Schulreife

1. Definition: Der körperl. – geistig-seel. Entwicklungsstand, der ein Kind befähigt, ´den Anforderungen der Grundschule nachzukommen. Die Sch. wird in der Regel durch Schu.untersuchungen und -tests vor der Einschulung festgestellt. Bei der Überprüfung stehen drei Kriterie im Vordergrund: 1.Die körperl. Sch. Liegt dann vor, wenn der allgemeine Entwicklungs- und Gesundheitsstand erwarten lassen, dass der Schulanfänger den körperl. Anstrengungen der Schule gewachsen ist. 2. Die geistige (kognitive) Sch. beinhaltet die Fähigkeit zu gegliederter Wahrnehmung und teilinhaltl. Auffassung, zur Erfassung von Mengen, zum Symbolverständnis und zur willentl. Aufmerksamkeit. 3. Die persönlichkeitsbezogene (emotionale und soziale) Sch. Ist eine dem Alter des Schulanfängers entsprechende Selbstständigkeit, sein Eingliederungsvermögen in die soziale Ordnung einer Schulklasse sowie die Fähigkeit, altersangemessene Aufgaben zu übernehmen und erfolgreich abzuschließen. – Sch.untersuchungen und -tests liefern keinen absolut gültigen Maßstab für die tatsächl. Sch. eines Kindes. Zurückstellungen vom Schulbesuch haben sich als ebenso problemat. erwiesen wie Einschulungen trotz fehlender Schulreife. Im Schulkindergarten kann häufig die Entwicklung des Kindes so gefördert werden, dass es in relativ kurzer Zeit den Anschluss an das für das Einschulungsalter vorausgesetzte Entwicklungsniveau erreicht. (vgl. Klemmler 1975, S. 313)

2. Definition: Bez. für den Entwicklungsstand eines Kindes, der als Voraussetzung für das Erreichen der Unterrichtsziele im ersten Schulabschnitt des Primarschulbereichs erforderlich ist. Die Erkenntnis, dass Schulfähigkeit. weniger das Ergebnis biolog. Reifungsvorgänge als vielmehr das Ergebnis der Anregung durch die Familie und die gesamte vorschul. Umwelt darstellt und zudem in Beziehung auf die Unterrichtsziele definiert ist, führte dazu, dass statt von Schulreife zunehmend von Schulfähigkeit gesprochen wird. In Schulfähigkeitsuntersuchungen werden unterschiedl. Aspekte der Schulfähigkeit bestimmt: 1) Die körperliche Schulfähigkeit bezieht sich auf den körperl. Entwicklungs- und Gesundheitszustand des Schulanfängers und wird durch ärztl. Untersuchung festgestellt. 2) Bei der sozialen und emotionalen Schulfähigkeit geht es um die soziale Anpassungsbereitschaft, die Bildbarkeit in der Gruppe, das Verständnis von Regeln und Vorschriften und die altersangemessene Selbstständigkeit. Dieser Aspekt der Schulfähigkeit wird durch Befragung der Eltern, durch Beobachtung des Lernanfängers in Spiel- und Testsituationen ermittelt. 3) Die kognitive Schulfähigkeit bezieht sich auf Wahrnehmungsleistungen, auf feinmotor Koordination, auf Konzentration und Aufmerksamkeit, auf Intelligenz und altersentsprechendes Grundwissen. Zur Untersuchung dieser Aspekte werden Schulreifetests (Schulfähigkeitstests) eingesetzt. Die Frankfurter Schulreifetests, die Weilburger Westaufgaben sowie die Münchner Schulreifetest werden wegen ihrer ausschließlich kognitiven Orientierung (geometr. Figuren zeichnen, Bilder und Gegenstände ordnen und umordnen und ähnle. Aufgaben.) und wegen der Problematik des Schulreifebegriffs heute seltener verwendet; stattdessen finden “Schuleingangs-Assessments”, bei denen Spielsituationen unter Beobachtung wichtig sind, Verbreitung wie das Kieler Einschulungsverfahren (KEV, 1986); übe3r die kognitiven Fähigkeiten hinaus können damit Dimensionen wie Sozialverhalten, Emotionalität, Selbständigkeit getestet werden. Aufgrund der Testergebnisse werden die Getesteten üblicherweise als vollschulfähige Kinder, fraglich oder bedingt schulfähige Kinder sowie noch nicht schulfähige Kinder eingestuft. Letztere erfahren heute zunehmend spezif. Förderungen etwa im Rahmen von Schulkindergärten. (vgl. Brock Haus,21, Band 24, S. 241)

3. Definition: Schulfähigkeit ist abhängig von der Lernvergangenheit des Kindes. Wir sagten schon, dass die Schulfähigkeit mitbestimmt wird durch die individuelle Ausschöpfung der potentiell angelegten Intelligenz, d.h. durch die Lernerfahrungen, die das Kind in den ersten Jahren seines Lebens machen konnte. Hierin gibt es sehr große schichtenspezifische Unterschiede, die durch die unterschiedliche Art der Sozialisation hervorgerufen werden und die Kinder der sozialen Unterschicht deutlich benachteiligen können, besonders durch die geringere sprachliche Kompetenz, die diese Kinder sich aneignen. Das Kind der Mittel- und Oberschicht ist hier im Vorteil. Gute sprachliche Förderungen in der Familie, Interesse an Büchern, das durch Vorlesen hervorgerufen wurde, haben seine sprachlichen Erfahrungen maximal entwickelt; Spielmaterial, auch solches, das Ausdauer fördert, Informationen über Zusammenhänge sowie Erlebnisse verschiedenster Art (Wanderungen, Tiergarten, Teilnahme an verschiedenen Aktivitäten) haben seinen Horizont erweitert und die Lernbereitschaft verstärkt. Ein Kind, dessen geistiges Potential im Vorschulalter durch entsprechende Lernmöglichkeiten und Herausforderungen entfaltet wurde, wird mit größerer Sicherheit schulfähig sein als ein Kind, das wenig Gelegenheit hatte, seine Sprache zu pflegen, Fertigkeiten zu entwickeln und Informationen zu gewinnen. Die Lernvergangenheit eines Kindes – das bedeutet das Maß an Anregung, Impulsen und Zuwendung, die es in den ersten Lebensjahren erfahren hat _ ist in hohem Grad verantwortlich für sein Vorwärtskommen in der Schule. Die Lernvergangenheit wird weitgehend auch durch die außerfamiliäre institutionelle Erziehung bestimmt, durch den Kindergarten. (vgl. Lotte Schenk-Danzinger, Ausgabe 22, S. 242)

4. Definition: Früher glaubte man, man müsse nur abwarten bis ein Kind reif für die Schule sei – daher der Begriff „Schulreife“. Heute weiß man, dass das Heranreifen eines Kindes nicht ausreicht, um die Kompetenzen zu erlangen, die es braucht, um die Anforderungen der Schule zu meistern. Der Begriff der „Schulreife“ hat sich umgangssprachlich erhalten, während in der Fachsprache der Begriff „Schulfähigkeit“, manchmal auch „Schulbereitschaft“ bevorzugt wird. Die Anforderungen der Schule für die das Kind „reif“ sein soll, sind nirgends explizit festgeschrieben. Es kommt auch immer wieder zu Veränderungen, sei es durch Lehrpläne und Richtlinien oder auch durch veränderte Rahmenbedingungen, die die personelle und materielle Ausstattung, die Klassengröße usw. betreffen. Hinzu kommen außerdem die speziellen Unterrichtsbedingungen in jeder einzelnen Klasse. Diese hängen zusammen mit dem Unterrichtsstil der Lehrerin und der pädagogischen Umsetzung der Lernanforderungen, speziell im Anfangsunterricht. Die Anforderungen verändern sich auch dadurch, dass sich das Wissen und Können der Mädchen und Jungen, die in die Schule kommen, erweitert hat. D.h., dass einiges, was vor einigen Jahren noch zum Schulunterricht gehörte, heute bereits vorausgesetzt wird. Es sind die geistigen und sozialen Anregungen und Förderungen, mit denen sich das Kind im Laufe seines bisherigen Lebens in der Familie und im Kindergarten auseinandersetzen konnte, die es schulfähig machen.“Schulfähigkeit“ soll aber nicht heißen, dass das Kind schon zu allem fähig ist, was in der Schule verlangt wird. Ein Schulkind wird das Kind in der Schule. Eltern und Erzieherinnen, für die sich die Frage nach der Schulreife eines Kinde stellt, sollten also der Frage nachgehen: „Ist das Kind fähig und bereit, ein Schulkind zu werden?“ Früher hat man sich sehr stark auf kognitive Aspekte konzentriert und versucht, diese mit Schuleingangstests zu erfassen. Die Ergebnisse waren so wenig zuverlässig, dass diese Tests heute nicht mehr auf breiter Basis eingesetzt werden. Heute weiß man, dass auch anderen Faktoren eine entscheidende Bedeutung für den Schulerfolg zukommt. Zu den Anforderungen der Schulfähigkeit gehören kognitive Leistungen, soziale Kompetenzen so wie die Kompetenzen der Arbeitshaltung und Motivation. Zur Beurteilung der Frage, ob z.B. Kinder, die frühzeitig eingeschult werden sollen, den Anforderungen des Unterrichts genügen können, hat das „Kieler Einschulungsverfahren“ einige Verbreitung gefunden. Es handelt sich um Unterrichtsspiel, bei dem Lehrkräfte das Verhalten von Kindern beobachten. Die individuellen Voraussetzungen für einen erfolgreichen Übergang zum Schulkind und den längerfristigen Schulerfolg lassen sich in folgenden Bereichen skizzieren: 1. Körperlich-gesundheitliche Voraussetzungen Es bestehen Beziehungen zwischen der körperlichen Entwicklung sowie dem Gesundheitszustand und dem Schulerfolg. Damit ist nicht allein das körperliche Wachstum gemeint, sondern die Belastbarkeit im weiteren Sinne. Diese kann eingeschränkt sein, wenn ein Kind häufig erkrankt oder sehr leicht ermüdet. Besondere Aufmerksamkeit ist dem Seh- und Hörvermögen zu schenken, da diese eng mit den Lese- und Schreibleistungen zusammenhängen. 2. Kognitive Voraussetzungen darunter werden jene Merkmale der Schulfähigkeit verstanden, die von den meisten traditionellen Schuleingangstests gemessen werden. Dazu gehören: Differenzierte visuelle und auditive Wahrnehmung, bestimmte Behaltensleitungen, die Fähigkeit zu konkret-logischen Denken und zur Begriffsbildung, insbesondere von zahl- und Mengenbegriffen. Denken und Sprechen sind eng miteinander verknüpft. Sowohl das passive Sprachverständnis und als auch die sprachliche Ausdrucksfähigkeit sind eine wichtige Voraussetzungen dafür, dass das Kind dem Unterricht folgen und sich selber einbringen kann. 3. Motivationale und soziale Voraussetzungen Dazu gehören Motivation und Anstrengungsbereitschaft, die Fähigkeit zur Selbststeuerung der Aufmerksamkeit und zur Hemmung störender Impulse bzw. Bedürfnisse, so dass die Aufmerksamkeit ausreichend lange aufrecht gehalten werden kann. Sein Selbstbewusstsein sollte dem Kind gestatten, angstfrei mit altersgemäßen sozialen Situationen umzugehen, sich sowohl als Gruppenmitglied als auch als Individuum einzufügen und zu behaupten. Seine Selbstständigkeit sollte soweit entwickelt sein, dass es von einer andauernden direkten Zuwendung durch Erwachsene unabhängig ist. Die Frage der Schulfähigkeit nur an den Kompetenzen des Kind zu diskutieren, greift allerdings zu kurz. Der Schulfähigkeit des Kindes steht die Beschulungsfähigkeit der Schule gegenüber. „Beide verlangen nach einer Passung wie Nut und Feder.“ (Nickel, 1990). Dieses Zusammenwirken beschäftigt Pädagogen, Bildungsforscher und Bildungspolitiker zunehmend. Ein Beispiel dafür ist das Projekt des Staatsinstituts für Frühpädagogik: „Konzeptionelle Neubestimmung von Bildungsqualität in Tageseinrichtungen für Kinder mit Blick auf den Übergang in die Grundschule“. Wie bereits erwähnt, ist das Kind nicht vom ersten Schultag an ein „fertiges“ Schulkind – ein Schulkind wird es in der Schule. Übergänge stellen hohe Anforderungen an die Bereitschaft und Fähigkeit zur Anpassung an die neuen Gegebenheiten, sie enthalten aber gleichzeitig wichtige Entwicklungsanreize und mobilisieren Kräfte zur Bewältigung der veränderten Situation. Forscher sprechen von „verdichteten Entwicklungsanforderungen“ auf die Kinder mit verstärkter Lernbereitschaft reagieren. Optimal ist es, wenn die neuen Anforderungen so gestaltet werden. dass sie den individuellen Kapazitäten entsprechen, um eine Überforderung aber auch eine Unterforderung zu vermeiden. Entscheidend für den langfristige Schulerfolg ist, dass sich das Kind in der Schule wohlfühlt, eine positive Grundstimmung und ein gutes Selbstkonzept entwickeln kann. (vgl. Onlinefamilienhandbuch Renate Niesel)

5. Definition: Unter Schulfähigkeit fasst man Voraussetzungen zum Zeitpunkt der Einschulung zusammen, die von der Schule als Voraussetzungen für den Unterricht gewünscht werden. Früher sprach man auch von Schulreife. Dieser Ausdruck wird jedoch in Fachkreisen inzwischen nicht mehr verwendet, da er suggeriert, dass die Kinder ohne äußeres Zutun, alleine durch das Älterwerden, zur Schulfähigkeit gelangen. Insbesondere geht es dabei um 1. Körperlich-gesundheitliche Voraussetzungen Besonders bekannt (und umstritten) ist die Aufgabe für das Kind, z.B. mit der rechten Hand über den Kopf das linke Ohr anfassen zu können. Ist das dem Kind noch nicht möglich, ist die körperliche Schulreife noch nicht gegeben. Ein formales Kriterium ist auch das Alter. In vielen deutschen Bundesländern ist etwa der 31. Juli eines Jahres der Stichtag. Wer bis dahin das 6. Lebensjahr abgeschlossen hat, muss nach den großen Ferien die erste Schulklasse besuchen. Für Kinder, die nach dem Stichtag geboren wurden, kann auf Antrag der Eltern ein Test durchgeführt werden, in dem untersucht wird, ob das Kind schulfähig ist oder noch vom Schulbesuch zurückgestellt werden kann. Waldorfschulen schulen erst nach der Vollendung des siebten Lebensjahres ein. 2. Kognitive Voraussetzungen Ein weiteres Kriterium sind z.B. die Sprachkenntnisse. Viele deutsche Bundesländer testen die Sprachfähigkeiten der Kinder, die im folgenden Schuljahr schulpflichtig werden. Falls Kinder nicht gut genug deutsch sprechen und verstehen oder wenn sie vom untersuchenden Psychologen als nicht reif genug eingestuft werden, müssen sie zunächst Förderklassen besuchen oder ein weiteres Jahr auf die Einschulung warten. 3. Motivationale und soziale Voraussetzungen damit ist z.B. die Motivation und Anstrengungsbereitschaft gemeint, die Fähigkeit die Aufmerksamkeit lange genug aufrecht zu halten. Die Fähigkeit angstfrei mit altersgemäßen sozialen Situationen umzugehen und Selbstständig genug zu sein um von der ständigen direkten Zuwendung durch Erwachsene unabhängig zu sein. Allerdings ist zu beachten: „Das Kind ist nicht vom ersten Schultag an ein „fertiges“ Schulkind – ein Schulkind wird es in der Schule (vgl. www.wikipedia.at)

6. Definition: Mit Schulreife meint man, dass man bei einem Schulanfänger nachweisen will, der Sinn sei dahin gestellt, ob er die für sein Alter entsprechenden Voraussetzungen dafür hat, die Schule zu beginnen. Für das muss das Kind einiges an so genannten “Tests” bestehen. Zum einen wäre da natürlich die geistige Reife: Welche Vorkenntnisse hat er z.B. durch die Eltern erworben, kann er neue Sachen aufnehmen und auch merken. Zum anderen spielen auch die körperlichen Fähigkeiten eine große Rolle: Damit soll überprüft werden, ob der angehende Schüler schon täglichen Strapazen der Schule umgehen kann (Hü machen) und sein Körper mit Stress klar kommt. Beim dritten und letzte Punkt will man herausfinden wie der Anfänger allgemein mit der neuen Situation umgeht. Man will wissen ob er sich in eine wahrscheinlich fremde Gruppe eingliedern kann und Teamfähig ist aber im Gegenzug dazu ist es auch wichtig, dass er auch mal Aufgaben alleine ausarbeiten kann, also selbständig arbeiten.

Siehe auch http://lexikon.stangl.eu/1/schulreife/

Literatur
Kemmler L. (1975). Erfolg und Versagen in der Grundschule: Verlag für Psychologie Hogrefe.
Brock Haus (2006). Enzyklopädie in 30 Bändern, 21 Auflage/Band 24: Verlag F.S. Brock Haus Leipzig GmbH und Brock Haus Mannheim AG
Lotte Schenk-Danziger (1993). Entwicklungspsychologie, 22-unveränderte Auflage: Österreichischer Bundesverlag Wien
www.wikipedia.de
Renate Niesel: onlinehandbuch “Vom Kindergarten”




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