Schlafverhalten und Leistungsstress

Uwe Wolfradt

Schlafverhalten, Lebenszufriedenheit und wahrgenommener Leistungsstress in der Schule

Schlafqualität und Schlafquantität bei Jugendlichen
Generell gilt guter Schlaf bei Kindern und Jugendlichen als Vorraussetzung, um gute Leistungen in der Schule zu erbringen. Dabei wird zwischen Schlafquantität und der Schlafqualität unterschieden. Jedoch kann ein verschiedenes Schlafverhalten während der Woche und am Wochenende zu verzögerten Schlafphasen führen. Das kann die Folge einer Leistungssenkung in der Schule sein (vgl. Backhaus & Riemann 1999, zit. nach Wolfradt 2006, S. 12).
Bezüglich des Schlafverhaltens machte Ohayon et al. (2000) eine Stichprobe von 1125 Jugendlichen von 15 bis 18 Jahre alt, aber auch von 2169 jungen Erwachsenen im Alter von 19 bis 24 Jahren. Das Ergebnis zeigte, dass Jugendliche etwas mehr Schlaf als junge Erwachsene haben und auch, dass 26% mindestens ein Symptom von Schlaflosigkeit aufweisen. Andere Studien ergaben außerdem, dass negative Stimmungen, Depressionen und ähnliches mit einem gestörten Schlaf zusammenhängen. Mit zunehmendem Alter sinkt außerdem die Kontrolle der Eltern über den Schlaf ihrer Kinder. Diese beginnen mit steigendem Altern abends auszugehen und folglich weniger Schlaf zu bekommen.
Eine andere Studie von Meijer et al. (2000) hingegen zeigt auch, dass durch Müdigkeit und ansteigenden Leistungsanforderungen zudem das Leistungsverhalten von Schülern beeinflusst wird.
Das Erlernen neuer Informationen, die Aufmerksamkeit und das abstrakte Denken werden besonders negativ durch unzureichendem Schlaf beeinflusst. Dadurch könnte die Wahrnehmung eines höheren Leistungsdrucks die Folge sein (vgl. Sadeh, Raviv & Gruber 2000; Steenari et al. 2003, zit. nach Wolfradt 2006, S. 14).

Studie
In einem deutschen Gymnasium wurde eine weitere Studie durchgeführt. Man wollte herausfinden, inwieweit sich mangelnder Schlaf auf das Klassenklima, auf die Lebenszufriedenheit aber auch auf den Leistungsdruck Einfluss hat. Dazu wurden insgesamt 217 SchülerInnen, davon 62 Mädchen und 155 Jungen in den Jahrgansstufen fünf bis 13 untersucht. Durchschnittsalter lag bei 14,9 Jahren. Die Studie erwies folgendes Ergebnis: positive Korrelationen bestehen zwischen Schlafdauer und dem sozialem Klima sowie der Zufriedenheit. Auch durch positive Korrelation besetzt sind Schlafstörungen mit dem dazu empfundenen Leistungsdruck. Negativ hingegen korreliert positives soziales Klassenklima mit Leistungsdruck und Schlafproblemen. Bei höherem empfundenem Leistungsdruck sinken auch die positiv empfunden Träume. Außerdem korrelierten die Schlafprobleme untereinander positiv. Erstaunlich ist auch, dass der Studie zufolge jüngere SchülerInnen ein positiveres Klassenklima wahr nehmen, zufriedener sind und zugleich mehr schlafen (vgl. Wolfradt 2006, S. 15-19).
Weitere Ergebnisse sollen zeigen, inwiefern welche der Schlafverhaltensmaße einen Einfluss auf Klassenklima und dem Leistungsdruck haben. Eine hohe Zufriedenheit erreicht man am besten durch niedrige Müdigkeit, geringen Einschlafprobleme und einem geringen Alter. Die Kombination von geringem Alter und niedriger Schlafmüdigkeit sagt außerdem ein positives Klassenklima voraus (vgl. Wolfradt 2006, S. 18).
Bezüglich der Ein- und Durchschlafprobleme ergaben sich Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen. Mädchen haben bezüglich der Ein- und Durchschlafprobleme mehr Probleme als die Jungen. Auch verspüren Mädchen mehr Leistungsstress als Jungen (vgl. Wolfradt 2006, S. 18).
Weiters wurden vier Gruppen gebildet: Die erste Gruppe zeichnet sich durch Schlafprobleme mit negativem Klassenklima, Gruppe 2 auch mit vermehrten Schlafproblemen, jedoch mit positivem Klassenklima aus. Die dritte Gruppe weist weniger Schlafprobleme bei Wahrnehmung eines negativen Klassenklimas auf und Gruppe 4 weist neben geringen Schlafproblemen ein positives Klassenklima auf. Ergebnisse der Studie ergaben, dass Gruppe 1 neben dem höchsten Leistungsstress auch die niedrigste Lebenszufriedenheit besitzt. Auch gibt es Unterschiede zwischen Gruppe 2 und Gruppe 4. Das zeigt, dass auch trotz positivem Klassenklima die Schlafprobleme im Zusammenhang mit niedrigerer Lebenszufriedenheit stehen (vgl. Wolfradt 2006, S. 18-19).

Fazit
Die vorliegende Studie weist darauf hin, dass Schlafprobleme Einfluss auf Lernstress, das Klassenklima und Lebenszufriedenheit nehmen. Müdigkeit führen zu Konzentrations- und Leistungssenkung.

Verwendete Literatur
Wolfradt, U. (2006). Schlafverhalten, Lebenszufriedenheit und wahrgenommener Leistungsstress in der Schule. Psychologie in Erziehung und Unterricht, 53, 12 – 21.




Post a Comment (moderated)

Du mußt angemeldet sein, um kommentieren zu können.

Diese Seiten sind Bestandteil der Domain www.stangl.eu