Theorien der Lernmotivation

Schüler wollen für die Schule lernen, aber auch anderes tun
Theorien der Lernmotivation in der Pädagogischen Psychologie

Schüler und ihr kulturelles Umfeld

Durch die gesellschaftliche Veränderung und, da es immer mehr Freizeitangebote gibt, wird den Schülern das Lernen immer schwieriger gemacht. Schule wird als weniger erfreulich erlebt und Freizeit dagegen als positiv. An oberster Stelle stehen die Selbstentfaltungswerte (Familie, Leben und Freude) und die Unterordnungswerte (fleißig und ehrgeizig sein) sind diesen nachgestellt, aber auch wichtig. Die Menschen wollen beides haben: glücklich und fleißig sein. Dieses Wohlbefinden wird in 2 Formen geteilt 1) in Befriedigung von Bedürfnissen und 2) in Anstreben von persönlichem Wachstum und Entwicklung. Die Bedeutung von Leistungszielen wird auch durch die verlängerten Ausbildungszeiten und unsicheren Berufschancen geschwächt (vgl. Hofer 2004, S.79-81).

Als Wendepunkt der Lernmotivation ist meist die Pubertät, doch auch schon früher lässt bei vielen SchülerInnen die Lust am Lernen nach, wobei fehlendes Eigeninteresse, Belohnungen durch gute Noten oder Androhungen von Strafen als extrinsische Motivation nicht mehr wirksam sind, sondern die gängigen Praxis der Notengebung entwickelt sich eher zu einem Motivationskiller, da die Beurteilungen zu selten auf das individuelle Leistungsvermögen und die Entwicklung der einzelnen SchülerInnen eingehen. Hinzu kommt, dass äußere Anreize nur so lange funktionieren, wie sie aufrecht erhalten werden können, doch langfristig reduzieren sie eher den inneren Antrieb. Besonders demotivierend wirkt sich dabei der Leistungsdruck aus, etwa durch immer mehr Lernstoff, der in kürzerer Zeit zu bewältigen ist, und immer noch besser werden zu müssen, um Zukunftsperspektiven zu haben.

Motivationstheorien

  • Theorie der Leistungsmotivation: Mit Erfolg werden positive Gefühle verbunden, darum Menschen suchen Leistungssituationen und nehmen lange Arbeit und Anstrengung in Kauf, um erfolgreich zu sein. Schüler können aber in- und außerhalb der Schule auch andere, als Leistungsziele anstreben. Diese können Leistungen befördern, aber auch mit ihnen in Konkurrenz treten (vgl. Hofer 2004, S.83)
  • Flow („autotelisches“ Erleben, dass z.B. beim entrückten Tanzen oder konzentrierten Klettern ausgelöst wird), Tätigkeitsreiz (positive Gefühle entstehen bei der Ausübung einer Tätigkeit und sind Anreiz für motiviertes Handeln) und Interesse(Auseinandersetzung einer Person mit einem Gegenstand wird thematisiert; die Bewertung des Gegenstands und positiven emotionalen Erfahrungen stehen im Mittelpunkt) Hier wird angenommen, dass Menschen Situationen aufsuchen, die sie angenehm empfinden (vgl. Hofer 2004, S.83). Diese Theorien erlauben auch die Motivation für außerschulische Tätigkeiten und, dass Menschen auch neben Leistungswerten auch andere Werte verfolgen.
  • Zieltheorien: Dabei wird davon ausgegangen, dass jeder Mensch eine Vielzahl und seine individuellen Ziele hat. Diese sind von unterschiedlichen Abstraktionsniveaus, beginnen vom momentanen Anliegen, bis zum Lebensziel. „Ebenso wie die Interessenstheorie betonen Zieltheorien, dass menschliches Handeln auf Inhalte statt auf abstrakte „Erfolge“ ausgerichtet ist“ (Hofer 2004, S.84). Zielerreichungen sollten zum Wohlbefinden beitragen.
  • Willenstheorien: Damit ist gemeint, wie Menschen ihre eigenen Ziele realisieren und auf Zielkonflikte reagieren. Sie ergänzen insofern die Zieltheorien. Die Willenstheorien kann man auch in zwei Klassen unterteilen. Zum einen tritt der Wille als Entschluss für ein Ziel oder für eine Handlung ein, was z.B. der Auswahl von Ziele bei Zieltheorien entspricht. Zum anderen tritt der Wille bei der Handlungsausführung auf. Weiters gibt es noch zwei verschiedene Formen von Handlungssteuerung: motivationale Steuerung(wenn ich ein Bedürfnis befriedige) und volitionale Steuerung(tritt bei Handlungen auf, die eher unangenehm sind). Dabei können äußere (wenn mehr Anstrengung erforderlich ist) oder innere (wenn eine Handlung unangenehm ist→Bsp: Hausübung) Schwierigkeiten auftreten (vgl. Hofer 2004, S. 82-85).
  • Theorie der motivationalen Handlungskonflikte: Bei dieser Theorie geht es darum, wie Schüler Konflikte bewältigen, die durch widersprüchliche Ziele entstanden sind. Die zentrale Aussage ist, dass, wenn ein Wertekonflikt vorherrscht, sich der Schüler für einen Wert entscheidet, jedoch bleibt der Konfliktzustand erhalten. Das Ausführen des einen Wertes(Bsp: Freizeitaktivität) wird gestört, denn das Realisieren (Bsp: Hausübung) des anderen drängt. Es gibt 3 verschiedene Arten, wie es zu einem motivationalen Handlungskonflikt kommen kann: a) eine Handlung und mehrere Ziele erreicht(Bsp: der Schüler entwickelt Interesse für einen Lerngegenstand→Leistungs- und Wohlbefindungswerte werden verbunden) Diese Schüler sind pädagogisch erwünscht, jedoch ist das aber nicht möglich, dass alle Schüler die Lerngegenstände angenehm empfinden. b) eine Handlung und ein Ziel erreicht(Bsp: Schüler macht zuerst die Hausübung und anschließend übt er Freizeitaktivitäten aus) c) eine Handlung und ein Ziel erreicht, aber dafür das Erreichen eines anderen ausgeschlossen (Bsp: Freizeit wird der Schule vorgestellt und die Schule vernachlässigt) (vgl. Hofer 2004, S.85-88).

Die folgenden Strategien machen es möglich, dass in einer kurzen Zeit mehrere Werte zu verwirklichen sind, aber Leistungeinbußen in Kauf genommen werden müssen. Diese entstehen, wenn man eine schlechte Zeitplanung hat. Hinausschieben ist, wenn man z.B. die Hausübung wegen Fortgehens auf einen späteren Zeitpunkt verschiebt, nun muss man aber vorausplanen, wenn man sie machen, denn sonst besteht die Gefahr, dass man sie vergisst. Springen bedeutet, dass man zwischen zwei oder mehreren Dingen hin- und herspringt. Wenn man z.B. zwischendurch beim Lernen immer wieder etwas isst. Sinn hat diese Sache nur, wenn der Wechsel gut geplant ist. Mehrfachhandlungen sind z.B., wenn man lernt und gleichzeitig Musik hört oder, dass der Fernseher nebenbei läuft. Das heißt, dass man das eine tut und das andere nicht unterlassen kann. Aufgeben meint, dass, wenn während einer Tätigkeit Schwierigkeiten auftreten, dass man entweder sich mehr anstrengt oder eben aufgibt (vgl. Hofer 2004, S.86-87).

Pädagogische Implikationen

Heute stimmen die Werte und Bedürfnisse nicht mehr mit den Zielen überein und dadurch ist das Wohlbefinden niedrig. Die jugendlichen Ziele und Werte klaffen in der schulischen Realität auseinander. Diese unangenehmen Ziele kann man nicht einfach so weglassen, denn diese betreffen meist die Schule. Es ist dabei wichtig, dass eine Struktur vorherrscht und die Schule und die Familie sollten dabei die Rahmenbedingungen bilden. Mit Struktur ist gemeint, dass geregelte Zeitabläufe den Tag bestimmen. Denn wenn der Tag strukturiert abläuft, so sind später ein geringeres Verhaltensrisiko und bessere schulische Leistungen festzustellen. Die Familie sollte in der Erziehung versuchen dass sie Wärme und Kontrolle vereinen, jedoch sind immer mehr beide Elternteile berufstätig und sie können nicht sehr kontrollieren, was ihre Kinder den ganzen Tag machen. Nun war auch schon die Rede von einer Ganztagsschule, die aber auch einige Nachteile mit sich bringt, aber sinnvoll wäre aufgrund der gesellschaftlichen Situation. Wichtig ist für die Schüler, dass ihre Lernkompetenz steigt, das kann man fördern, indem man das Lernen plant, oder es mittels Lerntagebuch dokumentiert und, dass man die negativen Gefühle verbannt. Die Schulen versuchen auch die Lernkompetenz zu fördern, indem sie außerhalb des Unterrichts Förderunterricht im Bereich Lerntechniken anbieten. Das Beste wäre aber, dass Lerntechniken indirekt im Unterricht selbst gefördert werden (vgl. Hofer 2004, S. 88-90).

Literatur
Eccles, J. S., Wigfield, A. & Schiefele, U. (1997). Motivation to succeed. In Damon, W. & Eisenberg, N. (Eds.), Handbook of child psychology (pp. 1017-1095). New York.
Hofer, Manfred (2004). Schüler wollen für die Schule lernen, aber auch etwas anderes tun. Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, 18, 79- 92.






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