Vornamen und Vorurteile von Lehrern und Lehrerinnen

Julia Kube zeigte in einer Untersuchung der Arbeitsstelle für Kinderforschung an der Carl von Ossietzky Universität, dass die Ungleichheit der Bildungschancen schon mit der Wahl eines Vornamens für ein Kind beginnt. Bestimmte Vornamen rufen bei Lehrpersonen Vorurteile hervor, denn die Mehrheit der Lehrerinnen und Lehrer verbinden mit Vornamen auch Vorannahmen zu Fähigkeiten und Verhalten der Kinder. Bestimmte Schülernamen werden von einem überwiegenden Anteil der Lehrpersonen eher negativ oder eher positiv wahrgenommen, sodass dies zu einseitigen Erwartungshaltungen führen kann. Manche Vornamen tragen dazu bei, ihnen entweder positive oder negative Kompetenzen zuzuschreiben, wobei nur ein sehr geringer Anteil der Lehrpersonen eine kritische Distanz zu Vorannahmen basierend auf Vornamen zeigt. Der größte Teil der Lehrpersonen assoziiert Persönlichkeitsmerkmale zu Vornamen ohne darüber zu reflektieren, Vor allem Grundschullehrerinnen und -lehrer sollten hierbei auch für die Problematik der Vorurteilsbildung aufgrund von Vornamen sensibilisiert werden und mit den Grundsätzen einer vorurteilsbewussten Erziehung und Bildung vertraut werden. Ein Zitat aus der Zusammenfassung: Es ist „kennzeichnend, dass die Assoziationen zu den vorgegebenen Vornamen nicht von Lehrperson zu Lehrperson variieren, sondern dass bestimmte Häufungen aufgezeigt werden können. Scheinbar werden bestimmte Schülernamen von einem überwiegenden Anteil der Lehrpersonen eher negativ oder eher positiv wahrgenommen, sodass dies zu einseitigen Erwartungshaltungen bezüglich der Namensträgerinnen und –träger führen kann. Bestimmte Vornamen zeigten hierbei besonders charakteristische Ergebnisse bezüglich der Einschätzungen durch die Lehrpersonen. Hierbei zeichnet sich auch besonders im Bezug zu ‚Verhaltensauffälligkeit’ ein spezifischer Namenspool von mehrheitlich männlichen Vornamen ab. Besonders der Name ‚Kevin’ stellt sich hierbei als stereotyper Vorname für einen ‚verhaltensauffälligen’ Schüler heraus. „Kevin ist kein Name, sondern eine Diagnose!“148 Dabei wird auch deutlich, dass augenscheinlich gerade Vornamen, die auch in den Medien im Zusammenhang mit dem ,Kevinismus’ genannt werden, von Lehrkräften besonders negativ eingeschätzt werden.Somit kann bestätigt werden, dass Grundschullehrpersonen offensichtlich zu Vornamen von Schülerinnen und Schülern bestimmte Vorannahmen haben und sich in Bezug zu bestimmten Aspekten bestimmte Vornamen hervorheben. Ob Vornamen hierbei auch aufgrund der assoziierten Schichtzugehörigkeit in bestimmter Weise eingeschätzt werden, kann mit den Ergebnissen dieser Online-Erhebung vermutet aber nicht explizit geklärt werden.“

Übrigens: Auch Nachnamen können die Karriere beeinflussen

Übrigens zeigt sich auch, dass Nachnamen die Karriere eines Menschen beeinflussen können, denn Menschen mit adelig klingenden Nachnamen erhalten häufiger eine Führungsposition als Menschen mit einem eher durchschnittlichen Nachnamen.  In einer Studie, bei der über zweihunderttausend Business-Netzwerkprofile mit verschiedenen Nachnamen ausgewertet wurden, zeigte sich, dass vornehm klingende Namen wie König, Kaiser oder Ritter eher in höheren Positionen zu finden waren als Namen wie Jäger, Koch oder Müller. Auch Menschen mit einfacher auszusprechenden Namen machen eher und schneller Karriere als Menschen mit komplizierten Nachnamen, da kurze und einfache Namen vertrauenerweckender wirken (Silberzahn & Uhlmann, 2013). Möglicherweise spielt das auch schon in der Schule eine Rolle, doch findet sich dazu keine Untersuchung.

Literatur
Silberzahn, R. & Uhlmann, E. L. (2013). It Pays to Be Herr Kaiser- Germans With Noble-Sounding Surnames More Often Work as Managers Than as Employees. Psychological Science.

Download der Studie:
http://www.kinderforschung.uni-oldenburg.de/download/Masterarbeit_JuliaKube_Vornamensstudie.pdf


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