Leistungsangst und Persönlichkeit im Studium

Das Differentielle Leistungsangst Inventar (DAI) basiert auf dem funktional-theoretischen Modell von Rost und Schermer (1997, 2007) mit insgesamt zwölf Skalen, die vier modifikationsrelevanten Bereichen zugeordnet sind (vgl. Kröner et al., 2009, S. 187 ff):

  • individuell auslösende Bedingungen (AUS),
  • Manifestation (MAN),
  • Copingstrategien (COP)
  • Stabilisierungsformen (STAB) der Leistungsängstlichkeit.

Die Big Five sind das derzeit am weitesten verbreitete Persönlichkeitsmodell, das fünf breit angelegte und relativ unabhängige Persönlichkeitsdimensionen umfasst (vgl. Kröner et al., 2009, S. 187 ff). Dazu gehören:

  • Neurotizismus (N),
  • Extraversion (E),
  • Offenheit für Erfahrung (O),
  • Verträglichkeit (V)
  • Gewissenhaftigkeit (G) .

In Studie 1 wurde das funktional-theoretische Modell der Leistungsängstlichkeit, welches dem DAI zugrunde liegt, unter Verwendung konfirmatorischer Faktoranalysen anhand der Daten von Schilling, Rost & Scherner (2004) geprüft und auf Äquivalenz für männliche und weibliche Studierende untersucht. Die konfirmatorische Faktoranalyse bestätigte die von Schilling et al. (2004) mit explorativen Hauptkomponentenanalysen gefunden Resultate. Die faktorielle Struktur bei Männern und Frauen war sehr ähnlich. Zudem ergab sich eine hohe Korrelation von Angstauslösung, Angstmanifestation und internaler Stabilisierung (vgl. Kröner et al., 2009, S. 187 ff).

In Studie 2 wurden die bisher nicht erforschten Zusammenhänge des DAI mit den Big Five exploriert. Dabei fielen die meisten Korrelationskoeffizienten in Studie 1 und 2 recht ähnlich aus. Externale Stabilisierung korrelierte schwach mit der Big Five. Erwartungsgemäß korrelierte Neurotizismus stark mit Angstauslösung, Angstmanifestation und internale Stabilisierung. Die höchsten Korrelationen zwischen Persönlichkeitsfaktoren und Copingstrategien bestanden zwischen Gewissenhaftigkeit und der DAI-Skala produktives Arbeitsverhalten bzw. mit der DAI-Skala Vermeiden und Mogeln. Auch zwischen Offenheit und der DAI-Skala Relaxation und Antizipation ergab sich eine hohe Korrelation (vgl. Kröner et al., 2009, S. 187 ff).

Der Einsatz des DAI in der Leistungsängstlichkeitsdiagnostik bei Studierenden bewährte sich sowohl in Studie 1 wie auch in Studie 2 als Forschungsinstrument aber auch als Instrument in der Individualdiagnostik. Hingegen bleibt die Frage offen, welche Rolle die Studienrichtung auf das Ausmaß an Prüfungsbelastung spielt (vgl. Kröner et al., 2009, S. 187 ff).

Wedel & Thomsen (2017) haben untersucht, ob es Eigenschaften gibt, die typisch für bestimmte Studienrichtungen sind. Für die Studie erhob man bei angehenden Studierenden in den Fächern VWL, BWL, Jus, Politikwissenschaften und Psychologie die „Big Five“ der Persönlichkeit (Neurotizismus, Extraversion, Offenheit, Gewissenhaftigkeit und Verträglichkeit). Es zeigte sich dabei, dass einige Persönlichkeitsmerkmale schon vor Studienbeginn und je nach Fach unterschiedlich stark ausgeprägt sind, denn so neigen angehende Studenten der Volks- oder Betriebswirtschaftslehre zu Selbstüberschätzung, Psychopathie und rücksichtslosem, manipulativem Verhalten. Diese Eigenschaften zählen zur Dunklen Triade, bestehend aus den Merkmalen Narzissmus, Psychopathie und Machiavellismus, die sich unter anderem in Egozentrismus und rücksichtslosem Verhalten äußern.
Männliche Probanden hatten dabei bei allen Merkmalen der „Dunklen Triade“ signifikant höhere Werte als weibliche, doch innerhalb der Studienrichtungen gab es keine nennenswerten Geschlechtsunterschiede mehr, auch wenn der Frauenanteil stark variierte. Insgesamt war Psychologie die Fachrichtung mit der geringsten Neigung in den drei dunklen Persönlichkeitsmerkmalen, doch sind Psychologiestudierende viel neurotischer als Wirtschafts- und Politikwissenschaftsstudierende, sind aber auch verträglicher und offener. Weibliche Studien-Anwärterinnen zeigen im Durchschnitt einen höheren Wert an Neurotizismus, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit. Offenbar prägt nicht erst das Studienumfeld die Studierende, sondern Wirtschaftsstudenten haben schon viel früher gelernt, ihre Ellbogen einzusetzen und sprichwörtlich über Leichen zu gehen, um ihre Ziele zu erreichen. Dieser Befund passt auch zu Forschungergebnissen über die Persönlichkeitsmerkmale von Menschen in den Chefetagen großer Firmen.

Literatur

Vedel, A., Thomsen, D. K. (2017). The Dark Triad across academic majors. Personality and Individual Differences, 116, 86–91.
Kröner, S., Sparfeldt, J., Buch, S., Zeinz, H. & Rost, D. (2009). Leistungsangst bei (Lehramts-)Studierenden – Exploration der Zusammenhänge mit der Big Five. Psychologie in Erziehung und Unterricht, 56, 187-199.








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