Ursachen jugendlichen Drogenkonsums

Drogenverhalten unterliegt kulturell bedingten Entwicklungsstadien, wobei jeweils unterschiedliche Kausalfaktoren eine Rolle spielen. Zunächst sind es vor allem soziale Einflüsse, etwa ist der elterliche Umgang mit Alkohol oder Tabak für den Alkohol- bzw. Tabakkonsum von Kindern und Jugendlichen Mitbedingung. Später spielen Gleichaltrige eine ähnliche Rolle, auch in Hinblick auf den Konsum von illegalen Drogen. Danach sind es weniger soziale als vielmehr innerpsychische Faktoren, die dem Drogenkonsum zu Grunde liegen. Bei Jugendlichen handelt es sich oft um eine bewusste Normverletzung, als Ausdruck einer nonkonformistischen Haltung aber auch als Demonstration von Erwachsensein, ein Ausdruck des Mangels an Selbstkontrolle, der durch mangelnde Problemlösungskompetenzen in frustrierenden Situationen zustande komm. Der Konsum von Drogen spielt auch eine Rolle als Zugang zu Peer-Gruppen und schließlich als Notfallreaktion auf Entwicklungsstress, indem ein Ersatzziel für nicht zu bewältigende Entwicklungsanforderungen gesucht wird.

Auch das Alter beim Beginn des Drogenkonsums hat nach Ansicht von Experten einen erheblichen Einfluss auf die Suchtgefahr, da Drogen auch auf die Entwicklung des präfrontalen Cortex wirken, der kognitive Prozesse so reguliert, dass situationsgerechte Handlungen ausgeführt werden können, wobei die vollständige Entwicklung des präfrontalen Cortex erst in einem Alter von etwa fünfundzwanzig Jahren abgeschlossen ist. Dadurch hat vor allem der Konsum von Cannabis und Alkohol bei Jugendlichen und jungen Menschen erhebliche Auswirkungen auf den präfrontalen Cortex und führt dabei zu Entwicklungsstörungen. Die Folge ist unter anderem eine verminderte Selbstkontrolle, eine erhöhte Impulsivität, Antriebsstörungen, Aufmerksamkeitsstörungen, Störungen im Lernverhalten, beim Kurzzeitgedächtnis und im schlussfolgernden Denken. Bei einem Vierzigjährigen hingegen ist beim Konsum von Cannabis oder Alkohol die Suchtgefahr deutlich geringe, denn 35 Prozent all derjenigen, die im Alter bis zu 25 Jahren auch nur einmal eine Zigarette rauchen, werden ihr Leben lang damit zu kämpfen haben, nur wer in höherem Alter zu rauchen beginnt, kann in der Regel auch wieder leichter aufhören.

Siehe dazu die Arbeitsblätter Jugendsüchte und Jugendliche und Suchtmittelkonsum

Daher gibt es drei Ansätze der Prävention

  • Primärprävention bedeutet Erziehungshandeln, das frühzeitig einsetzt, langfristig und kontinuierlich angelegt ist und sich zum Ziel setzt, Kinder und Jugendliche zu befähigen, mit möglichen Gefährdungen und Risiken in angemessener Weise umzugehen. Es geht der Primärprävention um die Förderung von Fähigkeiten und Fertigkeiten, die die Basis für eine gesunde Entwicklung im ganzheitlichen Sinn bilden (hierzu zählen alle Formen des Erwerbs von
    Kompetenzen, Beziehungs-, Konflikt-, Kritikfähigkeit, psychosoziale Stabilität, Kreativität, Phantasie, Eigeninitiative, Verantwortungsbereitschaft).
  • Sekundärprävention bedeutet gezieltes erzieherisches Handeln zur Unterstützung junger Menschen, die in ihrer Persönlichkeitsentwicklung einem erhöhten Risiko von Gefährdungen ausgesetzt sind. Zur Überwindung dieser Risiken benötigen sie in der Regel über primärpräventive Angebote hinaus auch Einzelfallhilfen, die gezielt auf die Gefährdungspotenziale eingehen und durch eine psychosoziale Betreuung konstruktive Handlungsalternativen eröffnen bzw. einüben.
    Zielgruppen sind zum Beispiel Kinder und Jugendliche aus Familien mit Sucht- oder Gewaltstrukturen, die ihrerseits diese Bewältigungsstrategien übernehmen, bzw. Jugendliche und junge Erwachsene, die ihren Problemhintergrund mit Suchtmittelkonsum oder Gewalthandlungen kompensieren. Geschlechtsspezifisch zeigt sich, dass Mädchen eher auf selbstschädigendes Verhalten wie Essstörungen oder suizidales Verhalten zurückgreifen, während Jungen ihren
    Problemdruck eher durch Aggressionen nach außen abreagieren.
  • Tertiärprävention setzt bei den bereits von Gefährdungen geschädigten Kindern und Jugendlichen ein (z. B. bei anhaltendem Suchtmittelmissbrauch, Delinquenz, sexuellem Missbrauch). Um weiteren Schädigungen vorzubeugen, bedarf es pädagogischer, therapeutischer und nachsorgender Hilfeleistungen.





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