Sinn und Unsinn des Markierens

Eine von manchen Lernratgebern hervorgehobene wichtige Arbeitstechnik der Informationsaufnahme stellt das Markieren und Unterstreichen von Textstellen dar. In der Regel wird jedoch viel zu viel unterstrichen, wobei gelegentlich mit einem oder mehreren verschiedenfarbigen Textmarkern wahllos und „flächendeckend“ markiert wird, oder aber auf die Verwendung von Textmarkern ganz verzichtet wird, obwohl diese ein hilfreiches Instrument sein könnten, sofern sie gezielt und sparsam eingesetzt werden. Der Umfang von Textmarkierungen steht naturgemäß in einem bestimmten Verhältnis zum Informationsstand der Lernenden bezüglich des Inhaltes. Besitzt jemand nur geringe Kenntnisse über ein Thema, so werden für sie/ihn alle Informationen des Textes hohen Neuigkeitswert haben, so dass entweder alles oder gar nichts markiert wird. Ist der/die Lernende im Besitz grundlegender oder erweiterter Kenntnisse, wird er/sie nur das markieren, was er/sie für wichtig erachtet: das, was er/sie schon immer für wichtig hielt und was er/sie im Text wiedererkennt, oder das, was ihm/ihr der Text an neuen Erkenntnissen bietet. Markieren und andere Techniken zur Erfassung von Texten und Informationen hängen daher immer von Vorkenntnissen und inhaltlichen Interessen der einzelnen Lernenden ab. Das Konzept des Markierens und Unterstreichens ignoriert, dass die Aneignungslogik der Lernenden immer in einem Verhältnis zur Logik der Sache steht, das jedoch nicht von vorneherein festzulegen ist, sondern nur individuell und im jeweiligen Bezug zur Sache entsteht.

Aus sämtlichen Untersuchungen, die sich mit Lernerfolgen durch das Markieren befassen, geht hervor, dass das Markieren die Leistung kaum erhöht, wobei der Erfolg auch sehr stark davon abhängt, wie effektiv die Lernenden ihre Markierungen setzen, denn nur bei Lernenden, die diese Technik beherrschen und bei schwierigen Texten anwenden, haben sich geringe positive Wirkungen gezeigt. Bei Tests, die nicht auf direkte Abfrage von Textinhalten abzielen, sondern einen höheren Schwierigkeitsgrad wie das Erkennen von Zusammenhängen verlangen, hat sich das Markieren sogar als nachteilig erwiesen.

Quelle: Helmut Stövesand: Methodentraining nach Klippert.
WWW: http://homepage.univie.ac.at/christian.sitte/FD/PSsozialformen&medien03/Kritik%20an%20Klippert’s%20Methodenansatz.htm (09-08.21)






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