Kann Projektunterricht das Demokratieverständnis fördern?

Will die Schule den demokratischen Gedanken begreifbar machen, so sollte sie Demokratie nicht nur als Unterrichtsstoff lehren, sondern auch als Lebensform auffassen, die Persönlichkeitsmerkmale und damit verbundene moralische Grundhaltungen impliziert. Dabei soll sich nach Ansicht mancher Projektunterricht in besonderem Maß zur Vermittlung eines solchen demokratischen Habitus eignen, denn er verbindet den Ansatz des handlungsorientierten Lernens, des praktischen Engagements in und für die Gesellschaft mit der aktiven Einbindung von SchülerInnen in den Lernprozess. Die SchülerInnen sind beim Projektunterricht gemeinschaftlich verantwortlich für die Ausarbeitung ihrer Ergebnisse, können sich selbst für Schwerpunkte und Lösungswege entscheiden und lernen so, sich miteinander abzustimmen. Projekte bieten als kooperative Strukturen grundsätzlich die Möglichkeit zu gemeinsamer Planung, gleichberechtigter Beteiligung, gemeinsam abgestimmter Organisation, kommunikativer Evaluierung und diskursiv gerechtfertigter Bewertung in Gruppen. Dabei geht es vorrangig um Prozesse der Gestaltung, die auch unabhängig von den Inhalten bereits aus sich selbst heraus demokratieförderlich sein können.

Allerdings lassen sich auch einige Einwände gegen den Projektunterricht bzw. gegen dessen demokratiepädagogische Prämissen vorbringen. So ist zwar anzuerkennen, dass die aktive Mitarbeitsbereitschaft mit Projektunterricht gesteigert werden kann, es fehlt aber das kritisches Potential in diesem Ansatz, denn der Begriff der demokratischen Erfahrung stützt sich auf ein mehr oder minder unreflektiertes bzw. naives Bild des Systems Schule. Die Partizipation der SchülerInnen ist dabei oft eine Scheinpartizipation, denn echte Mitbestimmung ist im aktuellen System Schule eher nicht möglich, da die Schule gesellschaftliche Aufträge wahrnimmt, deren Thematisierung zahlreiche Funktionsweisen und Abläufe von Schule fundamentaler in Frage stellen würde, was die Institution Schule letztlich wohl nicht zulassen kann. In letzter Konsequenz vermittelt der Projektunterricht daher ein eher limitiertes Verständnis, was Mitbestimmung bzw. was Demokratie wirklich bedeutet oder sein könnte.

Literatur

Edelstein, Wolfgang (2009). Demokratie als Praxis und Demokratie als Wert (S. 7–20). In Edelstein, Wolfgang, Frank, Susanne & Sliwka, Anne (Hrsg.), Praxisbuch Demokratiepädagogik. Weinheim und Basel: Beltz.
Stangl, W. (2011). Stichwort: ‘Projektunterricht’. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.
WWW: https://lexikon.stangl.eu/28399/projektunterricht/ (2011-05-14)






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