Was ist die Reformpädagogik?

Im gesamten europäischen Raum fand Ende des 19. Jahrhunderts eine enorme technische Entwicklung statt, wobei die Industrialisierung jedoch neben Fortschritt Wohnungsnot, soziale Widersprüche, Arbeitslosigkeit und eine Änderung sozialer Lebensformen mit sich brachte. Auf diesem Hintergrund suchte man auch im Bildungsbereich nach neuen Wegen. Sowohl die Landerziehungsheimbewegung, geprägt durch Personen wie Hermann Lietz, Paul Geheeb oder Gustav Wyneken, die Jena-Plan-Schule nach Peter Petersen, als auch die Arbeitsschule nach Kerschensteiner, basierten auf ähnlichen pädagogischen Ideen und sollten den „Verfallserscheinungen“ der Jugend entgegenwirken:

  • Ausgangspunkt war die Kulturkritik mit ihrer Ablehnung gegenüber den starren Formalismen der herbartianischen Konzentrationspädagogik, dem Prinzip der Allgemeinbildung, der autoritären Disziplinierung und dem Berechtigungswesen der preußischen Schule.
  • Zentrale Bedeutung hat das von Rousseau geprägte Bild vom Gärtner und seiner Blume. In diesem Prozess erzieht die Natur (sowohl die natürliche Umgebung als auch die menschliche Biologie) die Schüler selbst, der Erzieher übernimmt die Rolle des Gestalters dieser natürlichen Umgebung.
  • Nicht mehr nur kognitives Wissen, sondern vielmehr psychomotorische und affektive Lernziele spielen eine wesentliche Rolle.
  • Gemeinschaftserziehung rückt in den Vordergrund, denn Gemeinschaft und Individuum beeinflussen sich gegenseitig.
  • Wesentlich für das Lernen sind nach Erlebnis, Augenblick, Unmittelbarkeit, Gemeinschaft, Natur, Echtheit und Einfachheit.



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