Uniabsolventen dank Bologna fehlqualifiziert, angepasst, schlecht bezahlt

Einsparungen im Bildungssystem waren schon immer das eigentliche Ziel der Bologna-Reform, denn hinter dem Ziel der europaweiten Vereinheitlichung von Studiengängen verbarg sich letztlich von Beginn an ein Programm zur massiven Einsparung sowohl im öffentlichen Sektor als auch in der Wirtschaft. Das zweigliedrige Zertifizierungssystem mit Bachelor und Master führt dazu, dass diejenigen StudentInnen, die die Universitäten mit einem Bachelorabschluss verlassen, bei der Anstellung weitaus weniger verdienen werden als frühere Diplom- oder Magister-Absolventen.

Noch wesentlicher ist für allerdings die zunehmende Rationalisierung an den Universitäten, d.h., die Beschränkung auf Wissensvermittlung, denn zwar  fordern die Studierenden Wissen ein, und erhalten es willfährig in Massenkursen angeboten, sodass sie letztlich  eine Generation sein werden, die so viel weiß wie keine andere vor ihnen, doch werden sie dieses Wissen nicht verstehen und anwenden können.

Nach dem Bologna-Prozess entsteht ein bisher kaum erkannter doch eklatanter Widerspruch zwischen den neuen Studienprofilen und den Erwartungen der Wirtschaft, dass nämlich Akademiker selbstständig, flexibel und kreativ sein sollten. Doch das neue System erzeugt bloß akademischen Konformismus  und produziert zugleich eine Fehlqualifizierung im großen Stil. Der neue kategorische Imperativ des herrschenden marktradikalen Gesellschaftsmodells ersetzt immer mehr die Figur des kreativen Intellektuellen, der seine gedankliche Unabhängigkeit gerade dadurch erweist, dass er nicht von fremd gesteuerten Vorgaben und Geldströmen abhängig ist.

Diese und weitere entlarvende Thesen werden in dem hier empfohlenen Buch „Unidämmerung. Diskurse zum Bologna-Prozess“ vertreten.






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