Lesen oder Fernsehen?

Zur Vorhersage von Tätigkeitspräferenz

Nach dem Erwartungs-Wert-Modell der Lesemotivation sollen neben Leistungserfahrungen und sowohl Erwartungskomponente „Bin ich ein guter Leser?“ als die Wertkomponente und „Lese ich gerne?“ der Lesemotivation bei der Prognose berücksichtigt werden. Die Lesemotivation wird meistens in zwei Aspekte unterteilt, diese sind die intrinsischen und extrinsischen Aspekte. Intrinsische Motivation wird beschrieben als Bereitschaft, eine Aktivität durchzuführen, weil die Aktivität selbstbefriedigend und belohnend ist (vgl. Deci & Ryan, 1985, zit. nach Möller & Retelsdorf, 2008, S. 13).
Zum anderen kann man intrinsisch motiviert sein, weil das Lesen die Möglichkeit bietet, sich Informationen über interessante Themen zu beschaffen und die Neugier zu stillen. Dieser Anreiz umfasst eine positive Bewertung der Informationsbeschaffung durch das Lesen und kommt dem Konzept des Interesses nahe (Möller & Retelsdorf, 2008; Schiefele, 1991, 1996).
Lesemotivierte Menschen kennzeichnen sich dadurch, dass sie mit dem Lesen einen positiven Anreiz verbinden oder wegen ihrer Interessen gerne lesen. Extrinsisch motiviert wäre, wenn das Lesen instrumentell eingesetzt werden würde, zum Beispiel um in der Schule besser zu sein als andere. Dies wird nach Möller und Bonerad als „ Wettbewerb“ bezeichnet (vgl. Möller & Bonerad, 2007, zit. nach Möller & Retelsdorf, 2008, S. 14).
Untersucht wird, wie sich die Leseleistung und Lesemotivation auf die Lesevorlieben auswirken. Ergänzt werden Präferenzen für Tätigkeiten wie Sport treiben oder Fernsehen. Von deutschsprachigen Pädagogischen Psychologie zu Recht die Annahme untersucht, dass Schüler nicht nur Lern- und Leistungsziele sondern auch andere Ziele verfolgen (vgl. Hofer & Knapp, 2004, zit. nach Möller & Retelsdorf, 2008, S. 14).
Man könnte annehmen, dass akademische Leistungen und Motivationen sich auf die Vorlieben wie Fernsehen oder anderen Tätigkeiten auswirken. (vgl. Möller & Husemann, 2006, zit. nach Möller & Retelsdorf, 2008, S. 14). Das Fernsehen wurde ausgewählt, weil negative Zusammenhänge mit Tätigkeiten wie zum Beispiel dem Lesen angenommen werden (vgl. Neumann, 1988, zit. nach Möller & Retelsdorf, 2008, S. 14). Wie sich die Lesemotivation auf die sportliche Tätigkeit auswirk, dies wurde bisher noch nicht untersucht.

Methode
Die Stichprobe setzt sich aus einer Gesamtanzahl von 1455 Schülern, aus Schultypen wie Haupt-, Real-, Gesamtschule und Gymnasium zusammen. Das Durchschnittsalter beträt 10,87 Jahre, der befragen Schüler und Schülerinnen.
Tätigkeitspräferenz
Dies setze sich zusammen aus akademischen Inhalten wie Lesen von Geschichte und Sachtexten oder Freizeithandlunge wie Sport treiben oder Fernsehen zusammen.
Lesemotivation
Die Lesemotivation wurde mit Fragebögen erfasst. Dieses Verfahren unterschied vier Lesemotivationen: Leselust („Es macht mir Spass Bücher zu lesen.“), Lesen aus Interesse („Ich lese, um Neues und Interessantes über Texte zu erfahren.“) Wettbewerb als Vergleichsmotivation („ Ich strenge mich an, um besser zu lesen als die Anderen.“) und das Selbstkonzept („Ich kann Texte gut und schnell verstehen“) (vgl. Möller & Boneard, 2007, zit. nach Möller & Retelsdorf, 2008, S. 15).
Leistung
Als Maß für die sprachliche Leitung wird die Deutschnote des letzen Zeugnisses von den Schülern erfragt.
Durchführung
Die Befragung dauerte vier Stunden. Die Schüler hatten zwei längere Texte zu bearbeiten, dieser Teil war verpflichtend. Der zweite Teil der Befragung war ein Fragebogen, dass das Leseverhalten und die Lesemotivation umfasst. Dieser Teil war jedoch freiwillig.

Ergebnisse

Ziel dieser Untersuchung war es, die Tätigkeitsvorlieben der Schüler zu analysieren. Dafür wurde den Schülern eine Liste mit akademischen und nicht akademischen Tätigkeiten vorgelegt. Dabei kam zum Vorschein, dass das Lesen zwar keinen niedrigen Präferenzwert hat, doch die Vorlieben zum Sport und Fernsehen ist deutlich höher. Die Präferenz des Lesens wurde durch Aspekte wie Lesemotivation, Leselust und das Lesen aus Interesse vorhergesagt. Das Lesen aus Interesse ist wichtiger für die Präferenz, Sachtexten zu lesen während das Lesen von Geschichten mit der Leselust zusammenhängt. Auffällig ist jedoch, dass der Wettbewerbsaspekt der Lesemotivation eine eher geringe Rolle spielt.
Im Großen und Ganzen fand man heraus, dass Kinder die sehr viel fernsehen, schlechtere schriftsprachliche Kompetenz aufweisen, als Kinder, die wenig Zeit vor dem Fernseher verbringen.

Verwendete Literatur:
Möller, J. & Retelsdorf, J. (2008). Lesen oder Fernsehen? Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 40 (1), 13-21.




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