Doch das muss spätestens in der zweiten Grundschulklasse Vergangenheit sein, denn die Zahlenwerte werden größer und so viele Finger haben wir nicht. Sicherlich kann man auch über das Sehen, also das Betrachten der Finger, am Anfang eine Hilfe erhalten, aber man muss lernen, zu abstrahieren. Kinder entwickeln dann eigene Strategien, wenn sie nicht mehr weiter wissen und keine Ahnung haben, wie sie eine Rechenaufgabe lösen können, wobei diese Strategien nicht unbedingt richtig sind.

Neben Konzentration braucht man für Mathematik unbedingt Orientierung, Vorstellung und Abstraktion, wobei das in der Regel bereits im Kindergartenalter eingeübt wird. So ist etwa das Rechts-Links-Verstehen sehr wichtig, das sich zunächst auf den eigenen Körper bezieht, später dann auf das Gegenüber. Es ist einem Kind nicht in die Wiege gelegt und auch nicht genetisch vererbt, dass es verstehen muss, dass sein linker Arm im Gegenüber der Mutter rechts ist.

Wenn Kinder auswendig lernen funktioniert das am Anfang gut, denn natürlich kann man das Einmaleins lernen und am Anfang muss es gar nicht auffallen, dass ein Kind eigentlich das Rechenprinzip gar nicht verstanden hat, weil es in der Regel durch Auswendiglernen oft zum richtigen Ergebnis kommt. Doch wenn die Aufgaben komplexer werden, dann geht das irgendwann nicht mehr und weil dann die Grundlagen fehlen, kommt das Kind nicht mehr nach.

Übrigens: Wenn eine Lernstörung vorliegt, bringt Nachhilfe wenig, denn diese hilft nur bei Themen, die nicht verstanden worden sind, doch wenn Nachhilfe von der Grundschule bis zum Abitur durchgängig notwendig ist, dann liegen die Probleme in der Regel in einem anderen Bereich.

Wenn Kinder bei uns mit den Fingern zählen, beginnen sie immer mit dem Daumen, in den USA beginnen die Kinder das Zählen mit dem Zeigefinger und der Daumen kommt erst an fünfter Stelle. Chinesischen Kinder zählen bis fünf wie die Amerikaner, dann aber nehmen sie nicht die zweite Hand zur Hilfe, sondern heben für die 6 den Daumen und den kleinen Finger der gleichen Hand und die 7 wird durch Daumen und Zeigefinger dargestellt. Die chinesischen Kinder können mit größeren Zahlen rechnen, während bei 5 + 7 die Kinder schon eine dritte Hand brauchen. Man weiß aus Untersuchungen, dass die Feinmotorik, wie geschickt man mit seinen Fingern umgehen kann, Einfluss auf die Rechenfähigkeiten hat. Im Gehirn gibt es zwei Areale, in denen die Fingerbewegungen aber auch das Addieren und Multiplizieren gesteuert werden. Man vermutet, dass evolutionär im Gehirn für das Rechnen kein eigener Platz vorgesehen war, sondern die Areale für das Greifen und die Raumwahrnehmung verwendet hat.






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