Training für den Umgang mit aggressiven Schülern

In einem Forschungsprojekt zur vergleichenden Wirksamkeitsanalyse unterschiedlicher Methoden sozialer Arbeit mit delinquenten Jugendlichen wurden die Einzelbetreuung der Bewährungshilfe, soziale Trainingskurse und die aus England „importierte“ und hier weiter entwickelte, sozialkognitive Methode DENKZEIT untersucht. Das Ergebnis war, dass das DENKZEIT-Training zu einer signifikanten Reduktion der Rückfallhäufigkeit und -schwere führt. Seit 2003 wurden jugendliche Straftäter vom Gericht angewiesen ein DENKZEIT-Training zu absolvieren.
Das DENKZEIT-Training zielt auf die Förderung bestimmter, „sozialkognitiver“ Fähigkeiten, die als Schutzfaktoren gegen Delinquenz bekannt sind (z.B. Perspektivenübernahme, Wahrnehmung und Kontrolle eigener Affekte, moralisches Urteilsvermögen, Antizipation der Folgen eigenen Handelns). In 40 Sitzungen arbeitet ein ausgebildeter Pädagoge mit einem Jugendlichen zu den Themen soziale Informationsverarbeitung, Affektkontrolle und moralisches Denken. Die ersten 24 Sitzungen sind in ihren Zielen, Methoden, Beispielen und didaktischen Hinweisen als Manual ausgearbeitet.
Die Haltung des Pädagogen im DENKZEIT-Training hebt sich entscheidend von der „typischen“ sozialpädagogischen Berufsrolle ab. Der Jugendliche lernt mit seinem Trainer einen Pädagogen kennen, der es gelernt hat, sich auch in sehr konfliktreichen und belastenden beruflichen Beziehungen zurechtzufinden, der sich vom Jugendlichen weder durch provokantes, noch durch sozial erwünschtes Verhalten verführen lässt, seine klar abgegrenzte und gleichzeitig wohlwollend-zugewandte Rolle zu verlassen.

Es findet auch eine Qualifizierung der LehrerInnen statt. Im Rahmen der bisherigen Arbeit wurde der Bedarf der kooperierenden Lehrer immer deutlicher, sich genauer mit den wissenschaftlichen Hintergründen der Entstehung und dem Umgang mit Delinquenz und Gewalt auseinanderzusetzen. Wesentliches Ziel ist es, die LehrerInnen für den Umgang mit Gewalt vorzubereiten. Das Programm besteht aus verschiedenen Modulen, die neben wissenschaftlichen Hintergründen auch ganz praktische Ratschläge durch den Austausch mit Kollegen bieten. Außerdem können im Rahmen von Projekttagen gemeinsam mit der jeweiligen Klasse Aktivitäten zum Aufbau „sozialer Kompetenz“ entwickelt werden. Nur wenn LehrerInnen verstehen, was die Auslöser für die Gewalt sind, lassen sich auch Maßnahmen ergreifen, um dagegen anzugehen. Bei manchen ist es ein mangelndes Empfinden für die Bedürfnisse anderer, bei anderen eine Überreaktion auf nicht verarbeitete Verlustgefühle und Misserfolge. Strafen helfen hier oft nicht, sondern der Aufbau von Selbstwertgefühl.

In einem Seminar werden den interessierten LehrerInnen die wissenschaftlichen Grundlagen und Methoden im Umgang mit aggressiv-verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen vermittelt. Zielgruppe sind LehrerInnen, die häufig mit dissozialen Schülern umgehen müssen und sich über konkrete Fälle und Handlungsmöglichkeiten austauschen möchten. In einem ganztägigen Vorbereitungsseminar werden zunächst die wichtigsten Grundlagen des sozial- kognitiven Verhaltenstrainings vermittelt. Anschließend erarbeiten sich die Pädagogen mit Unterstützung eines Dozenten didaktische Einheiten zum Thema, um sie dann mit ihren Klassen durchführen zu können. Sie sollten dann in der Lage sein, DENKZEIT-Projekttage auch in anderen Kassen selbständig durchführen zu können.

Siehe dazu auch Gewalt und Aggression im Unterricht

Quelle: www.denkzeit.com (08-07-07)




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