Machen die Universitäten krank?

Nach Mühlfelder leiden etwa zwanzig Prozent der Studierenden unter psychischen oder Verhaltensstörungen, wobei die Situation der Lehrenden auch kaum günstiger ist. Die meisten Universitäten und Hochschulen verstoßen seiner Meinung nach konsequent gegen Prinzipien der Arbeits- und Gesundheitspsychologie, wobei Mühlfelder konkrete Empfehlungen für Studierende, Lehrende und Verwaltende nennt, die aus der Sicht der Arbeitspsychologie für eine lernförderliche Gestaltung des Hochschullebens notwendig sind:

  • Ganzheitlichkeit der Lernaufgaben: Vollständige Lernaufgaben mit planenden, ausführenden und kontrollierenden Elementen. Studierende erkennen die Bedeutung und den Stellenwert ihrer Lernaktivitäten. Studierende erhalten Rückmeldung über den eigenen Lernfortschritt aus der Lerntätigkeit selbst.
  • Anforderungsvielfalt: Unterschiedliche Begabungen, Fähigkeiten, Kenntnisse und Fertigkeiten können geübt werden. Einseitige Beanspruchungen lassen sich vermeiden.
  • Möglichkeiten der sozialen Interaktion: Schwierigkeiten können gemeinsam bewältigt werden. Gegenseitige soziale Unterstützung hilft, Belastungen besser zu verarbeiten.
  • Handlungsautonomie: Stärkt die Selbstwirksamkeit und die Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung.
  • Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten: Offene Lernformate, Entwicklung eigener Lernziele und -aufgaben fördern Persönlichkeitsentwicklung und Gesundheit.
  • Zeitelastizität und stressfreie Regulierbarkeit: Unangemessene Arbeitsverdichtung wird vermieden, und Freiräume für Reflexion werden geöffnet.
  • Sinnhaftigkeit der (Lern-)-Aufgabe: Übereinstimmung von Handlungszielen mit sinnhaften Normen und Werten.

Aus diesen Forderungen ergibt sich ein völliges anderes Lern- und Studierverhalten, als es die meisten Studierenden gewohnt sind, denn es sollte nicht der lehrerzentrierte Unterricht im Mittelpunkt stehen, sondern das gemeinsame Erarbeiten und Aushandeln von Lernzielen und -inhalten durch die Studierenden selbst. Erst dadurch wir die Fähigkeit zur Selbstreflexion und die Eigenverantwortung ermöglicht.






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