Leistung von LehrerInnen

An eine Lehrkraft werden sehr viele Anforderungen und Ansprüche gestellt. Sie sollen hohe fachliche Qualifikationen haben, die Schüler zum Lernen Motivieren und zugleich zur didaktischen Profilierung ihres Faches beitragen. Man erwartet Personen, die Generalisten und Spezialisten zugleich sind. Ob ein Lehrer die von ihm erwartete Leistung erbringt, hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Seit einigen Jahren wird die Leistung von Lehrern und –innen in Fragen gestellt und dies auf Grund von Messungen der Schülerleistungen.

Die Ergebnisse der Untersuchung von Reisinger (2009) verdeutlichen, dass man das Leistungsverhalten der Lehrer nicht unterschätzen darf. Ziel der Pilot-Studie war es eine theorie- und hypothesengeleitete Überprüfung, welche Effekte von der Persönlichkeitsstruktur, den beruflichen Befindlichkeiten, den beruflichen Interessen österreichischer Lehrer sowie spezifischen Umweltmerkmalen wie Zugehörigkeit zum Schultyp und Schulstandort gemessen an der Einwohnerzahl auf das Leistungsverhalten aufzustellen und zu analysieren (vgl. Reisinger, 2004, S. 85-93).
Im Wesentlichen gibt es zwei Leistungsverhaltensmuster von Lehrern: Die Leistungsorientierung und die Anstrengungsvermeidung.

  • Unter Leistungsorientierung versteht man die subjektive Ausrichtung des berufsbezogenen Verhaltens einer Lehrkraft an einem persönlichen Leistungsmaß sowie an persönlichen und vorgegebenen Leistungszielen.
  • Anstrengungsvermeidung wird auch als Anstrengungsreduzierung definiert, wobei es noch eine weitern Unterteilung gibt zwischen einer ‚intelligenten‘ Form wie zB die Vermeidung von unnötigen Arbeitsschritten oder der ‚Schutzfunktion‘, die vor Überlastung aus bewahrt.

Mittels einer exploratorischen Faktoranalyse wurde das Kriterium der Anstrengungsvermeidung untersucht und es wurden drei Komponenten extrahiert:

  • Anstrengungsvermeidung bei unterrichtsrelevanten Aktivitäten
    betrifft die Leistungsrücknahme bei Tätigkeiten mit direktem Schülerkontakt (zB Korrekturarbeiten)
  • Anstrengungsvermeidung bei mangelnder Anerkennung und Überforderung
    bei mangelender Wertschätzung des persönlichen Arbeitseinsatzes und fehlende Möglichkeiten zum Entspannen
  • Anstrengungsvermeidung bei zusätzlichen lehramtlichen Pflichten und sonstige Tätigkeiten wie zB Supplierungen ohne Anspruch auf Vergütung

Es gelang die Identifizierung von zwei Lehrergruppen, die sich sehr in bezug auf ihre zielbezogenen Leistungsorientierung unterscheiden. Als ersten Typ gibt es die aufgabenorientierten Lehrer, welche die besseren Voraussetzungen für die Schüler mit sich bringen als der andere Typ, der ichorientierte Lehrer. Typ 1 bemüht sich primär und langfristig mit der Erreichung von pädagogischen Zielsetzungen. Allerdings wird vom aufgabenorientieren Lehrer die Berufsbelastung deutlich empfunden. Typ 2 (ichorientiert) konzentriert sich hauptsächlich kurz- bis mittelfristig auf die Demonstration der Leistungen, um die Ziele zu erreichen. Der ichorientiere Lehrer ist leistungstüchtiger, hat einen höheren Arbeitseinsatz und ist ehrgeiziger. Er ist allerdings weniger offen für neue Erfahrungen und das spontane Handeln liegt ihm auch eher weniger (vgl. Reisinger, 2004, S. 86-92).

Literatur
Reisinger, Christa-Monika (2009). Leistungsverhaltensmuster im Lehrerberuf. Erziehung und Unterricht, 159, 85-94.
Oelkers, J. (2007): Qualitätssicherung und die Motivation der Lehrkräfte. In: Bertelsmann Stiftung (Hg.): Lehrer unter Druck. Arbeitsplatz Schule: zwischen Sokrates und Sozialarbeit. Gütersloh, Verlag Bertelsmann Stiftung, S. 183-208.
Rollet, B. (2006): Anstrengungsvermeidung. In: Rost, D. H. (HG.) (2006): Handwörterbuch Pädagogische Psychologie. Weinheim, Beltz, 3. Auflage, S. 371-378.




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