Zielsetzungen der Grundschule

Richard Olechowski
Zielsetzungen der Grundschule

Methodische Überlegung zur Ableitung der Zielsetzung der Grundschule
Der reifungstheoretische Standpunkt der bis in die späten 1950 gültig war und die die geistige Reife mit der biologischen Reifung gleichsetzte, wurde nun durch die Idee des reflexiven Denkens ersetzt. Darunter versteht man die Verknüpfung von Lernprozessen und biologischer Entwicklung. Grundschule und Kindergarten müssen demzufolge Lernanreize bieten um diesen Prozess in Gang zu setzten und die Bedingungen schaffen, unter denen SchülerInnen ihre Person optimal verwirklichen können (vgl. Olechowski, 2006).
Anthropologischer Auftrag der Grundschule
Kultureller und gesellschaftlicher Aspekt
In der heutigen Zeit hat die Grundschule die Aufgabe Elementarbildung zu vermitteln und die Eltern in ihrer Erziehungsaufgabe zu unterstützen. Dabei ist „von der „Erziehungsbedürftigkeit“ und der „Erziehungsfähigkeit“ des Menschen auszugehen.“ (Olechowski, 2006) Der Mensch ist im Vergleich zum Tier ein „Mängelwesen“, doch ermöglichen ihm diese Mängel einen entscheidenden Vorteil.
Gehlen (1962) führt hierzu drei Punkte an:
„Der Mensch ist nicht instinktgebunden, er hat keine für ihn spezifische Umwelt.
Der Mensch ist gezwungen zu lernen, Erfahrungen zu sammeln und zu verarbeiten.
Der Mensch ist gezwungen, auch hinsichtlich seiner Triebe, seiner Werthaltung und Wertvorstellung zu lernen.“
Der Mensch kann also nicht mehr instinktiv mit der Umwelt umgehen, er muss es erst lernen, dazu benötigt er die Hilfe der Gemeinschaft, allerdings ist dadurch auch seine Lernfähigkeit gesteigert. Die nach Roth (1986) „erste Natur“ des Menschen ist vergleichbar mit der des Tieres allerdings nicht feststellbar, sie muss schon bald der „zweiten Natur“ weichen, diese wird durch das jeweilige kulturelle Umfeld und den unterschiedlichen Normvorstellungen der Erziehungstradition herausgebildet. Entgegen dem Tier besitzt der Mensch keine artspezifischen Veranlagungen, natürliche „biophysische Fundamente“ bestehen zwar, sind in ihrer Ausprägung aber von den an den Menschen gestellten Anforderungen abhängig (vgl. Olechowski, 2006).
Daraus lässt sich schließen, dass Talent nicht nur angeboren ist, es muss gefördert werden um nicht zu verschwinden. Dadurch hat der Mensch nicht nur soziale Bestimmungen sondern auch kulturelle und personale. Der Mensch ist als einziges Lebewesen auf Kultur als Existenzvoraussetzung angewiesen (vgl. Olechowski, 2006).
Der personale Aspekt
Der Mensch als personales Wesen ist ein einzigartiges Individuum. „Der Mensch ist grundsätzlich, von allem Anfang an Person, zugleich aber ist es auch Aufgabe seiner Lebens- und Bildungsgeschichte, dass er Person wird.“ (Augschöll, 2004 S. 17f) Dies wird auch Personalisation genannt, darunter versteht man die Entfaltung des Individuums durch Lern- und Bildungsprozesse (vgl. Olechowski, 2006).
Der Begriff der „Begegnung“ – ein Schlüsselbegriff der Pädagogik
„Ohne Du ist das Ich unmöglich“ (Dilger, 1983, S. 13) Es ist Aufgabe der Grundschulen Raum für Begegnung zu schaffen, diese sind zwar nicht willkürlich herbei zuführen, aber zu begünstigen. Wichtig dafür ist eine aufgeschlossene Einstellung der SchülerInnen zu diesen Begegnungen (vgl. Olechowski, 2006).
Schlussfolgerungen
Grundschulen sollten Grundkompetenzen vermitteln, die den Schülern das Bewerkstelligen des Alltags erlauben. Aber die SchülerInnen müssen sich nicht nur im Alltag zu Recht finden können, sondern auch befähigt sein sich kritisch mit Themen der Religion oder Politik -Auseinader setzten zu können. Ziel der Grundschulen ist es ein gewisses Basiswissen zu vermitteln, Lernvoraussetzungen zu schaffen sowie die Basis für Lerntransfers zu vermitteln. Aber das wahrscheinlich wichtigste Aufgabengebiet der Grundschulen liegt in der Persönlichkeitsbildung jedes einzelnen SchülersIn. Zu dieser Persönlichkeitsbildung gehört die Entwicklung der Selbstkompetenz, diese ist abhängig von den Bezugspersonen und kann durch positive Rückmeldungen auf die Leistungen des Schülers gefördert werden.
Dies alles ist aber nur in einem „guten Klima“ zu verwirklichen, der Schulalltag sollte deshalb völlig angstfrei ablaufen und der Selektionsdruck von den SchülernInnen genommen werden. Selektion sollte auf keinen Fall das Bewusstsein der Lehrer und Eltern bestimmen, daraus ergibt sich die Grundschule als eigenständiger Schultyp und nicht als Zubringer der Mittelstufe(vgl. Olechowski, 2006).
Die Grundschule ist ausschlaggebend für den weitern Verlauf jedes einzelnen, sie prägt für ein Leben lang, macht Schüler zu glücklicheren oder weniger glücklicheren Menschen. Dementsprechend sollte für den Beruf als GrundschullehrerInnen die höchst mögliche Qualifikation erreicht werden (vgl. Olechowski, 2006).
Außerdem ist die enorme Wichtigkeit und Verantwortung der GrundschullehrerInnen und ihr Bildungsauftrag im Besonderen hervorzuheben und anzuerkennen(vgl. Olechowski, 2006).

 Verwendete Literatur
Augschöll, A. (2004): Die Antwort der Schule auf die Bedürfnisse des Menschen als kulturelles, soziales und personales Wesen. In: Der pädagogische Auftrag von Kindergarten und Grundschule, Frankfurt a. M.
Dilger, I. (1983): Das dialogische Prinzip bei Martin Buber. Frankfurt a. M.
Gehlen, A. (1962): Der Mensch. Seine Natur und seine Stellung in der Welt. Frankfurt a. M.
Olechowski, Richard (2006). Zielsetzungen der Grundschule. Erziehung und Unterricht (März/April 3-4 2006)
Roth, H. (1968): Pädagogische Antropologie. Hannover






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