Transfer unter schulpraktischer Perspektive

Transfer lässt sich im Hinblick auf schulische Aufgabenstellungen auch didaktisch-pragmatisch danach untergliedern, wie neuartig die Aufgabe ist, in der das bereits vorhandene Wissen zum Einsatz kommen soll:

Normale Reproduktionsaufgaben machen vorrangig eine Erinnerungsleistung erforderlich, z.B. den Abruf von Wissen aus dem Langzeitgedächtnis in genau jener Form, in der es auch gespeichert wurde, wobei es fraglich ist, ob es sich um eine Transferleistung handelt. Das trifft etwa für zahlreiche mathematische Aufgabenstellungen zu.

Naher Transfer liegt dann vor, wenn sich die Aufgabensituation nur geringfügig von bereits bekannten oder geübten Aufgaben bzw. von der Lernsituation unterscheidet, wobei für die Abschätzung der Differenz zwischen Aufgaben- und Lernsituation verschiedene Hinweise denkbar sind, denn etwa kann die Aufgabe so gestellt werden, dass den Lernenden klar ist, welches Wissen für die Aufgabenlösung zur Anwendung kommen sollte. Auch diese Form findet sich häufig bei mathematischen Aufgabenstellungen.

Aufgaben mit weitem Transfer erfordern die Anwendung von Wissen in einer neuen, unbekannten Situation, wobei es für Schülerinnen und Schüler auf den ersten Blick nicht unbedingt einsichtig ist, welches Wissen zur Anwendung kommen sollte. Das vorhandene Wissen muss daher erst nach Prinzipien, Regeln oder Strategien durchsucht werden, die sich auf die gestellte Aufgabe anwenden lassen. Im Unterschied zum kreativen Problemlösen ist das Wissen allerdings in jener Form vorhanden bzw. abrufbar, in der es zur Anwendung kommen sollte.

Kreative Problemlöseaufgaben müssen von Transferaufgaben abgegrenzt werden, denn während bei der Reproduktion sowie nahem und weitem Transfer das Wissen bereits in der Form vorhanden ist, in der es in der Aufgabe zur Anwendung kommen soll, sind auch Aufgaben denkbar, bei denen zunächst einmal neues Wissen geschaffen werden muss, um die Aufgabe lösen zu können, wobei festgefahrenes Wissen sogar ein Hindernis für die Lösung darstellen kann, etwa in Form einer funktionalen Fixierung oder nach Luchins von einer Mechanisierung des Geistes.

Literatur

Stangl, W. (2007). Transfer aus der Perspektive schulischer Aufgabenstellungen. [werner stangl]s arbeitsblätter.
WWW: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/LERNEN/Lerntransfer.shtml (07-07-12)





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